Jaroslawl Reisebericht: Stadt im Goldenen Ring

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Moskau - Jaroslawl Reisebericht

25. Dezember 2007


Metro Moskau Reisebericht

Wir machten uns gleich auf den Weg um vom Kiever Bahnhof zum Jaroslawler Bahnhof zu gelangen. Dieser Bahnhof ist der Kilometer 0 auf der Reise nach Wladiwostok. Da wir direkt zur Rushhour ankamen, hatten wir auch mal die Gelegenheit die schönste Metro der Welt (UNESCO-Weltkulturerbe) in vollen Zügen zu genießen. Es hat Minuten gedauert, um überhaupt die Stationen zu verlassen, geschweige innerhalb einer Station umzusteigen. Jedes mal strömten Menschenmassen zu den jeweiligen Gängen. Dort ging es nur noch im Gänseschritt vorwärts. Man wurde mit der Menschenmasse minutenlang bis zur nächsten (Roll-)Treppe geschoben. Die meisten Mitläufer nutzen die Zeit, um eine Zeitung oder Buch zu lesen.

Dann gegen 8 Uhr kamen wir an dem Metrohalt „Drei-Bahnhöfe“ am Jaroslawler Bahnhof an und wir versuchten in der Nähe des Bahnhofes ein nettes „Kofje Chaus“ (die russische Antwort auf Starbucks) zu finden. Nach hunderten Metern entlang des Kasaner Bahnhofs gaben wir es auf und hingen unsere westlichen Vorstellungen vom schnellen Bahnhofsbrunch an den Nagel. Wir gingen zurück zum Bahnhof und nahmen mit der Kantine vorlieb. Hier gab es eine sehr beschränke Auswahl an Produkten. Nach Prüfung des PLV (Preis-Leistungs-Verhältnis) hatten wir uns ein russisches Frühstück zusammengestellt.

Bald war es soweit und 9:00 Uhr begaben wir uns zum Gleis um 9:35 Uhr den Zug 16JA nach Achangelsk zu nutzen. In den ehemaligen GUS-Staaten ist es üblich, dass selbst auf kurzen Strecken im Schlafwagen Kupe (vgl. Übersicht Buchungstypen) gefahren wird. Selbst wenn es nur vier Stunden am Tagfahrt sind. So nutzen wir auch auf dieser Fahrt bis zur planmäßigen Ankunft um 13:45 Uhr das Schlafwagenabteil. Sehr zur Freude von Martin, der sich noch mal richtig ausschlafen konnte. Die alte Transsib Strecke führt durch einige tolle Orte, wie Iwan mit interessanten Kirchen.


Der Bahnhof ist circa zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt. Nach der Gepäckabgabe bestiegen wir einen Oberleitungsbus (O-Bus) in Richtung Zentrum. Die Straßenverhältnisse waren nicht gut, aber der Bus fuhr langsamer als langsam. Die Altersschwäche konnte man dem Fahrzeug sozusagen ansehen.


JAROSLAWL Reisebericht – Ярославль

Willkommen im Goldenen Ring


Circa vier Stunden Zugfahrt nördlich von Moskau, liegt eine der ältesten Städte der russischen Föderation. Nicht nur der Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn in Moskau ist nach dieser Stadt benannt, sondern die Silhuotte des Kremls zu Jaroslawl ist auch auf jedem 1000 Rubel Schein abgebildet (höchste Banknote in Russland).

Der hiesige Kreml (russisch für Burg) ist sogar mit der höchsten kulturellen Auszeichnung geweiht worden - Zugehörigkeit zum Welterbe der UNESCO.

Wir hatten bis zu diesem Ort etwa 45 Minuten durch den dicken Verkehr und Schneematsch zu Fuß gebraucht.

Unsere Erwartungen an dieses Kulturhighlight waren hoch, doch nicht zuletzt das wolkenverhangene und triste Winterwetter ließ den abgebröckelten Putz noch verkümmerter aussehen. Die Bausubstanz ist relativ schlecht erhalten und hierzulande hätte wohl kein Bauwerk in diesem Zustand jemals das UNESCO-Weltkulturerbe Siegel bekommen.

Trotzdem besichtigten wir den Komplex eine gute Stunde. Danach flanierten wir entlang des Flusses Kotoros bis hin zur Mündung in die Wolga. Es waren kaum Menschen unterwegs und die im Sommer doch so gut besuchte Promenade 

hatte jetzt eine einzigartige melancholische Stimmung.


