Mexiko Reisebericht
mit Mexiko Stadt, Oaxaca, Villahermosa, Palenque, Morelia & Guadalajara


„Gestern wurden wieder zwei Leute in Nordmexiko auf offener Straße erschossen“ und „Du musst ganz vorsichtig sein“ wurde mir vor meiner Abreise aus Santa Barbara nach Mexiko mitgegeben. Die Amerikaner haben ein ambivalentes Verhältnis zum Nachbarland Mexiko und gaben mir Reisetipps, als würde ich in den Kongo oder nach Somalia fahren. Kurz vor Weihnachten 2011 machte ich mich dann auf den Weg, um Mexiko zu entdecken, ganz ohne Hotelburgen und Strand. Jedenfalls war ich mir sicher, dass es nicht so schlimm werden würde...


Mit United/Continental ging es am 11. Dezember 2011 von Santa Barbara Municipal Airport nach San Francisco International. Dort verweilte ich zehn Stunden und nutzte gegen 23:00 Uhr den Nachtsprung mit Continental von SFO nach MEX. Gegen fünf Uhr morgens erreichte ich noch schlafend den Airport in Mexiko City. Gefühlt war ich der einzige Europäer an Board. Das Ausfüllen des spanischen Einreiseformulars gestaltete sich für mich wie auch für andere Reisende als sehr schwierig.

Doch kurz darauf immigrierte ich in die Förderale Republik Mexiko. Bienvenido!

Ich wusste schon vorher, dass der 12. Dezember ein ganz besonderer Tag in Mexiko Stadt sein wird. Dieser Festtag ist der Heiligen Guadeloup gewidmet. Diese hat in der Nähe einen eigenen Wallfahrtsort, welcher täglich tausende Pilger anzieht. Trotzdem war dieser Montag ein Arbeitstag und die Metro dementsprechend voll. Viel habe ich vom Feiertag, trotz Vorwarnung, nicht mitbekommen. Mit einem schweren Rucksack zog ich durch die Metro-Schächte und machte mich in der rush hour auf, um meine Bekannte Yssidel zu besuchen. Der Stadtteil Coyoacan war für die nächsten Tage meine Heimat und ich genoss es, mitten in Mexiko-Stadt wohnen zu dürfen. Nachdem ich im „Hotel Yssidel“ eincheckte, wurde ich gleich zum Frühstücken mitgenommen. Ein nahe gelegener Imbissstand konnte meinen Gaumen sofort erobern. Auf diese Weise wurde ich schnell in die lokalen Essgewohnheiten eingeführt und konnte alles einmal probieren. Im Anschluss startete mein Touristenprogramm, welches mehrere Tage dauern sollte.



Mexiko City 12.-16. Dezember 2011


Mexiko-Stadt ist ein Moloch aus nicht endenden Wohnsiedlungen. Spätestens beim Besteigen der Besucherplattform des Torre Latinoamerica wird man sich dem Ausmaß dieser Stadt bewusst. Unweigerlich wird man mit den Themen Smog, Wasserversorgung und Lebensqualität konfrontiert, wenn man im Dunst gerade so noch bis zum zentrumsnahen Flughafen blickt. Die ökologischen Fragen die man sich in Jahrzehnten in Europa stellen wird, müssen in Mexiko-Stadt schon heute beantwortet werden. Hier stößt die menschliche Zivilisation anscheinend an ihre Grenzen. Mexiko Stadt ist eine Siedlung der Superlative. Die Stadt steht im krassen Kontrast zum sehr dünn besiedelten ländlichen Raum Mexikos. Die meisten Siedlungen unterscheiden sich im Baustil aber kaum von Mexiko Stadt (abgesehen von historischen Orten). Mexiko Stadt selbst sieht sich in einer Vorreiterrolle und als Trendsetter innerhalb Lateinamerikas. Das beweisen schon seit Jahren die Hochhäuser, Transportsysteme und Museen. Der Aufbruch in den 60er Jahren, der das ganze Land zum wichtigsten Wirtschaftsstandort in Lateinamerika katapultierte, wurde in den letzten Jahrzehnten nicht weiter aufrecht erhalten. Auch von der Weltwirtschaftskrise in 2008 erholt sich das Land nur langsam.


Ich reservierte mir volle fünf Tage für die D.F. (Distrito Federal wie es die Mexikaner nennen) und Agglomeration. Von unzähligen Sehenswürdigkeiten konnte ich mir nun ein paar aussuchen. Schnell stellte ich fest, dass ich während meines fünftägigen Aufenthaltes nur einen Bruchteil schaffen würde. Dies ist den weitläufigen Stadtteilen und umfangreichen Sehenswürdigkeiten geschuldet. Letztlich kommt man nicht immer mit der gewünschten Geschwindigkeit von einem Ort zum anderen. Verkehrschaos, überfüllte Metrozüge und das warme Wetter setzen auch einem Besucher ohne jetlag zu.


Trotzdem lohnt es sich, insbesondere bei einem kurzen Aufenthalt Prioritäten zu setzen. Wir möchten daher im Folgenden unsere Favoriten präsentieren:



El Zócalo & Altstadt ★★★★★


Auch wenn dieses schmucke Stück Mexikos zu den 100 Reisezielen gehört, die man gesehen haben muss, bevor sie verschwinden, so kann man es sich auf den ersten Blick kaum vorstellen. Erst wenn man die zentrale Metropolitana Kathedrale besucht, weiß man, dass es diese nicht mehr lange geben dürfte. Denn die Altstadt versinkt buchstäblich im Boden und ein mögliches Erdbeben würde diesen Prozess stark beschleunigen. Geprägt ist dieser Stadtteil durch die unzähligen Kolonialbauten. Juwelen innerhalb der Altstadt sind der Palacio National und Palacio Postal. Das Erkunden der Altstadt kann somit fast einen ganzen Tag füllen.

