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RUANDA & kigali 2011

Ruanda Reisebericht
& Kigali City Guide


Ein Reisebericht über das Land, die Menschen und die Kultur sowie den Besuch bei unseren Patenkindern.


Prolog


Das weiche Licht der untergehenden Sonne lässt den roten Staub über Kigali erglühen. Wir schauen Richtung Osten zum Flughafen, die Stadt scheint zu brennen.

Die Terrasse des Hotels Chez Lando zwischen Innenstadt und Airport ist die letzte Bühne, die wir hier betreten. Es ist soweit, der letzte Tag geht zu Ende. Wir werden zum Flughafen gebracht. Die Straße zum Flughafen ist übersät mit Passanten. Auf dem Parkplatz des Airports angekommen taucht uns die Sonne, in ein staubiges, tiefes rotes Licht. Gut sichtbar von der Innenstadt liegt der Flughafen auf einem der tausend Hügel. Wir müssen uns von unseren Gastgebern verabschieden und reihen uns in die chaotische Schlange vor dem Flughafeneingang. Die letzten Sonnenstrahlen begleiten uns und dann legt sich die Dunkelheit über das Land. Die Luft ist drückend warm. Der Flughafen war und ist das Tor in eine vermeintlich bessere Welt. „Getting there is half the fun [...] with KLM you have the ticket to the world“ vermitteln großformatige Plakate in ganz Ruanda. Es ist der Weg aus Ruanda hinaus und in das Land hinein.



Tag 1: Ankunft Kigali (Sa)


Es ist schon dunkel als wir Kigali pünktlich um 19 Uhr erreichen. Uns empfängt ein warmes, mildes Klima und wir eilen quer über das schlecht ausgeleuchtete Vorfeld des Flughafens zum Terminal. Wir quetschten uns in das Terminal und warteten geduldig 30 Minuten, bis wir endlich offiziell einreisen konnten. Anschließend steigen wir die Treppe hinunter zur Gepäckausgabe. Es dauerte dann weitere 20 Minuten bis wir den Sicherheitsbereich mit unseren drei Koffern verlassen konnten.

Im Ankunftsbereich des Terminals wartete bereits eine dicht gedrängte Menge auf die Angekommenen. „Tjark und Hans Dieter Metzner“ stand auf einem DIN A4-Zettel – „Willkommen in Ruanda“. In der ersten Reihe standen unsere Gastgeber Dr. Karangwa, seine Frau und unser Patenkind.

Vor dem wartenden Auto wurde die erste Fotosession mit Patenkind, Mutter, Assist-Präsident Evariste und seinem Neffen abgehalten. Es war ein sehr herzlicher Empfang. Präsident Dr. Evariste Karangwa lud uns dann in sein Auto (Parken am Airport kostet 600 RWF/Stunde). Was folgte war keine normale Autofahrt, denn Evaristes Auto hatte schwer mit der Kupplung und Leistungsabfall an jeder Steigung in der Stadt der Tausend Hügel zu kämpfen.

Mühsam schleppte sich das Rover-Gefährt durch die spärlich beleuchteten Straßen und führte uns letztendlich auf einem innerstädtischen Weg zum Haus unseres Gastgebers Evariste. Vom gegenüber liegendem Hügel blinkten die Lampen an den Sendemasten des Radiosenders „Deutsche Welle Radio“ zu uns herüber.

Frau Karangwa, die Tochter und der Sohn begrüßten uns kurz und es gab ein afrikanisches Abendbrot. Gekochte Bananen gemischt mit gestampften Kartoffeln, Erbsen-Möhren-Mischgemüse, geschmorter roter Paprika, Zitronen und Grüne Tomaten, Reis und etwas Gulasch vom Geflügel. Dazu gab es eine würzige rote Soße. Zum Nachtisch gab es Obst der Saison. Es folgten einige Terminplanungen für die nächsten Tage. Ganz ohne Jetlag ließen wir den Abend mit dem einen oder anderen Bier ausklingen und schliefen im vorbereiteten Gästezimmer auf warmen Decken unter nur einem Moskitonetz.



Tag 2: Auf nach Nyagatare (So)


Das Frühstück war schon aufgebaut. Weißbrot, Butter und gekochte Eier erwarteten uns am ersten Morgen in Kigali. Es war herrliches Wetter. Die Ehefrau von Dr. Karangwa hatte schon alles vorbereitet und so konnten wir gestärkt in den Tag starten. Eigentlich sollte uns Emmanuel um 10 Uhr mit seinem Auto hier abholen, um mit uns in das rund 160 Kilometer entfernte im Nord-Osten Ruandas liegende Nyagatare zu fahren. Wir wollten uns dort über den Baufortschritt eines Kinder- und Jugendzentrums informieren und auf dem Rückweg noch das zweite Patenkind, den 16-jährigen Sam, besuchen. Doch es wurde dann schnell Mittag und schließlich Nachmittag, ohne dass Emmanuel uns vereinbarungsgemäß abholte. Nach afrikanischer Zeit war Emmanuel jedoch überpünktlich. Die neue Abfahrt wurde um drei Stunden verschoben und somit hatten wir noch Zeit, um mit Evariste in einem Taxi das Patenkind Praise und ihre Mutter Janett in einem Viertel direkt am Flughafen (Einflugschneise = niedrige Grundstückspreise) zu besuchen. Sie hatte schon neugierig auf uns gewartet.

Zurück, nun kurz vor 14 Uhr, verließen wir den Hof der Familie Karangwa in Emmanuels Auto. Der Straße folgend erreichten wir das Haus von Emmanuel, bei dem wir einen kurzen Stopp einlegten. Von hier aus hatten wir eine tolle Sicht auf die neue „Freihandelszone“, die westliche Konzerne nach Ruanda locken soll. Wir konnten gut geteerte Straßen und ein kleines Silo erkennen.

