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Usbekistan Reisebericht: Taschkent, Samarkand, Buchara, Xiva

 
Text: Tjark Metznerkaukasus.html

1. Teil des Zentralasien-Reiseberichts
Beginn der Reise in Usbekistan


Visumbeschaffung


Bereits einige Monate vor unserer eigentlichen Reise nach Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan widmeten wir uns den Reisevorbereitungen. Das wichtigste war zunächst die Beschaffung und letztlich auch die Bewilligung der erforderlichen Visa. Hiervon hing die weitere Reiseplanung ab – lange waren wir uns nicht sicher, ob die turkmenische Botschaft unseren Antrag genehmigen würde.


Mit dem usbekischen Generalkonsulat in der direkten Nachbarschaft konnten wir nach einer Woche Bearbeitungszeit unseren Reisepass wieder abholen. Mit stolzen 90 € ist das Visum eines der teuersten überhaupt. Drei Ein- und Ausreisen hatten wir beantragt.


Im nächsten Schritt übergaben wir unsere Unterlagen dem kasachischen Generalkonsulat, welches sich ebenfalls in Frankfurt befindet. Hier konnten wir einen Termin vereinbaren und wurden herzlich empfangen. Der Mitarbeiter des Konsulats empfahl diverse Reiseliteratur und versprach uns weitere landes-spezifische Informationen zukommen zu lassen, wenn wir unsere Visa nach einer Woche wieder abholten. 35 € kostete uns dieser Eintrag im Pass. Jedoch muss man bei der Behörde persönlich vorstellig werden. Immer wieder konnte man in den letzten Jahren in der Presse lesen, dass die Visapflicht abgeschafft werden würde, doch bis zum Zeitpunkt unserer Reise war dies noch nicht erfolgt.


Die größte und spannendste Herausforderung war der Antrag bei der turkmenischen Vertretung in Berlin. Das abgeschottete Land lässt Touristen nämlich – genau wie Nordkorea – nur mit staatlichem Führer innerhalb einer organisierten Reise ins Land. Daneben erlaubt das Land einen fünftägigen Transit durch das Land. Wir gaben also die die Einreise aus Usbekistan und die Ausreise nach Kasachstan an. Mit unseren zwei genehmigten Visa für Usbekistan und Kasachstan wurde unser Gesuch nach zwei Wochen Bearbeitung und Postweg bewilligt.


Auch hatten wir im Vorfeld bereits eine strenge Routenplanung festgelegt und entsprechend unsere Unterkünfte von Deutschland aus reserviert, damit uns vor Ort keine bösen Überraschungen erwarteten. Da wir enorme Wege (ca. 4.000 km) zwischen den verschiedenen Städten zurücklegen mussten, entschieden wir uns für fünf Nächte im Schlafwagen-abteil der Staatsbahnen.



Anreise


Um 14:20 Uhr bestiegen wir unser Airbaltic-Flugzeug am Frankfurter Flughafen, um über Riga nach Taschkent zu gelangen. Für 380 € war der Flug ein absolutes Schnäppchen. Getränke und Verpflegung waren bei diesem Preis nicht inbegriffen, wurden aber von unseren Mitreisenden trotz exorbitanter Preise rege nachgefragt.


Taschkent


Wir landeten etwas verspätet gegen zwei Uhr nachts Ortszeit am Taschkent International Airport (TAS). Unsere Erwartungen an den Flughafen TAS waren nicht sehr hoch. Wir hatten im Flugzeug recht weit vorne gesessen. Der Vorderausgang, der unserem Platz am nächsten war, durfte jedoch nur von den Business Flugkunden genutzt werden, wir hingegen konnten nur den Hinterausgang nutzen. So waren wir eine der letzten, die in den Bus bestiegen, der uns am Vorfeld abholte und an einem unscheinbaren Hinterausgang des Hauptgebäudes herausließ. Als wir nach zwei Minuten Fußweg die Immigration erreichten, hatten sich vor uns beträchtliche Schlangen gebildet. Gerade einmal drei Schalter sollten nun ein ganzes Flugzeug mit rund 150 Fluggästen abfertigen. Etwa eine Stunde dauerte das Prozedere bis unsere Pässe kontrolliert waren. Wir waren müde und hofften sehnlich auf unser Hotelbett. Doch wir stellten fest, dass wir erst die Hälfte der Einreise geschafft hatten. Mühsam mussten wir zunächst eine Zollerklärung ausfüllen. Die vorgedruckten Zettel waren bedauerlicherweise nur noch in russischer Sprache verfügbar und wir hatten Mühe, das Dokument ordnungsgemäß zu vervollständigen. Freundlicher-weise teilte uns eine deutsche Mitreisende entnervt mit, dass das Dokument in zweifacher Ausführung ausgefüllt werden muss. Es folgte eine weitere Stunde des Wartens bis unser Gepäck durchleuchtet und alle Papiere ordnungsgemäß gestempelt waren. Ein Exemplar der Zollerklärung mussten wir bis zur Ausreise mit uns führen. Als wir aus dem Flughafengebäude traten, dämmerte es bereits. Vor dem Ankunftsausgang und hinter einem kniehohen Zaun waren unzählige Taxifahrer, die auf die Fluggäste warteten. Wir schnappten uns einen Taxifahrer aus der hinteren Reihe und verhandelten nach einiger Zeit einen für uns vertretbaren Preis von 5 €. Leider war der Geldautomat im Flughafen wie auch später alle anderen Geldautomaten, die wir gesehen hatten nicht funktionstüchtig, wenn sie das jemals waren. In weiser Vorahnung hatten wir im Vorfeld das Hotel „Usbekistan“ mitten in Taschkent gebucht, welches einen 24-Stunden Check-Inn hat.