Tipp: Direkt gegenüber dem wunderschönen Palacio de Bellas Artes liegt das weniger schöne Sears Kaufhaus. Dieses bietet auf der Dachterrasse ein Eiscafé mit grandiosem Ausblick auf den Palacio.



Torre Latinoamericana ★★★★★


Am nördlichen Ende, zwischen Altstadt und dem Stadtteil Alameda, steht seit 1956 der 182 Meter hohe, von Augusto H. Alvarez entworfene Torre. Seit dieser Zeit prägt der markante Turm das Stadtbild von Mexiko Stadt. Zeitweise war es der höchste Turm in Lateinamerika und markierte den wirtschaftlichen Aufbruch und die aufkommende architektonische Moderne im Mexiko der 60er Jahre. Lohnenswert ist die Fahrt mit dem etwas überteuerten Lift zur auf der 44. Etage gelegenen Aussichtsplattform. Ein spektakulärer 360° Rundumblick belohnt jeden Besucher bei Tag und Nacht.



Casa Luis Barragan ★★★★★


Das Haus vom einzigen mexikanischen Pritzkerpreisträger Luis Barragan wurde 2004 als eigenständiges Bauwerk in die berühmte UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen. Heute kann man es gegen eine vorher vorgenommene Reservierung und ca. 10 Euro Eintrittsgeld viermal am Tag besuchen. Das von der Straßenansicht unscheinbare Gebäude ist jedoch im Inneren eine Oase der Ruhe. Jedes Detail wurde von Barragan selbst ausgewählt und sprichwörtlich in das richtige Licht gerückt. Für jeden Architekten, Kunstliebhaber und Designfreund ist dieser Platz ein wahrer Fundus an Inspiration. Heute werden die Hinterlassenschaften Barragans von Birsfelden/Vitra Headquarters aus verwaltet.



Museo Universitario Del Chopo ★★★★★


Das Museum der Universität del Chopo ist nicht nur architektonisch herausragend, sondern beherbergt auch sehr gute Ausstellungen rund um Moderne Kunst. Konzeptionelle Künstler wie auch Kunststudenten zeigen hier, dass auch in Mexiko Kunst von Weltklasse produziert werden kann. Die Vitrastühle auf der obersten Etage und die weitläufigen Gänge laden zum Verweilen ein. Nach ein paar Stunden fühlt man sich auf jeden Fall nicht mehr in Lateinamerika.



Stadtviertel Condesa ★★★★


Das junge Ausgehviertel ist geprägt von unzähligen Bars und Restaurants, durchzogen von Boulevards und kleinen Parks. Moderne Wohnhäuser reihen sich an die alten Kolonialbauten. Hier treffen sich am Wochenende die urbanen Jugendlichen, um zu feiern. Die riesige Auswahl an hippen und modernen Restaurants ist genau das Richtige für anspruchsvolle Reisende.



Stadtviertel Roma ★★★★


Der morbide Charme des historischen Stadtteils Roma wird geprägt von europäisch anmutenden Kolonialgebäuden. Die im Schnitt fünf Etagen hohen Häuserzeilen vermitteln ein kleinstädtisches Flair. Es finden sich zahlreiche Cafés, Boutiquen, Galerien und Taquerías.



Stadtviertel Polanco ★★★★


Das Botschafts- und Nobelviertel besticht durch moderne Architektur und Luxusgeschäfte. Breite Avenidas rund um den Park América laden zum Spaziergang ein. In einem der Cafés oder Restaurants kann man den Nachmittag (Siesta) verbringen. Für Architekturbegeisterte bietet dieses Viertel eine große Auswahl an luxuriösen Kolonial- und moderneren Zweckbauten. Leider büßt dieses Viertel durch die vielen Nobelboutiquen und niedergelassenen Ketten einen Teil seines Charmes ein und wirkt viel zu gezwungen europäisch.



Museo Nacional de Antropologia ★★★★


Eines der besten anthropologischen Museen unserer Zeit befindet sich im Chapultepec Parc in Mexiko Stadt. Die Maya-Kalender, Azteken-Skulpturen und die Beschreibung der Lebensverhältnisse in der berühmten Zapoteken-Stadt Monte Alban reißen auch Geschichtsmuffel in den Bann. Die beeindruckend gut erhaltenen und in Stein gemeißelten Köpfe werden jeden begeistern. Für den Besuch sollte man sich besser etwas mehr als eine Stunde Zeit nehmen...



Stadtviertel Coyoacán ★★★★


Das Zentrum des Studentenviertels Coyoacán ist der Plaza Hidalgo. Rund um den Park und den Platz befinden sich trendige Bars und Restaurants, die bis spät in die Nacht von Studenten frequentiert werden. Der Platz ist auf jeden Fall zum people watching geeignet. In Laufweite befinden sich Museen mit Schwerpunkt Leon Trotsky oder Frida Kahlo, die mehr oder weniger sehenswert sind.



Chapultepec Park ★★


Der Park Chapultepec erscheint heute wie ein „ausgetrockneter Wald“. Es gibt kaum noch Rasenflächen und das heiße Klima gibt dem verbliebenen Grün den letzten Rest. Wer einen Central oder Hyde Park erwartet, wird jäh enttäuscht. Einzig die tollen Museen innerhalb des Parks sind sehenswert. Man sollte sich bestenfalls im Voraus entscheiden, welches der vielen Museen einem den meisten Mehrwert bietet.