Bevor wir jedoch die Stadt verlassen und uns auf die lange Tour begeben konnten, mussten wir noch einmal eine Auto-Werkstatt aufsuchen, um das Fahrwerk des betagten alten Toyotas prüfen zu lassen und um zu tanken. Das war der Beginn einer mehr oder weniger anmutenden Odyssee der ewig nötigen Reparaturen unseres Beförderungsmittels durch Ruanda. Bald darauf befanden wir uns auf der Hauptausfallstraße Richtung Kibonga (weiter Richtung Tansania) und Nyagatare in Richtung Uganda. Rechts ein neues Krankenhaus, links schleppen Kinder ewig gelbe Kanister mit Trinkwasser. Die gut geteerte Straße schlängelte sich entlang des Tales und wir verließen Kigali. Statt Hütten stehen Palmen, Zuckerrohr und Reis an der Straße. Ich komme mir vor wie auf einer Karibikinsel. Zwischendurch kommen uns öfter überfüllte Kleinbusse, wahrscheinlich aus Tansania und Uganda entgegen. Trotzdem nutzen nicht viele Autos und Busse die Straße. Die Füße und seltener Fahrräder sind das Transportmittel Nummer eins. Mir fällt sofort auf, dass Nordkorea und Ruanda in der Entwicklung von Shared Space (wiki) die Niederlande oder Deutschland überholt haben. Nach 50% der Strecke hielt Emmanuel an. Uns bedurfte es eines Kaffees und so steuerte Emmanuel bei Rwamagana das Dereva Hotel an. Dieses liegt zwar direkt an der Transitstraße, die Terrasse zum Kaffeetrinken ist aber sehr ruhig. Begnügt mit dem friedlichen Platz, bestellten wir afrikanischen Tee. Eine kleine weiße Touristengruppe stieg hier offenbar auch ab. Nach nicht all zu langer Zeit, saßen wir wieder im Auto und fuhren weiter bis zur Schwesternschule am Muhazi See, in unmittelbarer Nähe des Hotels „Seeds of Peace Centre“. Auf der gegenüberliegenden Seeseite befindet sich die Range vom Präsidenten Paul Kagame. Unsere mitgebrachten Schulmaterialien gaben wir in der Schwesternschule ab. Die Kindergartenoberin freute sich unendlich über unsere Geschenke. Sie ist 75 Jahre und unterrichtet in einer 16 m² großen Lehmhütte 34 Kinder in 2 Schichten auf eigene Kosten. Nach ein paar Fotoshootings mit den neugierigen Einwohnern, wollten wir den Ort oberhalb des Muhazi Sees noch vor Einbruch der Dunkelheit verlassen, doch das Auto streikte. Die Batterie versagte ihren Dienst. Langsam wurde es dunkel. Das folgende Szenario war dann fast filmreif: Irgendwo in Afrika, in einem kleinen Ort, fast ohne Strom, geht das Auto fernab von jeder Landstraße und Hilfe, nicht mehr an. Mehr und mehr Menschen aus dem Dorf umringten uns. Wir versuchten es unter Mithilfe einiger Kinder anzuschieben, doch der Motor sprang nicht an. Nun war es endgültig dunkel. Zum Glück lag das Dorf auf einem Berg. Hilfe wurde uns von allen Seiten angeboten, doch wir zogen es vor uns den Berg hinunter bis zur Hauptstraße rollen zu lassen und dort auf Hilfe zu warten. Hier war ja auch das bereits erwähnte Hotel in der Nähe. Hilfe und Gastfreundschaft wird in Ruanda ganz groß geschrieben. Auch wenn es stockfinstere Nacht ist.
Allein mithilfe einer kleinen Taschenlampe gelang es Emmanuel schließlich die Batterie mit einem in der Nähe geparkten Auto zu tauschen und unser Auto war vorübergehend wieder fahrtüchtig. Nach zwei Stunden saßen wir wieder im Auto und fuhren bei offenen Fenstern in der nächtlichen Kühle nun eine weitere Stunde Richtung Norden. In jedem Reiseführer wird davon dringend abgeraten „Fahren Sie nicht im Dunkeln mit dem Auto.“ Emmanuel kannte sich jedoch aus, hupte ständig und fuhr meistens  in der Mitte der Straße, um Schlimmeres zu vermeiden. Wir fühlten uns mehr oder weniger sicher, vertrauten Emmanuel aber zu 100%. Einigen Schlaglöchern konnte er jedoch nicht ausweichen. Das war heftig und bei 100 km/h eine echte Herausforderung für das Auto. Für die ganze Strecke von Kigali bis nach Nyagatare braucht man eigentlich ungefähr 2,5 bis 3 Stunden. Die Straße ist sehr gut ausgebaut. Das heißt aber nicht, dass sich nachts keine beweglichen Hindernisse auf der Straße befinden.
Irgendwie kamen wir gegen 19 Uhr endlich im Blue Sky Hotel in Nyagatare an. Wir checkten ein und begaben uns dann zur Hotelbar in das gegenüberliegende Gebäude. Es gab sehr gut temperiertes Primus und Mützig Bier und dazu eine leckere Portion Bruchett  (Ziegenfleisch-Spieß, gekochte Bananen, Pommes und Reis). Das war genau das richtige und somit konnten wir den Tag unter Sternenhimmel bei einem leckeren Essen und kühlem Bier ausklingen lassen.


Tag 3: Nyagatare unlimited


Nyagatare ist eine touristenfreie Stadt irgendwo im nirgendwo – aber „mitten“ in Afrika – natürlich und unberührt. Als die ersten Sonnenstrahlen die Umgebung erhellten, zeichneten sich in der Ferne die ersten Hütten der Stadt vor unserem Hotel ab. Hin und wieder waren Menschen mit Nutztieren zu sehen. Insbesondere der östliche Teil von Ruanda ist geprägt durch die Viehzucht. Unter den Hartlaubgewächsen vor unserem Balkon ließen sich rechts und links eingeschossige Häuser erahnen – wir waren ja schon im Stadtzentrum. Die Menschen begannen ihr Tageswerk.