Das betagte Sowjethotel „Usbekistan“ ist in einem ikonischen Gebäude beherbergt, welches zweifelsfrei schon bessere Tage gesehen hat. Unsere Erwartungen an das Hotel waren allerdings auch nicht sehr hoch, sodass wir uns an den großen Zimmern mit Balkon erfreuten. Das Frühstück mit Brot, Wurst, Käse und Eiern war reichhaltig.


Bei unseren Reisevorbereitungen hatten wir schon festgestellt, dass Taschkent touristisch nur wenige Highlights zu bieten hat. Das Hotel Usbekistan liegt direkt am Hauptplatz Taschkents, dem Amur Timur Maydoni (Platz). In der Mitte des Platzes steht die berühmte Timur Statue. Der Platz wird von einem mehrspurigen Kreisverkehr eingefasst. Direkt neben dem Hotel Usbekistan am Hauptplatz steht eines der neuesten und architektonisch wertvollsten Gebäude in Usbekistan – das Dom Forum. Dieses hochmoderne Aushängeschild Usbekistans ist eine Mehrzweck-veranstaltungshalle der Regierung und wird für Empfänge und Ähnliches genutzt.


An einer weiteren Seite des Timur Platzes gibt es einen kleinen Teich mit einem netten Café, in dem wir erst einmal eine Orientierungspause nahmen. Dann irrten wir auf den weitläufigen Boulevards umher, um möglichst schnell Sum – die usbekische Währung – aufzutreiben. Wir stellten uns dabei nicht besonders clever an, und versuchten es zuerst vergeblich in der Zentralbank. Schließlich half uns die Wechselstube im Dedeman Hotel und tauschte jeden von uns gewünschten Betrag. Wir hatten gefühlt ein Kilogramm Banknoten erhalten und füllten unsere Kameratasche damit. Wir kamen ja nicht mal darauf, dass bei der Menge an Geldscheinen jeder Geldautomat automatisch streiken würde. An diesem ersten Tag unserer Reise war uns noch nicht bewusst, dass man am Basar einen viel besseren Kurs bekommt, als in den offiziellen Tauschgeschäften. Hier gibt es einerseits „professionelle Geldwechsler“, andererseits tauschen viele Händler gerne zum guten Kurs.


Um mehr zu sehen als nur den Timurplatz arbeiteten wir uns mit der Metro zum Bahnhof vor. Dort konnten wir innerhalb von wenigen Minuten all die Zugtickets besorgen, die wir nicht vorher auf der Internetseite der kasachischen Bahn erwerben konnten. Wir entspannten noch etwas in einem einfachen Abklatsch einer westlichen Bahnhofslounge, der leicht muffeligen Hall of Luxury Train Travel. Als nächstes besuchten wir den unweit des Bahnhofs gelegenen Mirobor Basar. Auf der Satellitenansicht von Google Maps sieht das riesengroße grünliche Dachgestell etwas mysteriös aus. Vom Boden betrachtet war der Basar gut aufgeräumt. Ohne lange zu zögern kauften wir uns ein paar weißfleischige Pfirsiche und ausgezeichnete Kirschen. Danach fuhren wir mit der Metro zum Chorsu Basar in der „Altstadt“ Taschkents. Auch dieser Basar ist riesig. Hier kauften wir zum ersten Mal das köstliche usbekische Brot, welches wir auf der Reise schätzen gelernt hatten. Anschließend schauten wir uns die gegenüber dem Basar gelegene Kulkedash Medrese an. Die Medrese ist renoviert und vermittelt einen guten Eindruck von einer Koranschule. Danach nahmen wir die Metro in die Stadt um uns noch schnell das Kaldirgochbiy, Yunus Khan und das Shaykh Hovendi Tahur Mausoleum anzusehen. Der Tag war somit fast vorüber und wir schafften es weder den Fernsehturm noch den innerstädtischen Freizeitpark Taschkentland zu besuchen. In der Nähe des Amir Timur Platzes besuchten wir dann das Restaurant Bereska. Wir hatten etwa eine Stunde eingeplant, um danach unsere Sachen im Hotel Usbekistan abzuholen. Mit einem offiziellen Taxi fuhren wir dann schnell zum Bahnhof, denn wir wollten noch am selben Tag die kasachische Grenze erreichen.



Sehenswürdigkeiten in Taschkent


Dom Forum

Das Dom Forum ist für usbekische Verhältnisse ein steingewordener Traum aus Design und Architektur. Das Vorzeigeobjekt der usbekischen Regierung in Taschkent ist ein repräsentatives Gebäude für Konferenzen, Empfänge und ähnliche Anlässe. Eine Oper, Restaurants und Bars sollen in dem Gebäude vorhanden sein. Ein Großteil der Einrichtung stammt aus Europa und vor allem Deutschland. Leider war es zum Zeitpunkt unseres Besuches nicht möglich, das Gebäude von innen zu besichtigen – man sollte darauf auch nicht spekulieren, da es zurzeit nur für Veranstaltungen öffnet.


Kulkedash Merdrese ★★

Die frühere Koranschule ist wohl die schönste Touristenattraktion (davon gibt es ja nicht viele in Taschkent) in der Hauptstadt. Man kann über die Gänge der Schule wandeln und noch heute kann man in die Klassenräume blicken. Man kann den Besuch der Medrese mit dem Besuch des Basar im Chorsu ganz einfach verbinden.