Stadtviertel Rosa


Das wohl bekannteste Ausgehviertel ist das mit Touristen übersäte Rosa. Hier reiht sich eine amerikanische Systemgastronomiefiliale an die andere. Ab und zu gibt es eine vergleichsweise überteuerte und überfüllte Taquería. Ein Umweg lohnt sich nicht; das Viertel kann jedoch auf Strecke von der Metrostation zum Unabhängigkeitsplatz durchquert werden.



Ausflüge


Teotihuacán ★★★★★

Am Rande der Agglomeration der Ciudad Federal liegt eine der schönsten Aztekenstätten. Teotihuacán erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer und umfasst die Sonnen- und die Mondpyramide, eine große Opferstraße und unzählige Ruinen. Die gesamte Anlage ist atemberaubend und zählt zu den wichtigsten kulturhistorischen Stätten dieser Welt. Für die Besichtigung sollte man mehrere Stunden in der prallen Sonne einplanen.


Reiseführer

Einer der besten Führer in Mexiko-Stadt ist der Wallpaper Mexico City 2012. Dieser erleichtert einem die Auswahl zwischen Wichtigem und Unwichtigem. Wertvolle alternative Shoppingtipps und Restaurantempfehlungen inklusive.


Restaurants

Es gibt eine nahezu unendliche Auswahl an Cafés, Bars und Restaurants. Die Preisobergrenze liegt bei rund 20 Euro für ein Essen. Das Fingerfood der Straßenimbisse ist am billigsten (~3 Euro). Mehr oder weniger einladend sind die vielen Straßenimbisse, die man nur bedingt nutzen sollte. Man sollte letztlich versuchen möglichst viele der abwechslungsreichen mexikanischen Speisen zu probieren. Trendige Restaurants befinden sich zum Beispiel in den Szenevierteln Condesa und Roma.



Mexiko


Fahrt von Mexiko-Stadt nach Oaxaca

17. Dezember 2011


Nach sechs tollen Tagen in Mexiko-Stadt war es nun an der Zeit, den Rest von Mexiko zu erkunden. Ich räumte meine äußerst angenehme Unterkunft bei Yssidel und machte mich zuerst nach Oaxaca auf. Yssidel hingegen fuhr zurück in ihren Heimatort und für mich begann ein kleines Abenteuer. Mit der Stadtbahn und der Metro ging es bis zum ADO / Tapo Busterminal im Osten der Metropole. Dort erstand ich eine Fahrkarte für den nächsten Bus der Firma ADO nach Oaxaca (470 $, Abfahrt 16 Uhr). Das Schalterpersonal war freundlich und konnte sogar etwas Englisch. Nach zwei Stunden konnte ich am Bussteig einchecken. Der Bus war voll und die Fahrt ins geschichtsträchtige Oaxaca dauerte sechs Stunden. Zuerst wuselte sich der Bus aus dem Stadtverkehr, dann über die Bergketten bis nach Puebla. Alsbald wurde es Nacht und wir erreichten den letzten Serpentinen folgend Oaxaca ADO Busterminal um 22 Uhr. Ich schnappte mir mit einem weiteren Backpacker ein Taxi zum Zocalo und suchte zu Fuß den Weg zu einem kleinen Hotel irgendwo in der Altstadt.



Markt, Yagul & Mitla (Oaxaca)

18. Dezember 2011


Der Tag begann bei sonnigen 24° Celsius und ich machte mich auf, um das Valles Central zu erkunden. Jeden Sonntag findet einer der berühmtesten und sehenswertesten Märkte der Region in Tlacolula statt. Vom lokalen Busbahnhof im Westen der Stadt fuhr ich mit einem Oldtimerbus in knapp einer Stunde bis nach Tlacolula. Mich erwartete ein überwältigendes Angebot. Auch die Fläche des Marktes war beeindruckend. Viele Seitenstraßen waren extra für diesen traditionellen Markt gesperrt. Das Angebot, wie auch der Markt selber war ausgesprochen umfangreich und stellte so manche europäische Markthalle in den Schatten. Ein Besuch lohnt sich vor allem, wenn man gerne kocht oder fotografiert. Wie viele der Einheimischen gönnte ich mir ein Lunchpaket, bestehend aus Hühnerstücken, Salsa und Korianderreis für 40 $. Dieses Produkt war eine gelungene Mischung aus Fastfood (KFC-Chickenteile), französischer Kochkunst (Rôtisserie) und mexikanischer Tradition (Salsa und Korianderreis).

Nachdem ich alle Stände und der Markthalle ausgespäht hatte, nahm ich den nächsten Bus Richtung Mitla, um am Abzweig Yagul auszusteigen (Fahrzeit 5 Minuten). Es folgte eine 1,4 km lange Wanderung entlang der Straße nach Yagul. Zwischen zwei Bäumen machte ich Siesta und aß die Lunchbox vom Markt. Es folgte ein Besuch des UNESCO Weltkulturerbes Yagul. Oberhalb des Tals stehen heute die Ruinen dieser antiken Stadt. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über das Valles Central.

Nach einer guten Stunde Besichtigung ging ich die Straße wieder zurück und wartete auf einen der regelmäßig verkehrenden Busse. Doch ich musste fast eine weitere Stunde warten, bis sich ein Busfahrer erbarmte und anhielt. Dieser nahm mich dann bis nach Mitla. Von der Bushaltestelle in Mitla muss man erneut einen längeren Fußmarsch durch die Stadt zurücklegen, um eine der historischen Stätten zu erreichen.

Die Ruinen in der Stadt Mitla sind von allen im Valles Central die am besten erhaltenen. Dementsprechend viele Touristen trifft man hier an. Einige Teile der Hauptgebäude wurden rekonstruiert.