Wir wollten uns zum Frühstück mit Emmanuel um neun Uhr treffen. Diese Angabe war nutzlos, da die Menschen hier nach ihrer eigenen gefühlten Zeit leben. Er kam wie immer lächelnd, aber viel zu spät.

Das Blue Sky Hotel bot uns eine Art Lobby als Frühstücksraum an. Der Raum war sehr karg. Dennoch gab es einen Flachbildfernseher an der Wand, auf dem (vielleicht uns zuliebe) CNN lief. Wir nahmen uns etwas lauwarmes Gebäck aus dem einzigen Rechaud. Zum Abschluss gab es ein lauwarmes Omelette. Zu unserer Verwunderung gab es im Land des besten afrikanischen Kaffees an diesem morgen jedoch keinen Kaffee. Nur das übliche weltbekannte Substitut Nescafé. Wir nahmen anstandshalber afrikanischen Tee. Währenddessen lief auf CNN ein Interview mit dem Aktionskünstler Damien Hirst – Wem sonst? Und plötzlich kam mir alles surreal vor. Der mit Diamanten bestückte Schädel stand tatsächlich im denkbar stärksten Kontrast zu unserem Umfeld irgendwo in Ruanda. Während wir das Frühstück aßen, erfuhren wir, dass das Auto wieder nicht anspringt und eine Werkstatt aufgesucht werden müsse. Erneut gab es Probleme mit der Batterie. Zwangsläufig begleiteten wir Emmanuel  dann zu den Werkstätten im Zentrum der Stadt. Unser Auto stand auf einer Anhöhe neben der Trinkwasserversorgung des Viertels. Von hier aus konnten wir einen Teil der Werkstätten überblicken. Tischler, Schlosser, Näher, Grafik-Shops, Textilien in einer unendlich langen bunten Reihe von Hütten, aber voller Leben. Wir waren wohl auf einem Marktplatz, denn die Reihen der Häuser der Dienstleister bildeten bei näherem Hinsehen große Gevierte. Der Wind wehte unablässig über den vor uns liegenden Platz. Die Böen nahmen den Sand mit und hinterließen eine unwirkliche Wüste. Wir trotzten gelassen der Sonne, dem Wind und dem Staub. Über dem ganzen Geschehen kreisten riesige Marabus auf der Suche nach Aas. Langsam mussten wir jedoch damit rechnen vor dem Auto, zu einer lokalen Attraktion zu avancieren. Doch unsere Befürchtungen blieben aus. Die Menschen trotteten ruhigen Schrittes umher. Mal wollte sich einer kurz mit uns unterhalten, mal sahen Schaulustige uns nur neugierig an. In der Zwischenzeit suchte Emmanuel in dem Hüttenwerk nach einer neuen Batterie. Der Motor zündete letztendlich nach einer Investition von rund 25 Euro, die Reise konnte weitergehen.

 

Nächster Termin: Bau eines Schulkomplexes

Beim nächsten Termin ging es auf einen Berg, auf dem ein neues Kinder- und Jugendzentrum entstehen soll. Wir führten eine Vor-Ort-Anleitung (Vgl. Neanara) durch. Zuerst schauten wir uns die bereits fertig gestellte Bibliothek (das einzig bis jetzt realisierte Bauwerk) an und anschließend ging es zur Besichtigung über das zukünftige Bebauungsterrain. Wir wollten wissen, warum nicht schon mehr errichtet wurde. Bauarbeiter waren nicht zu sehen. Vieles blieb unbeantwortet. Die ersten Häuser hätten schon stehen müssen. Wir baten um ein Treffen mit dem zuständigen Architekten, um den Sinn der Planung besser verstehen zu können. Das wurde für den nächsten Tag in Kigali zugesagt.

Anschließend besuchten wir den Gemeinderaum und die lokalen Werkstätten von Assist am Ortseingang von Nyagatare. Nach wenigen Minuten vor Ort führte uns Emmanuel und der Leiter von Assist-Nyagatare stolz zu der endlosen Baustelle aus der ein gigantisches Reisfeld vor den Toren der Stadt entstehen soll. Unter Leitung des Landwirtschaftsministeriums werden hier neben dem großen Reisanbauareal drei Bewässerungsstaubecken errichtet. Gerade wurden die Bäume und Büsche abgeholzt, der Boden planiert und die Versorgungsgräben ausgehoben – von Hand natürlich. Wir schauten uns ein noch nicht gefülltes Staubecken an und bestaunten die einzigartig fruchtbare Erde. Rot die Hänge, schwarz die Ebene. Über dem Tal lag der Smog der Abgase der Planierraupen und der Rodungsfeuer. Nun ging es den Weg wieder zurück zum lokalen Assist Büro. Zuerst hingen wir in einem nahen Kiosk ab und genossen ein kühles, erfrischendes Softgetränk. Unterdessen hatte sich spontan eine Tanzgruppe bestehend aus vielen Jugendlichen zusammengefunden und wir verlagerten unseren Tagesmittelpunkt neugierig aus dem Kiosk ins Gemeindehaus. Schon war der Tag zu Ende und es ging für uns zurück ins Blue Sky Hotel. Wir ließen den Abend mit einem stilvollen Menü unter dem Sternenhimmel des Äquators ausklingen. Vor der Stadt brannten noch die Feuer der gerodeten Bäume im Abendlicht.


Tag 4: Rückfahrt nach Kigali


Nach dem wir ausgeschlafen hatten, ging es wieder zügig  zum Frühstück in den gletscherblauen Frühstücksraum. An jenem Tag waren unverhältnismäßig „viele“ Gäste anwesend, darunter auch ein chinesischer Geschäftsmann. Es folgten Check-Out und längeres Warten auf Emmanuel. Danach fuhren wir mit dem noch fahrenden Auto wieder zurück nach Kigali. Unser Auto rauschte an unzähligen Menschen vorbei, die Wasser, Nahrungsmittel oder anderes Material auf den Köpfen, in der Hand, oder in großen Säcken und Taschen transportierten. Es war warm und die Sonne stand im Zenit (ist ja direkt am Äquator). Autos kamen uns nur selten entgegen.