Kaldirgochbiy, Yunus Khan und das Shaykh Hovendi Tahur Mausoleum

Es mag sein, dass hier frühere einflussreiche Herrscher ihr Grab fanden, aber anmutend oder besonders beeindruckend sind die Gedenkstätten nicht. Es lohnt keinen großen Umweg.



Unterkunft in Taschkent


Hotel Usbekistan ★★

Das Hotel Usbekistan war in der Sowjetzeit das Hotel in Taschkent. Hier übernachteten privilegierte Touristen und wichtige Beamte. Viel wurde seit dem Untergang der UdSSR aber nicht renoviert und dementsprechend kann man den sowjetischen Charme noch heute fühlen. Die Zimmer sind sehr groß und haben zumeist einen Balkon mit Ausblick. Die Bäder sind nicht auf dem Stand der Zeit. Sehr günstig ist die Übernachtung in diesem Hotel bei Reservierung über OrexCA.



Gastronomie


Bereska ★★

Gegenüber dem Le Grande Plaza Hotel und versteckt hinter Bäumen liegt das Taschkenter Bierparadies. Das Essen war gut, das Bier für deutsche Verhältnisse eher unterdurchschnittlich.


Café 1991 ★★★

Das Café 1991 ist eines der wenigen Spots in Usbekistan, die sowohl Essen als auch „Party“ auf höherem Niveau bieten. Wir verbrachten den letzten Abend, kurz vor unserer Abreise, im Freiluftbereich des Cafés 1991. Das Essen war gut aber für usbekische Verhältnisse teuer. Das Lokal ist wohl das einzige, welches sich für das spärliche peoplewatching in Usbekistan eignet.



Zugfahrt Taschkent-Turkestan

005F «Узбекистан» Abfahrt Taschkent 21:15 Uhr


Wir hatten uns in Deutschland schon frühzeitig um die Fahrkarten für unsere Reise gekümmert, da uns die Aufenthaltszeit von einem Tag in Taschkent für eine „spontane“ Fahrkartenbesorgung zu kurz erschien. Mit Hilfe eines Berliner Reisebüros konnten wir originale RZD-Tickets aus Moskau für den Preis von 40 € pro Stück beziehen. Für die relativ kurze Strecke von 264 Kilometern im Zweibettwagen Lux pro Person ist das trotzdem noch ein stolzer Preis. Wir entschieden uns für den Zug, da dieser bestens für einen Nachtsprung inklusive Grenzübertritt geeignet ist.


Laut Fahrkarte hat sich der Fahrgast bereits 30 Minuten vor der Abfahrt am Bahnhof einzufinden. Dies ist auch sinnvoll, da man zuerst mit Fahrkarten und Gepäck am äußersten Zaun des Bahnhofs einchecken muss. Danach wurden wir samt Gepäck am Haupteingang durchleuchtet. Im nächsten Schritt wurde bei Vorlage unseres Passes die Fahrkarte abgestempelt, damit wir die Oblast Taschkent überhaupt verlassen dürfen. Innerhalb von gut fünf Minuten brachten wir die gesamte Prozedur hinter uns und warteten geduldig auf unseren Zug. Im Bahnhofsgebäude können nur sehr wenige Dinge gekauft werden. Wir waren sehr froh, dass wir gekühltes Wasser kaufen konnten.


Im Zug hatten wir saubere Zweierabteile (Luxwagen). Nachteilig war, dass sich die Wagen des Vorzeigezugs der usbekischen Staatseisenbahn tagsüber in der Abstellanlage aufgeheizt hatten. Wir kamen entsprechend schnell ins Schwitzen. Hinzu kamen lange Haltezeiten an den zwei Grenzposten, bei denen sich der Zug auch nicht merklich abkühlen konnte. Die Grenzkontrolle verlief relativ unspektakulär: Pässe einsammeln, warten, gestempelte Pässe zurück. Nach der Kontrolle schliefen wir schnell ein.


Fortsetzung: 2. Teil des Zentralasien-Reiseberichts: Kasachstan



3. Teil des Zentralasien-Reiseberichts

Von Taschkent via Buchara nach Turkmenabat


Zugfahrt Taschkent-Buchara


Unser Uzbekistan Airways Flug erreichte den Flughafen von Taschkent pünktlich. Aufgrund unserer Erfahrungen bei der ersten Einreise nach Usbekistan, beeilten wir uns dieses Mal, um schneller an der Passkontrolle zu sein. Doch das Gepäck ließ auf sich warten. Auf dem für unseren Flug angezeigten Band wollten unsere Rucksäcke einfach nicht auftauchen. Spaßeshalber warfen wir einen Blick auf das andere Band des Ankara-Fluges und fanden dort unsere Rücksäcke. Ironischerweise füllten wir während des Wartens einen Fragebogen zur Verbesserung der Flughafenqualität aus.


Vor dem Flughafengebäude nahmen wir uns ein Taxi und fuhren für 5 Dollar zum Bahnhof. Dort angekommen hatten wir noch rund 1,5 Stunden Zeit bis unser Nachtzug nach Buchara abfahren sollte. Glücklicherweise stand unser Zug 662 mit Abfahrt um 20:45 Uhr schon bereit und wir bezogen unser Abteil. Schon beim Eintreten in den Zug sammelten sich Schweißperlen auf unserer Stirn. Die Luft war stickig und das Atmen fiel uns schwer, sodass wir den Weg erneut nach draußen auf den Bahnsteig suchten. Als schließlich der Zug 662 die Hauptstadt Usbekistans verlassen hatte, begaben wir uns in den Speisewagen. Es gab Gulasch mit Reis, Nudeln und hausgemachtem Kartoffelbrei. Dazu wurden Brot und Bier gereicht. Auch im Speisewagen war es unbeschreiblich heiß und die fettigen Gardinen wippten zum Takt der Schienenstöße. Wir legten uns  nach diesem Ausflug in unserem Kupeabteil hin und versuchten zu schlafen. Die schlechte Luft und die Hitze machten uns zu schaffen. Schließlich erreichten wir Buchara um 7:15 Uhr. Da der Bahnhof etwas außerhalb der Stadt liegt, nahmen wir eine der unzähligen Marschrutkas auf dem Bahnhofvorplatz zum Lyabi-Haus Platz. Von uns als Touristen wollte der Fahrer einen wesentlich höheren Betrag für die Fahrt nehmen, da wir jedoch sahen, was die Einheimischen an Fahrtgeld gaben, bezahlten wir ebenfalls nur diese Summe.