Wieder zurück in Oaxaca schlenderte ich den Rest des Nachmittags durch die historischen Straßenzüge. Viele aufwendig restaurierte Kolonialbauten bereichern das heutige Stadtbild. Nicht zuletzt ist der Zocalo (zentrale Platz) ein wahres Schmuckstück. Restaurants, Parks und Cafés laden innerhalb des historischen Zentrums zum Genießen ein. Die Stadt hat sich herausgeputzt und ist eine Reise wert. Für viele Mexikaner ist Oaxaca einer der schönsten Landesteile. Diese Ansicht kann ich auf jeden Fall bestätigen.



Sierra Norte (Oaxaca)

19. Dezember 2011


Ich entschied mich, dem Ruf des Lonely Planet Mexico ausnahmsweise zu folgen und plante eine Ökotourismustour in die Sierra Norte. In der Sierra Norte gibt es nur wenige Dörfer. Der Höhenzug nördlich von Oaxaca wird von seinen Nebelregenwälder geprägt. Im Reisebüro „Sierre Norte“ in einer Seitenstraße von Oaxaca buchte ich eine Tour für 500$ exklusive Anreise. Ohne genau zu wissen, wie man nach Benito Juárez (die Ortschaft ist nach einem ehemaligen Präsidenten benannt)  kommt, buchte ich eine Cabaña (Haus/Unterkunft) auf einem Berggipfel. Ich bekam eine handgeschriebene Buchungsbestätigung und nun sollte ich zum Busbahnhof gehen, um dort den nächsten Bus nach Benito Juarez zu buchen. Leider gab es am Regionalbusbahnhof nur noch Busse nach Yalalag welche nicht direkt in Benito Juárez hielten. Ich entschied mich dann schließlich für einen Bus, der um 16 Uhr bis zum Abzweig Benito Juárez fuhr (rund 100 Minuten Fahrzeit, 42 $).

Ich wurde dann gegen 18 Uhr am Abzweig nach Benito Juárez aus dem Bus gelassen und sollte nun mit meinem schweren Rucksack (u.a. 3x Salsa Valentina, 1x Azul Tequila als Geschenk von Yssidel) die nächsten vier Kilometer auf der staubigen „Straße“ durch irgendeinen Wald auf 3000 Metern Höhe zurücklegen. Der fantastische Ausblick musste als Ausgleich reichen. Die Straße führt auf dem Kamm des Höhenzuges entlang. Die untergehende Sonne tunkte das Valles Central in eine bordeauxrote Farbe und tiefliegende Wolken ließen diese Szene surreal erscheinen. Nach gut 30 Minuten erreichte ich auf dem abschüssigen Weg nun die kleine Ortschaft Benito Juárez. In diesem abgelegenen Dorf waren gerade mal ein paar Straßenlaternen an und aus den Häusern schien das kühle Licht der Energiesparlampen. Ich ging zielstrebig zum Verwaltungsgebäude der Pueblos Mancomunados (Ökotourismus).  Mir wurde eine Cabaña für vier Personen zugewiesen, die ich die nächsten zwei Tage für mich alleine hatte. Ausgestattet war die neu errichtete Cabaña mit vier bezugsfertigen Betten, einem Kamin und einem Bad. Leider war zu jener Zeit im Winter nur kaltes Wasser verfügbar. Ich knusperte noch ein paar Tortillas mit Salsa Valentina während ich die GQ las und alsbald einschlief.



Sierra Norte (Oaxaca)

20. Dezember 2011


Den 20. Dezember hatte ich für eine Wanderung freigehalten. Auf 3000 Metern und südlich des nördlichen Wendekreises wird es selbst im Winter bei Sonnenschein noch richtig warm. Kurz vor Sonnenaufgang um sechs Uhr startete ich meine Wanderung.  Ausgestattet mit einer Wanderkarte (erhältlich gegen eine Schutzgebühr im Tourismusbüro in Oaxaca), versuchte ich eine bestmögliche Tour zu unternehmen. Zuerst wanderte ich auf einem unbefestigten Weg sieben Kilometer zum benachbarten Ort La Nevería. Der Weg schlängelte sich entlang des Gebirgskammes und eröffnete am frühen Morgen beeindruckende Ausblicke. Schließlich fällt der Weg um 100 Höhenmeter nach La Nevería ab. Dort angekommen, wartete ein kleiner Tante-Emma-Laden um 8:30 Uhr auf Kundschaft. Ich füllte meine Wasservorräte auf und wollte nun den Wanderweg zurück nach Benito Juárez nehmen. 8.2 km lagen vor mir und die Karte sprach von engen Pfaden, die von den Dorfbewohnern genutzt werden, um ihre Felder zu erreichen. Fraglich war, welche Felder auf 3000 m Höhe bewirtschaftet werden müssen und warum mitten im Wald ausgerechnet nur Pfade zu den vermeintlichen Feldern führen. Weiter heißt es, „nur wer ein gutes Verständnis der Natur und der Umwelt hat, wird erfolgreich sein“. Ich dachte mir nichts dabei und wanderte zuerst entlang der Schilder. Doch die Schilder und die Markierung verschwanden. Schließlich war der Weg nicht mehr auffindbar. Über Weiden und durch einen dunklen Wald versuchte ich irgendwie wieder zurück zu kommen. Doch einmal war der Weg verschüttet und ein anderes Mal endete er in einem Fluss. Trotz der vielen Unwägbarkeiten, sah ich einige Felder mit Brunnenkresse im Wald. Außerdem gab es überall Sprinkleranlagen, die exotische Pflanzen bewässerten. So waren ganze Berghänge mit Blumen überseht und die Täler mit Brunnenkresse zu gewuchert. Nirgendwo sah ich Menschen, alles sah naturbelassen aus. Kurz vor Benito Juárez kam ich an einer Forellenfarm vorbei. Als ich gegen 13 Uhr wieder in meiner Cabaña war, ruhte ich mich aus, um dann den 2,5 km entfernten Aussichtspunkt El Maridor zu erklimmen. Nach knapp 30 Minuten Fußmarsch wird man dort von einem grandiosen Blick überrascht. Auf dem oberhalb von Benito Juárez gelegenen Berggipfel hat man einen tollen Ausblick auf das Valles Central und die Pueblos Mancomunados. Es gibt einen kleinen Aussichtsturm und ein neues Café befand sich gerade im Bau. Die Hängebrücke über eine kleine Klamm war bereits fertig gestellt. Neben mir war auch noch eine Familie auf den Berg gestiegen.