In der Peripherie, kurz vor Kigali, bogen wir von der Haupteinfallstraße ab, um Sam (ein weiteres Patenkind) zu besuchen. Auf dem ausgespülten Weg zum Betreuungskomplex, in dem Sam untergebracht worden sein sollte, verlor unser Beförderungsmittel unerwartet die Heckschürze. Wir halfen Emmanuel mittels eines Schweizer Taschenmessers und Schraubenzieher die Heckschürze des Autos an der imaginären Unterkonstruktion zu befestigen. Seit diesem Zeitpunkt schloss die Kofferraumhaube nicht mehr. Schließlich erreichten wir die Schule, in dem unser zweites Patenkind Sam ganztägig betreut wird. Wir nutzten die Gelegenheit mit Sam etwas zu plaudern und uns die Betreuungsstätte unter katholischer Führung näher zu betrachten. Nach einer guten Stunde verabschiedeten wir uns und machten uns zum nächsten Termin in Kigali Downtown auf.

Wie am Vortag vereinbart, trafen wir uns mit dem Architekten des Schulprojekts in einem Cafe. Dort besprachen wir sehr angeregt mehrere Stunden das Projekt. Es war schon längst dunkel und Emmanuel brachte uns zurück zum Gästezimmer von Evariste Karangwa. Dort ließen wir den Tag mit Bier, Snacks und der aktuellen Folge „Ruanda sucht den Superstar“ ausklingen.


Tag 5: Virunga Nationalpark – Visoke – Gisenyi Lake Kivu (Mi)


Schon für um 4:30 Uhr hatte Evariste unseren Fahrer Eugen für die Fahrt nach Kinigi zum Nationalpark bestellt. Pünktlich zur vereinbarten Zeit waren wir bereit für den zweiten Teil unserer Reise ganz ohne Gastgeber Emmanuel und Evariste. Es war wie immer: Wir warteten. Evariste hätte Eugen vielleicht explizit nicht nach „afrikanischer Zeit“ bestellen sollen. So standen wir neben Evariste (im Schlafanzug) auf der Terrasse und warteten geduldig in der noch frischen Nacht. Es war sehr ruhig in dem Viertel, in dem Evariste und seine Familie wohnt. Immerhin 4:50 Uhr tauchte Eugen dann auf und wir hievten unser Gepäck schnell in den RAV4. Noch bevor der Morgen über Kigali hereinbrach, schlängelt Eugen das Auto durch die finsteren Straßen der Hauptstadt. Für uns war es noch Nacht, für einige Menschen hingegen war es schon Zeit, um Waren zum Markt zu bringen. So überholten wir unglaublich viele Menschen mit unterschiedlichsten Waren auf den Köpfen. Es tauchten unablässig unzählige Kinder und Erwachsene im Scheinwerferkegel auf, die wie Ameisen mit den unterschiedlichen Produkten zu den Märkten liefen, um dort früh genug die Waren feilbieten zu können.

Im Nordosten von Kigali schließt sich stadtauswärts an die Stadtstraße eine Passstraße an. Die sehr gut ausgebaute Straße schlängelt sich viele Kilometer steil bergauf, einem nicht ersichtlichen Ziel entgegen. Nacht, Menschen und scheinbar dichte Wälder umgaben uns. Innerhalb weniger Minuten überwand das Auto beachtliche Höhen. Langsam verfärbte sich der östliche Himmel und die ersten Lichtstrahlen beleuchteten die unter uns liegenden Täler. Nebel lag in den Ebenen. Langsam hob sich der Dunst und wir sahen die Terrassenfelder, die bis zu den Bergspitzen reichten. Unterdessen passierten wir ein Dorf nach dem anderen. Auch hier sind immer wieder Menschenmassen zu den nächsten Ortschaften und ihren Märkten unterwegs. Holz, Steine, Zuckerohr, Maniok, Ananas, Bananen, alles was man kaufen und verkaufen kann, wurde auf den Köpfen und in den Händen über die bergigen Straßen getragen. Auf der ganzen Stecke bis zum Nationalpark kamen uns nur selten andere Autos entgegen. Öfter hingegen sahen wir Minibusse in Richtung Kigali fahren. Wir passierten Ruhungeri (Musanze) gegen 6:40 Uhr und erreichten pünktlich um 7:00 Uhr den Eingang der Leitstellen des Vulkan Nationalparks (Vulcano National Park) bei Kinigi auf 2200 Meter Höhe. Die ersten Drei- und Viertausender Vulkankegel zeigten sich nur zögerlich im Morgennebel, aber hin und wieder lüfteten sich ihre Flanken und wir sahen die majestätischen Riesen tiefblau ganz in unserer Nähe.

Unter einem kreisrunden Unterstand hatten sich schon einige Touristen versammelt. Es gab gratis Kaffee und Tee. Am meisten Eindruck verschaffte sich die Folkloregruppe, die zu dieser frühen Zeit die Touristen, tänzerisch bespaßte. Wir ließen uns von diesen Tamtam nicht beeinflussen und steuerten sofort die Rezeption an. Minuten später bekamen wir unsere Bestätigung und nun sollten wir warten. Zum Glück gab es Tee und Kaffee. Eugen gesellte sich zu uns.