Buchara


Eines der am besten erhaltenen Gebäudeensembles aus der Zeit der Seidenstraße ist die Altstadt von Buchara. Die unter Weltkulturerbe stehende Altstadt ist – wie Yazd im Iran – ein Puzzle unzähliger alter Lehmhäuser und Gassen. Das Zentrum bildet das Kalon Minaret uhd die Mir-i-Arab Medrese. Der Platz ist sowohl ein Anziehungspunkt für Touristen, als auch für Usbeken. Bis spät abends trifft man hier Leute aus aller Welt und es besteht geschäftiges Treiben bis die Nacht hereinbricht. Die Altstadt in der heutigen Form wurde teilweise wieder aufgebaut. Man erkennt schnell, dass Buchara vor Jahrhunderten sehr reich war. Im Gegensatz zu Tashkent hat Buchara einige interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten, die man zu Fuß bequem erkunden kann. Insgesamt lässt sich erkennen, dass Buchara im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes touristisch bereits erschlossen ist, was sich an der Anzahl an Hotels und touristischen Einrichtungen (z. B. Souvenirshops mit Postkartenverkauf) zeigt.


Insgesamt hatten wir 28 Stunden für Buchara reserviert. Für den Tag unserer Abreise hatten wir bereits am Tag zuvor einen Termin mit einem Taxifahrer vereinbart. Plant man längere Fahrten bietet es sich an, einen zuverlässigen Fahrer bereits frühzeitig anzusprechen und einen Termin mit festem Preis zu vereinbaren. Diese sind dann meist guter Laune, ausgeschlafen und verlässlich. Am nächsten Morgen erschien der Fahrer dann auch pünktlich um elf Uhr vor unserer Unterkunft. Die etwas mehr als einstündige Fahrt an die Grenze bei Farap ging zügig voran. Bis auf den letzten Kilometer vor der Grenze war die gesamte Straße in einem guten Zustand. Nachdem wir die Ausläufer Bucharas verlassen hatten, wurde die Landschaft immer karger und verwandelte sich langsam in eine Steinwüste. Neben uns verlief die Bahnstrecke und ein paar Güterzüge kamen uns aus Turkmenistan entgegen. Zwischendurch mussten wir noch Gas tanken. Während der Mittagspause erreichten wir die Grenzstation. Dort mussten wir unsere Zollerklärungen abgeben und konnten dann zügig aus Usbekistan ausreisen. Anschließend wird man mit einer Marschrutka von der Grenzstation zur eigentlichen Grenze gebracht. Dort warteten schon weitere Turkmenen auf das Ende der Mittagspause. Bei 40° im Schatten warteten wir eine Stunde unter einem buckeligen Baum bis die Grenze geöffnet wurde...



Sehenswürdigkeiten


Riesenrad ★★★

Das Merkmal für den Freizeitpark am nordöstlichen Ende der Altstadt ist das Riesenrad. Es ist zwar schon etwas älter und manche Gondeln können das Gleichgewicht nicht mehr halten, aber trotzdem bietet eine Fahrt einen einzigartigen Ausblick.


Ark

Während unserer Reise war die aus einer riesigen Lehmmauer bestehende Zitadelle gesperrt. Derzeit werden die historischen Gebäude innerhalb der Wehranlage wieder aufgebaut.


Kalon Minaret , Mir-i-Arab Medrese ★★★★★

Das touristische Highlight in Buchara ist das Ensemble des Hauptplatzes. Der langgestreckte Platz zwischen Koranschule, Ark, Minaret und Moschee ist beeindruckend und zieht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Einheimische wie Touristen an. Ein mehrmaliger Besuch lohnt sich, da die Sonne die Gebäude zu jeder Tageszeit in ein unterschiedliches Licht rückt.


Taki-Zargaron Bazaar ★★

An einer Einfallsstraße, weit ab vom touristischen Rummel der Altstadt, liegt der von Einheimischen frequentierte Basar. Das Angebot erstreckt sich von Obst und Gemüse über Fleisch bis hin zu lebenden Küken. Das Ambiente ist ansprechend aber nicht herausragend.


Lyabi-Hauz ★★★★

Der Gegenpol zum Registanplatz im Westen der Stadt bildet im Osten der Platz um das Lyabi-Hauz. Das Gebäude selbst ist wenig spektakulär, dafür sind der kleine See und die Restaurants attraktiv. In den Seitenstraßen befinden sich viele Gebäude, die an die Blütezeit der Stadt erinnern.


Madrasa Chahor Minor ★★★★

Fernab der Touristenströme liegt die Madrasa Chahor Minor unscheinbar zwischen den Wohnhäusern der Einheimischen. Es bietet sich ein tolles Bild, wenn der blaue Himmel fast die Farbe der vier Kuppeln annimmt. Das Gebäude ist jedoch viel kleiner als es auf den Fotos zu erahnen ist.