Nach gut einer Stunde, kurz vor Sonnenuntergang, ging ich wieder zurück ins Dorfzentrum. Im Gegensatz zu den sommerlichen Temperaturen tagsüber wurde es nachts empfindlich kalt. Aus diesem Grund nahm ich den Kaminfeuerservice der Pueblos Mancomunados in Anspruch. In meiner Cabaña erwartete mich deshalb ein lauschiges Kaminfeuer, welches die gesamte Hütte in ein warmes Licht tauchte und zudem richtig gut heizte.



Monte Alban (Oaxaca)  

  1. 21.Dezember 2011


Ich konnte ausgesprochen gut schlafen und wachte ausgeruht um sechs Uhr auf. Denn ich wollte den um 7 oder 8 Uhr abfahrenden Minibus am Abzweig der Straße erreichen. Auf dem Weg konnte ich den atemberaubenden Sonnenaufgang über dem Tal auf Fotos festhalten. Ich unterschätzte aber, dass der Weg auf meinem Hinweg abschüssig war und demzufolge musste ich die Höhenmeter mitsamt Rucksack wieder mühsam zurückgewinnen. Pünktlich um sieben Uhr war ich an der Haltestelle und wartete bis acht Uhr auf den Minibus. Der Bus war zwar pünktlich, allerdings musste ich nachfragebedingt anderthalb Stunden stehen. Zu allem Überfluss fuhr der Minibus viele Serpentinen hinab ins Tal und somit war es nicht immer leicht das Gleichgewicht zu halten. Doch auch dies war bald vorüber und ich erreichte den Oaxaca Regionalbusbahnhof.

Samt Gepäck nahm ich einen Stadtbus bis zum Fernbusterminal. Die Rundtour mit dem Bus kostete 6$. Am Fernbusbahnhof ADO hinterließ ich meinen Rucksack bei der örtlichen Gepäckaufgabe und ich kaufte eine Fahrkarte für den um 20 Uhr verkehrenden ADO Bus nach Villahermosa. Die Fahrt kostete 578$, obwohl ich bereit gewesen wäre auch mit einem etwas luxuriöseren Bus zu fahren. Dieser fährt aber unter der Woche nicht nach Villahermosa, sondern nur an den umsatzstarken Wochenendtagen.

Unterdessen wollte ich die letzten Stunden in Oaxaca nutzen, um die Hauptsehenswürdigkeit Monte Alban zu besichtigen. Mit einem stündlichen Bus vom Zentrum konnte ich auf das über Oaxaca thronende UNESCO Weltkulturerbe Monte Alban fahren. Ein kleines Museum direkt am Billettschalter (51 $) spendet nicht nur Schatten, sondern schafft es auch die Geschichte des Ortes sehr gut zu vermitteln. Vor oder nach dem Besuch kann man das weitläufige Areal besichtigen. Pyramiden und ehemalige Wohnhäuser sind auf diesem strategischen wichtigen Punkt zu sehen. Die Ruinen Monte Albans sind einer der wichtigsten historischen Orte in Mexiko. Mehrere Stunden und im Idealfall auch einen Hut sollte man einplanen, denn nicht gerade viele Bäume spenden auf dem Plateau Schatten. Nach gut zwei Stunden musste ich aufgrund der Öffnungszeiten den Ort verlassen und so ging es wieder zum Fernbusbahnhof. Dort deckte ich mich mit Proviant für meine erste Nachtbusfahrt in Mexiko ein. Vorher gönnte ich mir noch eine Koriander-Hühnersuppe und ein paar Tacos.

Dann war es soweit und ich checkte am Fernverkehrsbus der Firma ADO nach Villahermosa ein. Pünktlich um 20 Uhr setzte der Bus zum Nachtsprung an (578$).



Palenque / Villahermosa

22. Dezember 2011


Als ich im Bus aufwachte, waren wir gerade in Coatzacoalcos angekommen und das Wetter war trüb. Die Scheiben des Buses waren angelaufen, doch erst nach Ankunft in Villahermosa stellte ich fest, dass ich in den Tropen angekommen war. Extrem hohe Luftfeuchtigkeit und ein paar dünne Sonnenstrahlen stellen einen unzumutbaren Mix für jeden Touristen dar. Denn binnen weniger Sekunden fängt man an zu schwitzen. Aus diesem Grund checkte ich schnellstmöglich in das gegenüber dem Fernbusbahnhof gelegene Hotel ein und legte mein Gepäck ab. Pro Nacht wurden umgerechnet 17 Euro fällig. Nach einer kurzen Erfrischung machte ich mich noch am selben Tag in Richtung Palenque auf, welches weniger als drei Busstunden von Villahermosa entfernt lag. Für 60 $ verkehrt ein stündlicher Bus über die Autobahn und die Hauptstraßen. Die Strecke ist mehr oder weniger sehenswert, da man durch viele Weidegebiete fährt.