Die Wartezeit überbrückten wir mit Peoplewatching. Alle Menschen um uns herum waren „30 Jahre plus“ und hatten einen 500 USD Trip gebucht. Sie wollten die seltenen Berggorillas in freier Wildbahn sehen. Alle waren ausgerüstet, als ob es nun auf eine mehrtägige Reise durch Sibirien gehen sollte. Alsbald fanden wir unsere Gruppe, bestehend aus drei jungen Männern und einer Frau aus Großbritannien/Kanada. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Fahrer der vier Briten fuhren wir in ihrem Allrad-Jeep bis zum Parkplatz des Visoke Vulkans (auch Bisoke) mit.  Während der Fahrt bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung stellten wir fest, dass unser RAV4 nicht der Straße stand gehalten hätte, auf der wir nun extrem durchgerüttelt wurden. Halb bewusstlos erreichten wir endlich nach 40 Minuten Fahrt um 8:40 Uhr den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Vor uns, Richtung Norden, lagen erst Terrassenfelder und dann erhob sich vor uns der 3711 Meter hohe steilwandige Vulkankegel des Visoke (Bisoke) im Morgenlicht.

„Da hoch!“. Unser Weg schlängelt sich durch die Felder. Menschen säten, andere ernteten, Kinder liefen uns entgegen, andere winkten oder wollten nicht fotografiert werden. Schließlich erreichten wir die Grenze des Nationalparks, eine Behelfsmauer grenzt die Felder vom Urwald ab. Während den ersten 45 Minuten hatten wir nur einen Ranger bei uns, doch an der Grenze erwartete uns noch ein weiterer Ranger und sechs voll bewaffnete Soldaten in Tarnanzügen. Zuerst wurden wir instruiert, welche Pflanzen wir nicht berühren sollten und wie wir uns zu verhalten haben. Die Regeln waren einfach, der Weg anfangs halbwegs trocken und die Stimmung noch gut. Nach weiteren 30 Minuten erreichten wir unseren ersten Rastplatz an der Weggabelung zum Dian Fosseys Grab. Nach kurzem Innehalten wurde der nächste Anstieg gepackt. Nun ging es über hohe, matschige Erdstufen und fußbreite Laufrinnen stetig bergan. Mit zwei kurzen Pausen brauchten wir rund 2,5 Stunden bis zum „Gipfel“. Wir durchwanderten verschiedenste Klimazonen und hatten die Gelegenheit seltene endemische Pflanzen zu sehen. Die Tiere waren hingegen sehr scheu und außer ein paar Vögeln konnten wir kaum etwas hören. Am Kraterrand angekommen hatten wir einen sehr guten Blick auf den Kratersee und die Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. Der Visoke ist zwar ein Vulkankegel, besitzt aber keine Spitze sondern einen Krater, in dem sich ein kleiner See befindet. Die Grenze zwischen Kongo und Ruanda verläuft mitten über den Berg.

Deshalb hatten wir auch zur Sicherheit Soldaten dabei, denn es besteht immer noch die Gefahr, dass Guerilla-Kämpfer aus dem Kongo hier Touristen / Ranger verschleppen, ausrauben und ggf. auch umbringen. Wir zählten auf den Schutz unserer mitgebrachten Soldaten.

Solange wir auf dem Vulkan verweilten zogen immer wieder Wolkenfetzen über den Kegel. Es war merklich kühler geworden (ca. 15°C) und warme Kleidung wäre in dieser Höhe empfehlenswert gewesen. Jetzt in der Trockenzeit ist das Wetter trübe und wir hatten nur spärliche Sichtfenster auf die Häuserdächer in der Ferne und den östlich vom Visoke gelegenen Sabyinyo Vulkan (4100m). Wir teilten unsere Süßigkeiten und Kekse mit den Soldaten und Parkwächtern. Die Pause auf dem Kraterrand dauerte ca. 20 Minuten und wir nutzten die Zeit, um die tolle Aussicht zu genießen. Der Abstieg vom Visoke dauerte nur die Hälfte der Zeit. Teilweise mussten wir über die Grashügel hüpfen oder nach einer Rutschfahrt auf dem nassen Boden das Gleichgewicht wiederfinden. Innerhalb von zwei Stunden waren wir wieder fast im Tal und weitere 30 Minuten später dann am Jeep. Innerhalb des Ortes Kinigi stand schon unser Fahrer Eugene bereit, um uns weiter nach Gisenyi zu transportieren.

Die Fahrt in die Stadt am Kivu See sollte dann noch eine gute Stunde dauern. Erst folgten wir südlich der Vulkankette, dann stieg die Straße immer höher auf. Wir erreichten einen Pass und anschließend ging es stetig nach Gisenyi bergab. Kurz darauf sahen wir zwei verunglückte LKWs am Straßenrand. Nach weiteren zehn Minuten lagen plötzlich viele Zweige auf der Straße und wenig später sahen wir einen weiteren LKW im nahen Feld, der es offensichtlich nicht mehr rechtzeitig auf die Bremse schaffte. Von der Fahrerkabine war nicht mehr viel übrig und die Leute standen entgeistert um den zerstörten Sattelzug. Bewaffnete Soldaten sicherten die Unfallstellen. Derweil schleppte sich ein LKW nach dem anderen dem Pass hinauf.

Danach versuchten wir im Lake Kivu Serena Hotel Giseny einzuchecken. Leider war das nicht gleich möglich. In unserer Outdoorkluft passten wir nicht zur restlichen Hotelklientel. Außerdem hatte ich die E-Mail-Bestätigung mit meinem verhandelten Buchungspreis nicht sofort gefunden. Statt 333 Dollar für zwei Nächte und zwei Personen sollten wir nun 520 Dollar bezahlen. Der Hotelmanager war sehr ungläubig, wie wir es geschafft hätten, den Preis für das internationale Hotel zu drücken. Nach einigen Minuten konnte ich meine E-Mail doch noch vorweisen und zähneknirschend gab der Hotelmanager unser Zimmer frei. Nach der anstrengenden Wanderung konnten wir uns endlich ausgiebig duschen und ausruhen. Den Hotelgästen stehen dabei Pool, Strand und Restaurant zur Verfügung. Das Panorama des Kivu war leider nicht wie erwartet. Die Ufer des riesigen Sees stellen bei guter Sicht zwar eine beeindruckende Kulisse dar. Aber vor unserem Strand lag in nur zwei Kilometer Entfernung die erste unauffällige Bohrinsel zur Methangasgewinnung im Seegebiet Ruandas. Für die zukünftige Energiegewinnung eine gefährliche aber auch wichtige Industrie.  