Unterkunft


Amulet Hotel ★★★★

Das Amulet Hotel befindet sich in einer ehemaligen Medrese aus dem 19. Jahrhundert. Die Hotelzimmer sind individuell mit traditionellen Elementen eingerichtet. So schläft man in einem handgeschnitzten Bett und auch die Holzdecken weisen aufwändige Verzierungen auf. Trotzdem sind die Zimmer modern mit Klimaanlage, einem zeitgemäßen Badezimmer sowie drahtlosem Internet ausgestattet. Da das Hotel nur eine kleine Anzahl an Zimmern besitzt, ist es ein sehr ruhiger und gepflegter Ort in der lebhaften Wüstenstadt. Auf den gemütlichen Sitzbetten im Innenhof umgeben von typischer Töpferkunst und Wandteppichen konnten wir uns wohlfühlen. Das Frühstück war ebenfalls sehr lecker und das Preis-Leistungsverhältnis hat uns überzeugt. Preise sind Verhandlungsbasis (am besten vorab per Mail abstimmen).



Gastronomie


Bolo Hauz Chaikhana ★★★★

Das wohl beste Essen in Usbekistan gepaart mit einer äußerst angenehmen Umgebung hatten wir im Bolo Hauz Chaikhana gegenüber dem Ark. Das Teehaus mit Sitzbetten und normalen Tischen erfüllte alle unsere Vorstellungen von einem Teehaus im Orient. Wir bestellten Plov, gegrilltes Hähnchen, Schaschlik und Salat. Das Essen war lecker und wir waren mehr als begeistert. Die Preise sind äußerst niedrig und das Restaurant bietet wohl das beste Preis-Leistungsverhältnis weit und breit. Den einzigen Abstrich muss man bei der begrenzten Menüauswahl machen, die nicht über das usbekische Standard-programm hinausgeht.


Fortsetzung: 4. Teil des Zentralasien-Reiseberichts: Turkmenistan



5. Teil des Zentralasien-Reiseberichts

Von Xiva nach Taschkent Flughafen


Xiva (Chiva, Khiva)


Die letzte Oasenstadt, die wir auf unserer Reise besuchten, war die Altstadt des Weltkulturerbes Xiva. Die teilweise wieder aufgebaute Altstadt ist ein Schmuckstück und von Touristen hochfrequentiert. Die Altstadt Ichon-Qala wird von einer riesigen Lehmmauer eingerahmt. Früher gab es nur vier Eingangstore in das Innere der Stadt. Wir hingen erwischten nach Ankunft mit dem Taxi aus Turkmenistan ausgerechnet das West Tor. Bei Betreten wurde von uns Eintritt verlangt, welchen wir nicht bezahlen wollten, da wir in der Altstadt ein Hotel reserviert hatten. Wir besorgten uns ein Telefon und nach kurzer Absprache mit dem Meros Guesthouse kam ein Angestellter und führte uns an der Mauer entlang. Bei der Mittagshitze war es schon anstrengend genug, wenige hundert Meter Umweg zu laufen. Am Nordeingang war keine Kasse und so konnten wir uns „kostenlos“ innerhalb der Ichon-Qala bewegen.

Xiva ist wohl das schönste Altstadt Ensemble in Usbekistan. Der Stadtkern wirkt wie von vor hunderten von Jahren. Wir ging auf der Stadtmauer entlang und versuchten so viele „Straßen“ wie möglich abzulaufen. Wir nahmen die vielen neuen Eindrücke auf erfreuten uns an den Gebäuden und Bauten innerhalb der Altstadt. Xiva ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.



Sehenswürdigkeiten


Ichon-Qala ★★★★★

Das historische Zentrum ist ein absolutes Muss für jeden Zentralasienreisenden. Lehmhäuser, alte Medresen und unvergessliche Minarette warten auf Besucher. Detailinformationen sind den Reiseführern  zu entnehmen. Hierfür sind besonders der Trescher Usbekistan und der DuMont Kunstreiseführer Zentralasien zu empfehlen.


Islom-Hoja Minarett ★★★★

57 Meter hoch, 1910 fertiggestellt - das höchste Minarett weit und breit ist eine tolle Attraktion. Der Aufstieg kann zu mehrtägigen Muskelkater führen, da Muskeln eingesetzt werden müssen, die sonst nicht gebraucht werden. Die Treppe ist außerdem sehr steil und nicht für Klaustrophobiker geeignet. Die grandiose Aussicht entschädigt für den Aufstieg in jedem Fall. Der Blick ist fantastisch und von dem Minarett kann man sich den besten Eindruck über Xiva und die Umgebung verschaffen.



Unterkunft


Meros Guesthouse ★★★

Einer der Anlaufpunkte für Weltreisende ist das Gästehaus von Meros in der Altstadt von Xiva. Das direkt am Westportal gelegene zweistöckige Haus verfügt über eine tolle Dachterrasse und einen wunderschönen Frühstücksraum. Die Zimmer und Bäder sind spartanisch eingerichtet. Da die Betreiberfamilie mit in dem Haus wohnt, ist die Atmosphäre familiär und angenehm. Aufgrund des guten Services ist die Unterkunft beliebt bei Travellern. Am besten vorab per Mail reservieren.



Gastronomie


Khorezm Art Restaurant ★★★★

Als eines der besten Restaurants in ganz Usbekistan gilt das Khorezm Art Restaurant. Es wurde 2008 als Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Botschaft Taschkent, des Deutschen Volkshochschulverbandes, des Deutschen Entwicklungsdienstes und dem Xiwaer Zentrum für die Entwicklung von Business und Tourismus eröffnet und bietet traditionelle usbekische Speisen in einem stilvoll eingerichteten Gewölbekeller an. Die Preise sind human und die Gerichte waren alle sehr gut zubereitet. Allerdings wird das Restaurant fast ausschließlich von ausländischen Touristen(-gruppen) besucht.