Endlich angekommen, suchte ich mir in Palenque sofort ein Taxi, welches mich für 30$ bis zu den Mayatempeln fahren sollte. Die Ruinen inmitten des Dschungels zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Eingehüllt in dicke Nebelschwaden und mit unzähligen Lianen behangen, ist heute ein großer Teil erschlossen und zugänglich. Viele Touristen kommen hier her, um eine der am besten erhaltenen Mayastätten zu bestaunen. Auch ich mache mich auf und erkunde die großräumige Anlage innerhalb von zwei Stunden. Man kann dort aber zweifelsohne mehr Zeit zubringen. Wer noch auf der Suche nach Souvenirs ist, kann diese wie an jeder Touristenattraktion von Mexikanern direkt auf dem Gelände erwerben.

Die Sonne ging bald unter und die Ruinen von Palenque schlossen pünktlich um fünf Uhr nachmittags. Ich nahm einen Minibus in die Innenstadt von Palenque für 10 $. Dann nahm ich mir noch 30 Minuten Zeit für einen Rundgang durch den Ort, bevor es mit dem Bus gegen 19 Uhr wieder nach Villahermosa ging. Eine Stunde vor Villahermosa gab der betagte US-Oldtimerbus an einer Tankstelle auf. Die meisten Mitfahrer organisierten sich eine Ausweichmöglichkeit. Ich wurde etwas unruhig, da ich nicht wusste, ob ich überhaupt noch nach Villahermosa kommen würde. Doch nach 30 Minuten war alles behoben und der Bus sprang wieder an. Spät abends erreichte ich dann den regionalen Busbahnhof von Villahermosa. Abschließend wollte ich schnell noch die Innenstadt besichtigen. Laut Reiseführern, bietet Villahermosa kaum Attraktionen. Begründet wird das mit dem nahegelegenen Ciudad Pemex. Villahermosa wird in den Reiseführern als Retortenstadt bezeichnet, die sich nicht durch eine besonders charmante Innenstadt auszeichnet. Weiterhin soll die Stadt eher als Unterkunft für die Arbeiter von Pemex, der staatlichen Erdölförderungsgesellschaft, dienen. Wie dem auch sei – Villahermosa ist widererwarten recht schmuck und bietet einiges an urbanem Leben. Da die Stadt nicht auf Touristen angewiesen ist, bekommt der Besucher einen unverfälschten und somit authentischen Einblick in eine mexikanische Stadt. Leider wurden die Bürgersteige auch in Villahermosa um 21 Uhr sprichwörtlich hochgeklappt.



Tabasco Biosphären Reservat / Villahermosa 23. Dezember 2011


Einen weiteren Tag wollte ich im tropischen Bundesstaat Tabasco zubringen. Ich entschied mich für das wenig touristische Frontera und das nahegelegene Biosphärenreservat Pantanos de Centla am Rio Grijalva. In einem halbstündigen Takt fahren Busse direkt von Villahermosa nach Frontera (51 $). 1519 konnten nahe Frontera die spanischen Konquistadoren ihren ersten militärischen Erfolg gegen die amerikanische indigene Bevölkerung verbuchen. Heute kann man Frontera als verschlafenes Fischerörtchen bezeichnen. Von diesem Ort aus ist es nicht mehr weit bis ins nahe gelegene „Reserva de la Biosfera Pantanos de Centla“. Das Biosphärenreservat umfasst ein riesiges Gebiet aus Flüssen, Kanälen, Feuchtgebieten, Mangrovenwäldern und naturbelassen Flächen.


Ich nutzte wieder einmal einen Minibus bis zum Centro de Interpretación Uyotot-Ja. Dieses hat einen Aussichtsturm, eine Aufforstungsstation und eine Anlegestelle. Ich erkundete die Umgebung und nahm mir dann ein Boot. Raul, der Bootsführer rauschte mit mir durch die Mangrovenwälder, Flüsse und Kanäle. Das Spektakel dauerte ganze zwei Stunden und hat sich auf jeden Fall gelohnt. Der Wind war in der Mittagshitze sehr erfrischend. Ich konnte viele verschiedene Vogelarten wie zum Bespiel Fischreiher und Eisvögel beobachten. Außerdem umfasste die Rundfahrt das garantierte Beobachten von Krokodilen, Faultieren und Affen. Vor allem Botaniker kommen mit Mangroven, Palmen und dschungelartigen Pflanzen auf ihre Kosten. In abgelegenen Kanälen begutachteten wir die Beute von einheimischen Fischern, die dort noch traditionell mit Netz und Boot fischten. Dann ging es vorbei an einsamen Häusern direkt am Wasser, welche scheinbar nur mit einem Boot erreichbar sind. Außergewöhnliche Einblicke in die Ökosysteme und das Leben der Menschen lassen sich in den wenigen Minuten erhaschen. Meiner Meinung nach ist ein solcher Ausflug ein ganz außergewöhnliches Erlebnis.


Nach der Bootstour inspizierte ich die Naturschutzstation. Gleich neben dem Besucherzentrum befindet sich ein kleines Lokal, welches mich nicht überzeugen konnte. Ich wartete dann lieber an der Bushaltestelle mit windschiefer Bank. Einer der vielen Minibusse nahm mich mit zurück nach Frontera (10 $). In Frontera angekommen nutzte ich die Aufenthaltszeit von einer Stunde für ein paar stimmungsvolle Bilder. Der nahende Sonnenuntergang ließ auch hier alles in einem einzigartigen Licht erscheinen. Der Nahe Fluss Grijalva ließ mich meinen, ich wäre am Amazonas in Brasilien. Nichtsdestotrotz konnte ich in Frontera die besten Fotos machen, da alles nicht so touristisch war und die Menschen sehr natürlich auf meinen Fotos festgehalten werden konnten. Bei Nacht war ich wieder in Villahermosa und ließ den Tag mit Tacos al Pastor (Fleisch von einem vertikal gebratenen Fleischspieß, fast wie Döner) und Jamaica (alkoholfreies Nationalgetränk) ausklingen.