Auf einer Insel im Fluss Kotoros befanden sich ein paar Fahrgeschäfte - es war genauso skurril wie es typisch für Russland ist, dass dieser kleine Freizeitpark geöffnet hatte.

Das ganz besondere Erlebnis jedoch, ankerte direkt vor unseren Füßen: Ein Boot - ein Piratenboot um genauer zu sein. Zumindest begrüßte uns am Eingang dieses Luxusrestaurants Captain Jack Sparrow, nebst einigen kitschigen Gestalten, höchstselbst. Mögen die Restaurants noch so gut ausstaffiert sein, am Eingang hängen leider keine Speisekarten, die wir doch so gewohnt sind in Europa. Man weiß also bis zum Betreten der Lokalität nicht, in welcher Preisliga das Essen spielen wird. Wir nahmen allen Mut zusammen und enterten das Nobelschiff und alle unsere Erwartungen wurden übertroffen. Im Inneren befand sich ein echtes Restaurant der ersten Klasse, welches gar nicht kitschiger hätte sein können. Die Tische waren vollgepackt mit unzähligen überflüssigen hochglänzenden Besteckaccessoires, Gläsern, Tellern und überall schauten unzählige bunte Fische aus den riesigen Aquarien auf uns. Vielmehr als die Fischaugen bedrängte uns jedoch das Team aus einem guten Dutzend hochattraktiver Mitarbeiter - schließlich waren wir die einzigen Gäste am Nachmittag.

Nachdem wir die Speisekarte gelesen hatten, stellten wir fest, dass die Mehrzahl der Speisen im möglichen Preisrahmen < 1000 Rubel angesiedelt waren.  

Wir waren plötzlich doch nicht mehr bereit etwas zu essen verließen das Schiff und gingen weiter die Promenade entlang. Wenn hier abends mal was los sein sollte ist dieser Ort sicher eine spannende Alternative mal in die russische Society einzutauchen, solange man darauf Wert legt. Zumindest ließen Fotos von wilden Partys an den Wänden darauf schließen.


Kirchen


Achja, dann hatten wir uns auch noch einige der unzähligen Kirchen (russisch-orthodox) angesehen. Durch das Erstarken der Orthodoxen Kirche in Russland kommt es auch nicht selten vor, dass man Bauarbeiten an einer neuen Kirche sieht. Und möge es draußen in Russland noch so kalt sein und die Kirche noch so schlecht isoliert sein, man wird immer eine gut geheizte Kirche vorfinden. Dann ist es im Winter auch nicht so schlimm, dass sich keine Bänke in der Kirche befinden...


Es wurde dunkel und wir vermochten den allmählich aufkommenden Hunger zu stillen. In einem bahnhofsnahen Restaurant wollten wir uns verwöhnen lassen. Wir konnten jedenfalls den Magen füllen - trotz des relativ hohen Preises (PLV ganz schlecht).


Jaroslawl - Sverdlovsk Reisebericht


Schnell holten wir das Gepäck am Bahnhof ab und gingen zu unserem Zug. Im Abteil waren schon zwei junge Russen einquartiert. Sie kamen aus Moskau und sind bis nach Perm gefahren. Wir hingegen hatten unsere Reservierung bis Jekaterinburg gekauft.


Aufgrund der Einsilbigkeit unserer Reisekollegen konnten wir leider nur einen beschränkten Einblick in den russischen Lifestyle erhalten. In Perm hatten wir einen Aufenthalt von knapp 30 Minuten. Wir kauften in dem Bahnhofsrestaurant Eier, Saft, Butterbrote und natürlich Fertigsuppen. Nun stand die Fahrt 

durch den Ural an. Da wir ab Perm alleine im Abteil waren, konnten wir das Licht ausmachen und die Fahrt durch das Gebirge genießen. Der Zug fährt ausschließlich entlang eines Flüsschens und die Hügel kann man überhaupt nicht Gebirge nennen. Selbst wenn die Fahrt durch den Ural nachts ist, wird man nichts verpassen. Eine Stunde vor Sverdlovsk (Jekaterinburg) fährt man dann ganz offiziell aus Europa raus und rein nach Asien.

Hier steht ein Obelisk, der den richtigen Weg weist. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Tor nach Asien -  Jekaterinburg.



text: tjark METZNER, basel mai 2009