Zugfahrt Xiva-Urgench-Samarkand


Da Xiva keinen Bahnhof besitzt, mussten wir zur Hauptstadt und dem Verkehrszentrum der Region, nach Urgench (Urganch). Deshalb liefen wir zielstrebig zum nördlichen Ausgangstor Xivas und sprachen die dort rumstehenden privaten Taxifahrer an, ob jemand bereit wäre, uns in die etwas größere Stadt Urganch zu fahren. Natürlich wollten alle Taxifahrer uns nach Urganch fahren, nur unser Zielpreis entzweite die Clique. Statt Preisabsprache zwischen Taxifahrern entstand ein echter und handfester Preiskrieg unter den Taxifahrern, der vom ruhigsten Taxifahrer gewonnen wurde. Für 10 € sollte die knapp 50 Kilometer lange Strecke zurückgelegt werden. Wir stiegen ein und die anderen Taxifahrer neckten unseren Dumpingpreisfahrer, nahmen im die Antenne weg, öffneten die Motorhaube... irgendwie kamen wir aber auch los.

Die Strecke ist relativ interessant, da auf der Schnellstraße zwischen Xiva und Urganch auch eine der längsten Oberleitungsbuslinien der Welt verkehrt. Bei einer Außentemperatur von 40° im Schatten hing die Leitung ziemlich durch und die Strecke machte den Eindruck nicht in Betrieb zu sein. Doch dann überholten wir tatsächlich einen furchtbar langsamen O-Bus.


Als wir am Bahnhof von Urgench ankamen, stand schon unser Zug aus Shabat auf Gleis 1 bereit. Gerade wurde das Empfangsgebäude renoviert und deshalb stand unser Zug 58 verloren hinter dem entkernten Gebäude. Wir gingen zu unserem Wagen und da kein Provodnik weit und breit zu sehen war, bezogen wir in unser Abteil frühzeitig. Die übrigen 1,5 Stunden bis zur Abfahrt verbrachten wir mit der Getränkeversorgung in Urgench. Anschließend nahmen wir unser Mittagessen im Restaurant Orange ein.

Schaschlik und der obligatorische Tomaten/Gurkensalat wartete dort auf uns. Gestärkt gingen wir zurück und warteten bis zur Abfahrt vor dem Zug, da unser Abteil aufgrund der fehlenden Stromversorgung sich in den drei Stunden unaufhaltsam aufgeheizt hatte.

16:10 Uhr fuhr unser Zug „Amur Darya“ 58 pünktlich los. Zuerst verlief die Strecke durch die Felder des fruchtbaren Flusstals des Shabat und querte anschließend den für den Zug namensgebenden großen Strom Amur Darya. Auf der nördlichen Seite des Flusses folgte die Strecke einem riesigen Bewässerungskanal. Schließlich kam unser Zug in der Wüste an. Bis zum Sonnenuntergang sahen wir nur noch eine sehr vegetationsarme aber auch interessante Landschaft.

Wo kann man diese Landschaft im Zug am besten genießen? Natürlich im Speisewagen! Der war auch „zufällig“ gleich nebenan und so steuerten wir, mal wieder, den gesellschaftlichen Mittelpunkt des Zuges an. Sofort wurden wir bedient und fragten den Kellner nach den verfügbaren Speisen. Nach mehreren Tagen in Usbekistan wussten wir, dass man Essen nur bekommt, wenn man explizit danach fragt. Wir bestellten Suppe und Salat.

Am Nachbartisch wurde rege Wodka ausgeschenkt und der Inhalt der Flaschen fleißig an die Reisegäste verteilt. Auffällig war, dass fast ausschließlich Männer das Zugrestaurant besuchten.

Zurück im Abteil fielen wir nach dem Sonnenuntergang in einen tiefen Schlaf. Wir mussten am nächsten Morgen in Samarkand früh raus. Schon um 5:20 Uhr sollten wir ankommen, aber aufgrund von +60 Minuten Verspätung erreichten wir Samarkand erst 6:20 Uhr. Leider weckte uns der Provodnik schon gegen 5 Uhr, obwohl wir noch meilenweit von Samarkand entfernt waren.


Am Bahnhof von Samarkand fragen wir einen Bahnangestellten nach der Gepäckabgabe, die dieser uns auch bereitwillig zeigte, um uns dann aber wie selbstverständlich zu erklären, dass diese doch erst um 8 Uhr öffnet. Also verzichteten wir auf das Warten und fuhren mit der Marschrutka erst einmal bis zum Registan und um möglichst schnell eine Unterkunft zu beziehen.



Samarkand


Samarkand ist in Deutschland das Synonym für die Seidenstraße. Die Märchenstadt aus den 1001 Nacht-Geschichten ist immer noch sagenumworben. Während der Zeit der UdSSR wurde die Region um Samarkand industrialisiert. Heute ist die Großstadt zwar russisch geprägt, aber von vielen Kulturstätten umgeben. Auch in Samarkand sind die Straßen breit und viele Parks steigern die Lebensqualität der Bewohner.


Am Registan angekommen bewunderten wir zunächst den atemraubenden Blick über das berühmteste Gebäudeensemble Zentralasiens. Gegen sieben Uhr lugte gerade die Sonne über die Dächer und der Registanplatz war noch fast menschenleer.