Ich holte mein Gepäck aus dem Hotel und wollte im Nachtsprung von Villahermosa nach Mexiko-Stadt. Der 23. Dezember war Hauptreisetag in Mexiko und ich ergatterte gerade noch ein Ticket nach Mexiko-Stadt. Den Tapo Busbahnhof erreichte ich am nächsten Morgen um 10 Uhr in einem ADO Bus für 806 $.



Busfahrt Villahermosa-Mexiko-Stadt-Morelia 24. Dezember 2011


Als ich im Bus aufwachte, befanden wir uns noch auf der Autobahn bei Puebla rund 200 Kilometer vor Mexiko-Stadt. Aus dem Fenster heraus konnte ich unter den ersten Sonnenstrahlen des Tages den Vulkan Popocatepetl erkennen. Zwei Stunden später erreichte ich den Busbahnhof Tapo und fuhr mit der Metro zum Nordbusbahnhof. Von dort aus nutzte ich die Busgesellschaft Primera Plus um 11:40 Uhr nach Morelia. Die vier Stunden Fahrzeit haben 325 $ gekostet. Im Gegensatz zu ADO waren WLAN und eine Lunchbox im Preis enthalten. Das hat mich an Heiligabend begeistert.

Ich kam noch bei Tageslicht in Morelia an und nutzte die Minibusse der roten Linie, um in die Innenstadt zu kommen. Ich checkte in einem Hotel am Villadolid Platz ein. Danach drehte ich noch eine Runde durch die tolle Altstadt und sah dem Treiben in der Stadt zu. Es waren bis spät in die Nacht unzählige Menschen auf den Beinen. Ich kaufte noch schnell etwas Abendbrot und legte mich hin. Denn am nächsten Tag erwartete mich ein hartes Programm.


Mariposa Monarchfalter Reservat: Cerro Pelon

25. Dezember 2011


Am ersten Weihnachtsfeiertag war ich schon früh am Busbahnhof in Morelia, um den ersten Bus nach Zitacuaro zu nehmen. Dieser Ort liegt unweit von den Mariposa Reservat für Monarchfalter entfernt. Reiseführer beschreiben den Aufstieg auf den Cerro Pelon als am wenigsten touristisch und am naturbelassensten von allen Beobachtungsstationen für Monarchfalter. Mit Minibus und Taxi aus Zitacuaro kam ich gegen zwölf Uhr am Eingang des Reservats im verschlafenen Örtchen El Capulín an. Die Buchung eines Bergführers ist Voraussetzung; zudem muss ein Eintritt von 150 $ gezahlt werden. Nach zwei Stunden Aufstieg erreichte ich einen Bergsattel und zwischen den Bäumen tat sich eine große Wiese auf. Im Schatten der Bäume hatten sich hier auf knapp 3000 Metern über dem Meeresspiegel schon einige Monarchfalter niedergelassen. Dieser Ort eignete sich gut für ein Fotoshooting mit den bunten Faltern. Mein etwas älterer, aber dennoch fitter Bergführer traf sich mit ein paar Bekannten am Waldrand. Alsbald wurde ich dann gerufen und es ging wieder in den Wald. Doch wenige Meter weiter war ein Rastplatz und viele Mexikaner beobachteten die Bäume. Bei näherer Betrachtung sah ich die vielen, vielen Monarchfalter. Denn in den Bergen rund um Mexiko-Stadt haben diese einzigartigen Schmetterlinge ihr Winterquartier. Millionen hausen hier den ganzen Winter in den Bäumen. Man hörte die Falter sehr deutlich und ein paar fielen auch zu Boden. Es war ein toller Anblick, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Der Ort war nicht überbevölkert mit Touristen und ich war der einzige Ausländer an jenem Tag. Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es war unglaublich, so viele Schmetterlinge auf einmal zu sehen. Bei der Vorstellung, dass Mexiko-Stadt nur 80 km entfernt ist, wird einem schnell bewusst, wie bedroht das Mariposa Reservat wirklich ist. Andere Besichtigungsstellen wie zum Beispiel El Rosario sind schon durch den Massentourismus zerstört. Hoffentlich passiert das in einem der letzten Rückzugsorte der Monarchfalter – am Cerro Pelon – nicht.

Als ich mit dem Bestaunen fertig war, ging ich mit meinem Begleiter zurück zur Wiese. Dort hebelte er sich nochmal eine halbe Flasche Tequila ein und trat mit mir den Rückweg an. Direkt vor uns ritten zwei waschechte mexikanische Cowboys zurück. Der Abstieg dauerte länger als gedacht, da mein Begleiter unbedingt mit drei weiteren mexikanischen Besuchern zurückwandern wollte, die natürlich viel langsamer waren als wir beim Aufstieg.

Am Fuße des Massivs angekommen, nahm ich wieder ein Taxi zurück nach Zitacuaro. Aufgrund des regen Weihnachtsverkehrs waren alle Verkehrsträger an diesem Abend mehr als überfüllt. Mit dem letzten Bus (19 Uhr) nach Morelia konnte ich dann ab Zitacuaro für 54 $ den Rückweg antreten. Gegen 22 Uhr war ich dann wieder in der Altstadt von Morelia.