Erstmals konnten wir im Serena Lake Kivu Hotel via Skype nach Hause telefonieren. Der Abend neigte sich dem Ende. Wir genossen auf der Terrasse über dem Pool zwei Fassbier und das reichhaltige Buffet. Es gab eine Auswahl von Wurst, Käse über geräucherten Fisch, diversen mediterranen Entrées bis hin zu warmen Gerichten wie frischem Tilapia, diversen Eintöpfen und Beilagen. Außerdem wurden unzählige Desserts und europäische Variationen von Kuchen serviert.



6.Tag: Kivusee/Gisenyi (Do)


Aufwachen im Paradies und das mitten in Afrika. Die erste Nacht im Lake Kivu Serena Hotel Gisenyi war sehr erholsam. Uns zog es dann zum großen afrikanischen Frühstücksbuffet, welches sich kaum vom vorabendlichen üppigen Buffet unterschied. Wir durchliefen, ungewohnt für ein Frühstück, mehrere kulinarische Stationen. Der Service war rundum perfekt. Nach einer angemessenen Relaxationsphase am Pool eroberten wir zu Fuß Downtown-Gisenyi. Unsere Runde begann mit einem Spaziergang  auf der Strandpromenade bis zur kongolesischen Grenze. Schon den ganzen Tag konnten wir von unseren Strandliegen aus die vielen Flugzeuge beobachten, die in der 500.000 Einwohner zählenden Zwillingsstadt von Gisenyi – Goma im Kongo – starteten und landeten. Nur sehr wenige Flugzeuge landeten indes in Gisenyi selbst. Wir machten uns auf, um die Stadt zu erkunden und einen vorsichtigen, limitierten Blick in die Demokratische Republik Kongo zu werfen. Auf der Promenade fühlten wir uns wie in einem mondänen Urlauberziel das irgendwie vergessen wurde. Mehr oder weniger verfallene Villen reihten sich hier aneinander. Auf der Straße war es relativ ruhig. Dennoch sahen wir unzählige aus dem Kongo kommende Autos auf den staubigen Nebenstraßen. Nach 30 Minuten erreichten wir die Schnittstelle zwischen einem der ärmsten Staaten der Welt und einem gescheiterten Staat.

Der Grenzübergang war hingegen das Ende dieser Welt – eine durch Schranken zerschnittene Buckelpiste am Ende der Straße und der Strandpromenade. Einige Leute standen geduldig an, um die Fronten zu wechseln. Die Sonne hatte ihren Zenit erreicht und es wurde unangenehm stickig und schwül. Wir hielten es deshalb  für besser nicht in den Kongo zu gehen und so zogen wir es vor Downtown Gisenyi zu erkunden. Wir gingen auf einer Parallelstraße zurück während im Dreck der Gassen der ein oder andere Hilfslaster der UN unseren Weg kreuzte. Alsbald erreichten wir den Hauptmarkt. Um uns herum war sehr viel geschäftiges Treiben auf den Straßen und in den angrenzenden Vierteln. Motorräder, Fahrräder, Autos, und Händler verstopften den zentralen Platz. Wir haben uns immer neugierig nach anderen Touristen umgesehen, doch wir waren hier wohl die Einzigen. Da die Ruander so zuvorkommend und professionell sind, ließen Sie es uns und sich nicht anmerken. Der Ort war wie Nyagatare, einfach, staubig, heiß und bestand aus unzähligen Hütten und niedrigen Steinhäusern, die von Geschäftsläuten und Händlern genutzt wurden. (Laut Google Maps, besteht das knapp zehnmal so große Goma im Gegensatz zu Gisenyi vielmehr aus Blechunterständen und mutet eher einem einzigen großen Flüchtlingslager an).

Es gab sonst nicht gerade viel zu sehen in Gisenyi. Aber es strömten unentwegt Menschen auf den Markt und genauso viele strömten aus der Stadt hinaus wieder hinauf auf kleinen Wegen in die umliegenden Berge.

Wir suchten vergebens nach dem „Busbahnhof“ von Virunga, einer national tätigen Unternehmung, die Bustransporte und Bankgeschäfte anbietet. Wir fanden nach mehreren Irrwegen im Hüttenwerk des Stadtviertels die Filiale endlich und nur  mit Hilfe eines Virunga Mitarbeiters. Das Virunga–Büro wurde einfach eine Straße weiter neu eröffnet. Dort hingegen konnte man zwar unseren Namen für die Rücktour in einem der preiswerten Busse nach Kigali notieren, welcher auch jede Stunde fährt, doch unsere drei Gepäckstücke konnte man nicht mitnehmen. Wir sollten eine dubiose Nummer am nächsten Morgen für weitere Informationen zu den Reisebedingungen anrufen. Einen wichtigen Termin am nächsten Abend wollten wir unbedingt einhalten und ohne Gepäck ist das schlecht.

Also ging es zurück zum Hotel, um am Abend noch einmal à la Carte zu speisen. Wir bestellten als Entrée einen Korb voller Samabaza Fische aus dem Kivusee. Sambaza sind so groß wie Sardellen und erinnern stark an die Sardellen Tapas in Spanien. Traditionell werden die Samabaza frittiert und mit einem Dip gereicht – sehr lecker. Anschließend hatten wir einen Grillteller sowie einen ganzen Tilapia Fisch aus dem Kivusee bestellt. Beide Gerichte mundeten hervorragend. Wir genossen die letzten Stunden im Dunkeln.