Wir setzten uns auf den gusseisernen Bänken vor dem abgesperrten Ensemble. Schon nach wenigen Minuten kam ein „Sicherheitsbeamter“ auf uns zu und bot uns in seinem vergleichsweise guten Englisch an, den Registan gegen Bakschisch (30.000 Sum) vor der Besucherzeit zu besichtigen. Der Preis inkludiert uns alle vier und dazu den Aufstieg auf ein Minarett. Bis 8 Uhr hatten wir Zeit, weil dann die Herrschaft der Securities endet. Nach eingehender Konsultation des Lonely Planets, mussten wir feststellen, dass wir nicht die Ersten waren, denen dieses Angebot offeriert wurde. Diese Methode das spärliche Beamtengehalt aufzubessern wird von allen Anwesenden toleriert. Später sahen wir beispielsweise einige Südkoreaner auf dem offiziell verschlossenen Minarettturm.


Wir lehnten schließlich ab und zogen uns in ein nahes Freiluftcafé unter altehrwürdigen Platanen zurück. Nun suchten wir ein durchschnittliches und vor allem günstiges Hotel für unsere letzte Nacht in Zentralasien. Direkt an am östlichen Ende des Registans liegt das Hotel Joni und bot alles was wir brauchten. Den Preis konnten wir durch Martins Verhandlungsgeschick deutlich drücken.


Das Hotel am Registan war der richtige Gateway für unsere Touren durch die Stadt und zu den historischen Stätten. Wir nahmen uns eineinhalb Tage Zeit für Samarkand und empfanden dies als ausreichend. Um unseren Flieger zu bekommen, nahmen wir Freitagabend den Hochgeschwindig-keitszug „Afrosiyob“ zurück nach Taschkent.



Sehenswürdigkeiten


Registan ★★★★★

Die wohl eindrucksvollsten Gebäude Zentralasiens befinden sich rund um den sagenumwobenen Registan. Drei Medresen, die mehr oder weniger stark durch Erdbeben zerstört wurden, zeugen vom ehemaligen, unglaublichen Reichtum der Stadt. Die Medresen sind kunstvoll geschmückt und wunderbar anzuschauen. Wir waren am Registan zu verschiedenen Uhrzeiten und so konnten wir das Ensemble wie auch in Buchara in unterschiedlicher Beleuchtung sehen. Leider mussten wir feststellen, dass nicht unbedingt alle Eintrittsgelder zur Erhaltung der historischen Anlagen genutzt werden. Ein Aufstieg auf eines der Minarette lohnt sich nicht unbedingt, die Aussicht ist limitiert. Hier sollte man überall verhandeln.


Bibi-Khanym Moschee ★★★

Das zweite große Gebäude in der Stadt ist die Bibi-Khanym Moschee, die sehr zurückhaltend ausgestattet ist. Der Innenhof ist durch die Bäume schattig und ruhig, doch das Eingangsportal ist auch von außen sehr eindrucksvoll.



Shah-i-Zinda ★★★★

Die schönste Überraschung bescherte uns die Shah-i-Zinda Straße. Mehrere üppig verzierte Mausoleen stehen entlang einer schmalen Gasse an einem Hügel. Wir waren von der Anzahl und den Verzierungen sehr angetan. Alle Gebäude waren im Inneren anders gestaltet und wunderbar anzusehen. Positiv wirkte außerdem, dass diese Topattraktion nicht mal einen „Top-Eintrittpreis“ verlangte.


Afrosiyob

Auch wenn die Usbeken sehr stolz auf Afrosiyob sind, die Ausgrabungsstätte ist wesentlich wichtiger für Archäologen als für Touristen. Außer einem Museum befinden sich dort nur ein paar Hügel. Es gab nicht viel zu sehen.


Gur-e-Amir ★★★

Das Mausoleum von Amir und Ulugbek befindet sich im Westen der Stadt und ist ein kleines, aber von innen beeindruckendes Mausoleum. Viele Goldsuren verzieren wieder einmal die Wände. Von außen ist das Mausoleum eher schlicht gehalten.


Ulugbek Observatorium ★★

Einer der wichtigsten Orte für Usbeken ist das Observatorium von Ulugbek, dem intellektuellen Vorreiter und Vorbild der Usbeken. Zu seiner Zeit im 14. Jahrhundert gehörte es zu den fortschrittlichsten Observatorien. Viel gibt es heute jedoch nicht mehr zu sehen, außer einem Museum und dem riesigen Sternenstand-Bestimmungsgerät. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es die selbstgedruckten Tickets für unglaubliche 8000 Sum. Man sieht wirklich nicht mehr als das Sternenstand-Bestimmungsgerät. Hier besteht keine Verhandlungsbasis, deshalb sollte man sich die Ausgabe bei dem Preis gut überlegen.



Unterkunft


Hotel Joni ★★

Besser als die Lonely Planet Bewertung ist die Unterkunft allemal. Doch wie so viele Unterkünfte in Usbekistan können diese mit dem europäischen Standard nicht ansatzweise mithalten. Die Betten und die Nasszelle waren ausreichend für unsere Bedürfnisse und jedes Zimmer hatte eine Klimaanlage. Das Frühstück wurde im benachbarten Hotel um die Ecke eingenommen, doch angesichts dessen, was wir auf den anderen Tischen sahen, verzichteten wir auf die uns angebotenen Speisen und begnügten uns mit Tee.



Zugfahrt Talgo Afrosiyob


Der Talgo-Zug der usbekischen Staatseisenbahn bietet zwei Mal am Tag, im Abstand von einer Stunde, eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen den beiden größten Städten des Landes an.