Guadalajara

26.-28. Dezember 2011


Den sonnigen Morgen nutzte ich noch einmal für einen Spaziergang durch die als UNESCO Weltkulturerbe klassifizierte Altstadt, bevor es mit einem Minibus zum Busbahnhof ging. Von dort aus nutzte ich den nächsten Bus um 14:30 Uhr der Busgesellschaft ETN nach Guadalajara für 360 $. Nach etwas verspäteter Bereitstellung des Busses und heillosem Chaos auf den Bussteigen konnte ich doch noch den richtigen Bus finden. Für die vierstündige Fahrt im 2+1-bestuhlten Luxusbus gab es auch eine Lunchbox. Das Internet an Bord des Busses war leider defekt. Die vier Stunden Busfahrt gingen schnell vorüber und gegen Abend erreichte ich den Fernbusbahnhof von Guadalajara. Von dort aus waren es mit einem Bus nochmal 10 Kilometer in die Innenstadt.


Schnell fand ich eine zentrumsnahe Unterkunft. Für einen Nachtspaziergang war noch Zeit und ich konnte mich auch hier von der historischen Altstadt in den Bann ziehen lassen. Viele Gebäude in der Altstadt wurden aufwendig beleuchtet. Weiterhin war im Gegensatz zu den USA die Innenstadt auch noch bis spät abends überfüllt mit Menschen.


Den ganzen Tag reservierte ich mir für die Stadt Guadalajara, welche mit 4,3 Millionen Einwohnern auf 1500 Metern Höhe über dem Meeresspiegel die zweitgrößte Stadt Mexikos ist. Zuerst besuchte ich nochmal den Zocalo (Hauptplatz) und die Altstadt bei Tageslicht. Beeindruckt war ich von der Kathedrale und den vier Plätzen, welche die Kathedrale umgeben. Einige Gebäude aus der Kolonialzeit zieren die Altstadt. Danach lief ich die Avenida Morelos hinab bis zum Kulturinstitut. Auf dem Hauptplatz befand sich wie auch schon in Mexiko-Stadt eine künstliche Eislaufbahn. Bei rund 20°C Außentemperatur eher eine Energieverschwendung. Wie bereits in Mexiko-Stadt bildete sich auch hier eine lange Schlange für das maximal 30-minutige Eislaufvergnügen. Am Nachmittag fuhr ich dann mit dem Bus in die Künstlervorstadt Tlaquepaque in der ich mehrere Stunden zubrachte. Das Flanieren auf der Straße Independencia ist ein Muss für jeden Mexikotouristen. Hier reiht sich die eine Galerie an die andere. Durchbrochen wird das Straßenbild von europäisch anmutenden Cafés und ein paar Boutiquen. Ein Blick in die Seitenstraßen ist ebenso lohnenswert. Selbst die Häuser in dem sieben Kilometer entfernten Vorort sind sehr sehenswert. Tlaquepaque selbst ist sehr beschaulich und wirkt wie eine Kleinstadt. Weiterhin gibt es viele Bäume und kleine Parks im Zentrum, die das Stadtbild verschönern.


Am Abend traf ich mich mit einer guten Bekannten namens Christy im trendigen Stadtviertel Chapultepec. Hier treffen sich am Wochenende die Studenten, um zu feiern. Wir entschieden uns für das Lokal Wings Army. Auch unter der Woche ist es hier sehr voll.


Der letzte Tag für mich in Mexiko war gekommen. Christy empfahl mir dringendst die Tapatio Tour zu machen. Ich habe zwar eine Aversion gegen Stadtrundfahrten, aber ich ließ mich breitschlagen. Auf einem dachlosen Doppeldecker nahm ich auf der oberen Etage Platz. Ich buchte die Tour nach Zapopan und nach Chapalita. Vorteilhaft war, dass man mit Tapatio für 53 $ einen kompletten Tag lang, alle Busse der Firma nutzen konnte und somit nicht auf den unregelmäßigen Stadtverkehr angewiesen war. Der Bus war komplett voll mit Mexikanern und nicht wie von mir befürchtet mit ausländischen Touristen. Das erklärt auch den durchaus niedrigen Preis der Tour. Ich konnte die ganzen Vororte innerhalb kürzester Zeit besuchen. Abschließend gönnte ich mir noch etwas zu essen und holte dann mein Gepäck aus dem Hotel. Ich nahm einen lokalen Bus bis kurz vor den internationalen Flughafen von Guadalajara. Den letzten Kilometer von der Autobahn bis zum Terminal musste ich dann laufen. Somit sparte ich mir aber die teure Anfahrt mit dem Taxi.

Der Check-in verlief am Migual Hidalgo Airport nicht problemlos, aber irgendwann bekam ich meinen Boarding Pass für den US Airways Flug nach Phoenix. Der Flughafen wird von einer US-Unternehmung gemanagt und zeichnet sich durch einen uramerikanischen Foodcourt aus. Mit US 322 ging es um 20:10 nach PHX Sky Harbor.  Die Nacht von 21:57 Uhr bis 8:30 Uhr brachte ich auf dem Flughafen zu, im Security Bereich. Am nächsten Morgen wollte ich den Flug 2737 nach Santa Barbara erreichen, doch ohne mich durchzurufen wurde mein Gate ohne mich geschlossen und ich musste auf den nächsten Flug warten. Weitere drei Stunden brachte ich auf dem Flughafen zu und kam mit drei Stunden Verspätung in Santa Barbara an. Mein Gepäck ist jedenfalls mit der gebuchten Maschine geflogen. Wohlbehalten, ganz ohne Schusswunden und ausgeraubt zu werden, bin ich wieder in den USA angekommen. Fazit: Mexiko ist ein wunderbares Land, es hat Spaß gemacht!

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