Tag 7: Rückfahrt nach Kigali (Fr)


Nachdem das Busunternehmen Virunga uns nicht zusichern konnte unser Gepäck auch mitzunehmen, organisierten wir eine Taxifahrt nach Kigali. Etwa 100 Euro sollte diese Fahrt kosten. Ausnahmsweise orderten wir das Taxi direkt an der Rezeption des Lake Kivu Serena Hotel.

Die Straßen waren noch ungewohnt leer, obwohl die Sonne bereits hoch am Himmel stand. Wir fühlten uns wie in der Karibik und als würden wir nun von einer entlegenen Bucht zum Hafen gebracht werden. Außerhalb von Gisenyi verdichtete sich wieder der Verkehr.

Das Taxi nahm jede Kurve sportlich und wir kamen mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit voran. Bananenstauden säumten die Straßen. Zwischendurch kamen uns wieder unzählige Menschen entgegen. Diese Landschaft mit ihren fruchtbaren Tälern, Seen, Feldern und Bergterrassen, die märchenhaft eingebettet in die imposante Kulisse der allgegenwärtig mächtigen Vulkane lag, war wirklich herrlich. (Da Plastiktüten in Ruanda nicht toleriert werden, ist die Verschmutzung der Dörfer und Städte nicht hoch, im Vergleich zu allen Nachbarstaaten.)

Doch anstatt der Luxusyacht im Hafen erwartete uns in Kigali wieder die Realität. Im Hotel Des Mille Collines hatten wir den Preis für die Westwing Poolside Suite im Vorfeld von 170 auf 155 Euro per Email runter gehandelt.

Empfangen wurden wir sehr freundlich, die Lobby ist angenehm gestaltet und das Personal ist aufmerksam. Wir hatten vom Zimmer eine wunderbare Aussicht auf Kigali, das Stadion und den Pool. Ein ruhiger und zentraler Ort, um die quirlige Hauptstadt zu erkunden. Das Zimmer war angenehm, nach westlichem Standard eingerichtet und verfügte über eine Klimaanlage.

 

Ein paar Stunden nach dem Checkin holte uns Emmanuel auf der Terrasse des Mille Collines ab, um mit uns auf die an dem gegenüberliegenden Hügel befindliche Genozid Gedenkstätte zu fahren. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall, da das Museum mit vielen Bildern und Videos die Geschehnisse von 1994 aufschlussreich näher bringt. Weiterhin werden Augenzeugenberichte geliefert und es wird ein Zusammenhang zu anderen Genozids hergestellt. Das Memorial ist sowohl für Touristen als auch für Einheimische gedacht und für ruandische Schüler ist der Besuch sogar Pflicht.

 

Nach der Rückkehr nutzten wir den Abend, um in einem der beiden Supermärkte Kigalis noch einzukaufen Wir entschieden uns für den nahe des Union Trade Center (UTC) gelegenen Einkaufstempel der kenianischen Nakumatt Holding, die einen 24/7 Supermarkt betreibt. Dieser Supermarkt ist groß und bietet alles was man suchen könnte. So kann man sehr günstig den Bourbon-Kaffee kaufen, der fair gehandelt wurde. Weiterhin wird regionaler Schwarzund Grüntee Ruandas angeboten. Einzig Akabanga (sehr sehr scharfe Würzsoße aus gelbem Pfeffer)  ist nicht erhältlich, dafür die sollte man die kleinen Lebensmittelgeschäfte rund um den nahen Markt aufsuchen.

 

Schließlich verabschiedeten wir den letzten Abend im Sundowner (Bar, Patio & Restaurant), zwischen Ausgehviertel und Verteidigungsministerium. Hier konnten wir wieder einmal den Abend unter dem afrikanischen Sternenhimmel mit frisch gezapftem Bier und gegrilltem Ziegenfleisch vom Rost genießen. Der Sundowner ist in Kigali ein Hotspot und wird auch so bewacht. Wir nahmen Platz als noch die Sonne am Himmel stand, später füllte sich das Restaurant mit einer bunten 30 köpfigen Gesellschaft, einer Diplomatenfamilie und ein paar anderen Leuten. Gegen Abend war dann das Lokal erstaunlich gut gefüllt. Wir waren positiv überrascht. Auch unseren ruandischen Gastgebern hat es gefallen. So war der letzte Abend in Ruanda mit unseren Freunden ein weiteres unvergessliches Erlebnis.



Tag 8: Abreise (Sa)


Nach einer geruhsamen Nacht weckten uns die Sonnenstrahlen am Frühstücksbuffet erst richtig auf. Eine große Sonnenterrasse wartet auf die Gäste des Hotels zu den tausend Hügeln. Mit frischem Obst und heißen Appetizern konnten wir unseren Hunger stillen. Unser Gepäck deponierten wir den Tag über in Emmanuels Auto, da unser KLM-Flieger erst am Abend nach Amsterdam ging. Gleich am Vormittag fuhren wir zum Handwerkermarkt Caplaki, um ein paar Andenken zu erstehen. Der Handwerkermarkt besteht aus rund 35 Händlern, die jeweils ihre eigenen kleinen Verkaufsräume haben. Hier wird von anspruchsvollen afrikanischen Masken bis hin zu „traditioneller“ Bekleidung alles verkauft. Auf dem Caplaki Handwerkermarkt waren wir nicht die einzigen Touristen, auch wenn er etwas außerhalb des Stadtzentrums von Kigali liegt. 

Es war schon fast Mittag und wir bekamen eine kleine Stadtführung von Emmanuel. Wie gut man Kigali aus dem Auto konsumieren kann! Anschließend hielten wir in der Innenstadt an, um im zentralen „The Downtown Coffee & Pizzeria“ gemütlich Mittag zu essen. Auch hier waren wir nicht die einzigen Touristen. Eine ganze Schar von sehr jungen Amerikanern füllte das Lokal wenig später. Wir hatten unsere Lieblingsmittagsspeise Avocado mit Sahnedressing wiedergefunden und gleich bestellt. Danach ging es direkt zum Chez Lando, wo wir alle Unterstützer wieder treffen durften (siehe Prolog).