Beim Einstieg in den Talgo fühlten wir uns wie in einem anderen Land. Uns kam diese Fahrt gewohnt vor, doch es war ungewöhnlich, wie viel Service und Luxus im Zug angeboten werden. Im Rest des Landes hatten wir diese Kundenorientierung und fortschrittliche Technik nicht vorgefunden. Der Afrosiyob ist eines der wenigen Leuchtturmprojekte in Usbekistan.

Nach der freundlichen Begrüßung durch den Zugbegleiter, nahmen wir in dem gut klimatisierten Wagen unsere Plätze ein. Der Talgo fährt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 km/h von Samarkand nach Taschkent in nur 2:34 Stunden. Zwischenzeitlich wurden uns ein Platzdeckchen, ein Getränk und ein Sandwich gebracht. Die ausliegende Speisekarte offeriert ein großes Angebot an Getränken und Speisen zu moderaten Preisen. Draußen sehen wir winkende Kinder, kaputte Straßen und Eselkarren. Krasser kann der Unterschied kaum sein.

Ein Monitor über dem Gang zeigt dauerhaft den aktuellen Standort und die Geschwindigkeit an. Über weite Strecken sind 140 km/h die Höchstgeschwin-digkeit. Manchmal beschleunigt der Zug auf 160 km/. Dann wird stark gebremst und wieder beschleunigt. Der Talgo, der in Spanien 350 km/h schafft, hat mit sieben Wagen eine wahnsinnige Beschleunigung. Das Teilstück, auf dem eine Geschwindigkeit von 220 km/h gefahren wird, befindet sich zwischen den Orten Dashtabad und Khavast, direkt an der tadschikischen Grenze. Auffällig ist zudem, dass zwischen Marjanbulaq und Jizzakh zurzeit eine Neubaustrecke gebaut wird. Dies könnte der zweite Abschnitt mit einer hohen Geschwindigkeit in Usbekistan werden. Entlang der gesamten Strecke sah man viele Baustellen, die darauf hindeuten, dass die usbekische Bahn weiter in die Verbindung investiert. Damit war diese Fahrt der krönende Abschluss unserer Schienenkreuzfahrt durch Zentralasien. Ein Video vom Talgo gibt es in unserem Youtube Channel.



Reisen nach Usbekistan - ein Fazit


Am letzten Tag in Usbekistan waren wir auch ein klein Wenig froh, dass wir das Land wieder verlassen konnten. Ein wesentlicher Grund dafür ist vor allem die etwas einseitige Küche bestehend aus Brot, ungewürztem Tomate-Gurkensalat und Schaschlik. Jeder von uns hatte abwechselnd mit Magen- und Verdauungsproblemen zu kämpfen und in Summe haben wir dutzende verschiedene Medikamente dagegen genommen. Im Allgemeinen ist kein einziges Restaurant im Land wirklich zu empfehlen, eine Esskultur existiert im Prinzip nicht.


Auch die fehlende touristische Infrastruktur im ganzen Land und die mangelnde Hilfsbereitschaft und Lethargie der Menschen störte uns zunehmend. Bisher gibt es keine einzige Hotelkette, die in diesen Markt eintreten wollte (Intercontinental hat Usbekistan 2012 verlassen). Entsprechend niedrig ist somit das Niveau der Übernachtungsmöglichkeiten. Die wenigen kulturellen Highlights sind zwar schön anzusehen, wirft man allerdings einen genauen Blick darauf, wird schnell sichtbar, dass hier noch viel Nachholbedarf besteht, die altehrwürdigen Gedenkstätten und Überbleibsel aus der Vorzeit zu erhalten. Dies ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass deren Pflege zu sowjetischen Zeiten keine große Rolle gespielt hat. Wer bestmöglich gepflegte Kulturstätten aus der Zeit der Seidenstraße erwartet, wie sie beispielsweise im Iran zu finden sind, wird vermutlich enttäuscht sein.


Politisch nimmt sich Usbekistan nicht wirklich viel mit seinen Nachbarn Kasachstan, das zwar besser funktionierende Strukturen, Gesetze und Behörden hat oder Turkmenistan, das von einem autoritären Regime samt gotthaft inszenierten Präsidenten gesteuert wird. Wirtschaftlich ist Usbekistan jedoch in der mit Abstand  schlechtesten Ausgangssituation der drei von uns besuchten Länder Zentralasiens. Man hat in Usbekistan den Eindruck, dass die mit dem Untergang der Sowjetunion zerfallenen Strukturen nicht mehr kompensiert werden konnten und das Land heute weniger geordnet ist als in den 80er Jahren. Die lahmende wirtschaftliche Entwicklung wird durch die starken ethnischen Verwerfungen im Land und die Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten noch zusätzlich geschwächt. Usbekistan weiß bis heute nicht richtig, zu welchen Bündnissen oder Partner gehören soll. Im Gegensatz zu Kasachstan und Turkmenistan, wo echter wirtschaftlicher Fortschritt im Gange ist und ein großer Teil der Menschen mit Zuversicht in die Zukunft blickt, war die Reise nach Usbekistan wahrscheinlich für uns eine einmalige Angelegenheit. Turkmenistan und Kasachstan wollen wir mittel- bis langfristig in unsere Reiseplanungen einschließen, da es spannend ist, zu beobachten, wie sich die Länder infrastrukturell, kulturell und städtebaulich entwickeln.


Hinweis: Der Zentralasien-Reisebericht ist in 5 Teile gegliedert und fortlaufend geschrieben. Um den Text nacheinander zu lesen, folgen Sie dem Fortsetzungs-Link am Ende jedes Abschnitts.