Ruanda / Kigali Guide


Essen/Trinken  


Chez Lando ★★★★

Restaurant

Das Chez Lando wartet mit einer tollen Terrasse und einem gemütlichen Innenhof auf. Sollte das Wetter schlecht sein, hat das Restaurant des gleichnamigen Hotels auch noch einen großen Speiseraum. Empfehlen können wir Avocado mit Sahnedressing und Bruchett.


Sundowner ★★★

Restaurant und Bar

Das Sundowner liegt etwas außerhalb der Innenstadt, aber ein Besuch lohnt sich alle mal. Das Restaurant besitzt einen großen Außenbereich, der von einer hohen Mauer umgeben und von Sicherheitskräften bewacht wird. Die Speisekarte umfasst typisch westliche Gerichte wie Pizza und Burger. Aber der Blick auf die afrikanischen Gerichte lohnt sich ebenfalls, denn das Preisniveau ist wie so oft nicht besonders hoch und der Anspruch des Kochs um so größer. Mit Emmanuel und einem Bekannten bestellten wir ein halbes Lämmchen. Mit rund sechs Euro pro Person bietet dieses ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis.



Übernachten 


Lake Kivu Serena Hotel Gisenyi ★★★★

Luxury Safari Logdes, Resorts and Hotels

Die Serena Gruppe, die auf Hotels in Ländern mit Sicherheitsrisiko spezialisiert ist, besitzt seit 1995 auch dieses tolle Anwesen in Gisenyi am Kivusee. Während des Genozids tagte die ruandische Schattenregierung in diesem Hotel, um im Falle eines Falles schnellstmöglich in den Kongo fliehen zu können. Heute ist das Hotel ein Hort der Ruhe. Es versprüht den Charme eines internationalen Hotels und versucht weitestgehend alle Annehmlichkeiten eines 5 Sterne-Hotels an die Gäste weiterzugeben. Es gibt Sportangebote, einen Businessbereich und einen tollen Pool.

Die Zimmer sind sehr schön eingerichtet, der Strand lässt keine Wünsche übrig (man wird sogar dort bedient) und auch das Restaurant sorgt selbst nach einer Woche noch für abwechslungsreiche Speisen. Wir empfehlen hier einen längeren Aufenthalt. (333 USD für zwei Nächte im DZ, im Vorfeld per Email über die offizielle Hotelwebseite)


Hotel Des Mille Collines (Kigali, Zentrum) ★★★

Hotel

Die Geschichte des Hôtel des Mille Collines, das während des Völkermords in Ruanda 1994 mehr als tausend Menschen Zuflucht und damit die Rettung vor dem sicheren Tod bot, wird im Film Hotel Ruanda erzählt. Das erklärt möglicherweise die etwas zu hohen Zimmerpreise. Dennoch ist es sehr zentral gelegen und die Frühstücksterrasse bietet einen traumhaften Blick über Kigali.

Auch der Pool mit angrenzender Bar lädt tagsüber und während der legendären Happy Hour ein. Die Poolgäste bekommen dazu ein makelloses Brussels Airlines-Handtuch. Wer auch mit Brussels fliegt, kann zusätzlich den City Check-in direkt im Hotel nutzen und sich somit langes Warten am Flughafen ersparen.

Die Zimmer sind gut eingerichtet. Wifi wird gegen Gebühr angeboten. (Poolside 155 Euro pro Nacht im DZ).


Blue Sky Hotel (Nyagatare, Zentrum)

Budget-Hotel

Das Blue Sky Hotel in Nyagatare ist mit dem Nötigsten ausgestattet. Es liegt sehr zentral und bietet ein sehr gutes Restaurant. Deshalb sollte das Hotel nur zum Übernachten genutzt werden. (Pro Nacht und Zimmer 30.000 RWF))


Homestays

Homestays sind generell zu empfehlen, da man so mitten im ruandischen Leben ist. Einschlägige Agenturen bieten Privatunterkünfte an. Man sollte keine Scheu haben, da die Ruander sehr gastfreundlich sind! Auch vor Ort gibt es einige Möglichkeiten.



Shopping 


Für uns war Akabanga – das – Mitbringsel. Akabanga ist eine scharfe Würzsoße mit 80% gelben Pfeffer, Farbstoff, Piment und zwei weiteren Zutaten.


Zudem lohnt sich der Kauf von Kaffee. Dieser lässt sich gut in einem der zwei großen Supermärkte Simba und Namuk in der Innenstadt von Kigali erwerben. Wir empfehlen Bourbon Coffee, da dieser auch fair gehandelt wurde.


Neben Kaffee wird natürlich viel Tee in Ruanda angebaut. Deshalb sollte man auch diesen exportieren. Verschiedene Sorten sind im Supermarkt erhältlich oder auch an den Teeplantagen am Kivusee


Sowohl in der Innenstadt rund um den Hauptmarkt als auch im abgelegen Caplaki Handwerkermarkt lassen sich unterschiedlichste afrikanische Kunstwerke erstehen. Diese eignen sich vorzüglich für die Daheimgebliebenen.



Reisezeit


Wir waren im August während der Trockenzeit in Ruanda. Auf unserer Reise gab es keinen Niederschlag, auch wenn während der Trockenzeit vereinzelt Niederschlag registriert wird. Die Luft war jedoch trübe. Zum Wandern im Virunga Nationalpark eignet sich diese Zeit am besten.



Verkehr


Taxis gibt es wenige und Überlandfahrten werden kaum angeboten. Auch sonst ist nicht gerade alles auf Service getrimmt. Zur Not sollte man sich ein Auto mieten bzw. einen Fahrer inklusive Auto mieten, was meistens genauso viel kostet.  Auf den Hauptverkehrsachsen kann man auch selbst fahren, ansonsten ist es ratsam, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen.