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Turkmenistan Reisebericht:
Turkmenabat, Ashgabat, Dashoguz

 
Text: Tjark Metznerkaukasus.html

4. Teil des Zentralasien-Reiseberichts
Die Reise durch Turkmenistan


Prolog


Im Internet findet man nur wenige Fotos aus Turkmenistan, noch schwieriger hat man es, wenn man Reiseberichte sucht. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich liegt Turkmenistan – mit weniger als 10.000 Besuchern – in den Top 10, der „least visited countries of the world“. Geografisch betrachtet ist das zentralasiatische Land in einer Klammer zwischen Asien und Europa. Im Osten grenzend an den Iran und im Westen an die Wüste Karakum. Im Mittelalter waren die Handelsoasen Merv und Konya-Urgench Inbegriff für die Geschäfte auf der Seidenstraße. Heute treibt Turkmenistan lukrativen Handel mit Erdgas. 2011 schaffte Turkmenistan den Sprung in Top 10 der Länder mit dem weltweit höchsten Wirtschaftswachstum mit knapp 14,7 %.


In Sachen Pressefreiheit und Menschenrechte rangiert Turkmenistan auch ganz weit vorne – zumindest, wenn man die Liste von hinten betrachtet. Für den Exklusivreiseveranstalter Lernidee, ist es „ein Land zum Schmunzeln“, für den Lonely Planet ist Turkmenistan ein Land, „welches mehr bietet als nur eine autoritäre Regierung“. Anders ist Turkmenistan, aber in jedem Fall.


Gerade weil es nur so wenige Informationen zu Turkmenistan gibt, wollten wir uns die Menschen und Städte genauer anschauen. Da unser Transitvisum uns nur eine viertägige „Durchreise“ erlaubte, hatten wir uns einen äußerst straffen Zeitplan gestrickt. Unsere Hauptreiseziele waren die Provinzhauptstädte Dashoguz und Turkmenabat sowie die Hauptstadt Ashgabat. Turkmenistan ist tatsächlich ein Land großer Gegensätze: während die Menschen in den Provinzen ein einfaches Dasein fristen, werden in der Hauptstadt keine Mühen und Gelder gescheut, um eine glänzende Metropole mitten in der Wüste zu errichten.



Turkmenabat (Түркменабат)

Ehemals Chardzhou, Charjew und Amul


Wir erreichten den Grenzposten „Farab“ genau 13 Uhr aus Usbekistan kommend. Das war somit genau während der von 12 bis 13:30 Uhr stattfindenden Mittagspause. Es blieb uns nichts anderes übrig, als bei 40° im Schatten zu warten bis die turkmenische Grenzabfertigung öffnete. Das Ausfüllen der Zollerklärung in russischer Sprache bereitete uns wie bereits bei der Einreise nach Usbekistan einige Probleme. Unsere überschüssigen Vorlagen aus Usbekistan sowie hilfsbereite Turkmenen, unterstützten uns beim Ausfüllen. Dann reichten wir unsere Pässe über den Counter und zahlten am nächsten Schalter die obligatorischen zwölf Dollar Einreisegebühr pro Person. Extra für uns wurde dann auch die neue Gepäckdurchleuchtungsanalage eingeschaltet. Nachdem wir unsere Einreisestempel im Pass hatten, mussten wir noch die Zollerklärung abgeben. Außerhalb des klimatisierten Gebäudes zeigten wir am Ausgangszaun unseren gestempelten Pass vor und waren schneller in Turkmenistan als gedacht! Abschließend betrachtet kann man sagen, dass man als europäischer Reisender zu Fuß an den Landgrenzen (und nur dort) bevorzugt behandelt wird und teilweise innerhalb weniger Minuten abgefertigt ist. Die zeitsparende Strategie mit einem inländischen Fahrer zur Grenze zu kommen und sich nach Grenzübertritt wieder ein Taxi zu suchen geht hier bestens auf.


Am Zaun warteten schon ein paar Taxifahrer auf die Grenzgänger. Nach einigen erfolglosen und extrem zähen Verhandlungen, gönnten wir uns im 200 Meter entfernten Teehaus eine kleine Erfrischung. Das Teehaus, wie auch die Grenzstation liegen an einem mächtigen Seitenarm des Stroms Amu Darya. Geld hatten wir schon vorher bei einer alten Oma aus dem Auto heraus getauscht mit einer Gebühr von 1 Manat auf 50 getauschten Manat. Nach weiteren Verhandlungen am Teehaus konnten wir unseren Zielpreis von 15 Manat für die Fahrt nach Turkmenabat bei einem Taxifahrer, der uns mit dem Auto gefolgt war, durchsetzen.


Wir bekamen ein klimatisiertes privates Taxi für die nächsten 20 Kilometer. Schon nach zehn Kilometern, kurz vor dem Ort Farab, wurden unsere Pässe von Polizisten kontrolliert. Dann ging es mit 80 km/h zur 500 Meter langen Brücke über den Amu Darya. Man kann sich hier kaum vorstellen, dass 1000 km Flussabwärts nicht einmal mehr ein Tropfen im Aralsee ankommt und der Fluss bei Turkmenabat noch ein reißender Strom ist.


Nach ein paar weiteren Minuten erreichten wir Turkmenabat, die Hauptstadt der Provinz Lebap und zugleich mit rund 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Turkmenistans. Wir lotsten den Fahrer zu unserem Hotel, dem einzigen Hotel mit Erlaubnis zur Beherbergung von Ausländern in Turkmenabat. Das Jeyhun Hotel liegt direkt an der Bitarap Turkmenistan Köcesi. Von dort sind es zwei Kilometer bis ins Stadtzentrum. Am Hotel angekommen, sprangen sofort die Concierges von den in der Lobby stehenden Sitzgelegenheiten auf, um uns zu begrüßen. Im Hotel war ein Brief für uns hinterlegt, den uns die Agentur Ayan Travel aus Ashgabat in das Hotel geschickt hatte. In dem Brief befanden sich unsere Flugtickets für den nächsten Tag.


Das Jeyhun Hotel wurde 2009 eröffnet und hat relativ saubere und geräumige Zimmer. Die Sanitäranlagen sind in keinem einwandfreien Zustand, wir mussten ein Zimmer wechseln, denn die Dusche funktionierte nicht. Da es aber ohnehin keine anderen Gäste gibt, hat man genügend Zimmer zum Probieren. Minibar und Klimaanlage funktionierten jedoch ordentlich. Der Außenpool, hinter dem Hotel, scheint nicht mehr genutzt zu werden und ist verwaist.


Nach dem Check-in wollten wir die Stadt erkunden. Direkt auf dem Nachbargrundstück stand ein undefinierbarer Palast mit einem riesigen Portrait von Präsident Berdimuhamedow. Auf dem Gelände befand sich zudem eine riesige LED-Farbleinwand mit merkwürdiger Propaganda. Über der angrenzenden Straße waren unzählige, kleinere LED-Leinwände mit auffälligem Schmuckrahmen in Landesfarben angebracht. Hier konnte man sich am Tage wie nachts durch kurze Clips von der Fortschrittlichkeit Turkmenistans überzeugen. Sichtlich beeindruckt - insbesondere im Vergleich zu dem nur wenige Autominuten entfernten Usbekistan - hielten wir für drei Manat ein Auto in die Innenstadt an. Dabei ist festzuhalten, dass die Preise für Mitfahrten in Turkmenistan (echte Taxis gibt es so gut wie gar nicht) relativ niedrig sind und die Fahrer häufig kein Interesse haben zu Feilschen. Sie lassen sich zumeist gerne auf Ausländer ein und preisen stolz (sofern Russischkenntnisse vorhanden) die Fortschritte und Entwicklung des souveränen Turkmenistans. Nicht ganz sicher, was wir hier zuerst ansteuern könnten, lautete unser Ziel zunächst einmal Bahnhof Turkmenabat. Auf der Fahrt bestaunten wir die Weitläufigkeit, die Sauberkeit und die Architektur der im Umbruch befindlichen Stadt. Vom Bahnhof aus gingen wir Richtung Basar in der Hoffnung, noch ein paar Dollar tauschen zu können. Auf dem Weg zum Basar kamen wir an der ersten goldenen Statue von Ex-Präsident Niyazow vorbei. Hier führten wir ein kurzes Gespräch mit einer Turkmenin, die gerade vom Basar kam. Es war eine beeindruckende erste Begegnung, da die Frau gutes Deutsch sprach – ein Überbleibsel ihrer Kindheit als Tochter eines turkmenischen Arztes in Bautzen. Die Frau lobte ihr Land und den Aufschwung in den höchsten Tönen – genau wie die Taxifahrer zuvor. Wir folgten schließlich der Niyazow Straße bis zum Basar, auf dem wir Dollar zum Wechselkurs von 1 zu 2,85 tauschten. Ganz im Gegenteil zu Usbekistan scheint der staatlich festgelegte Wechselkurs in Turkmenistan eingehalten zu werden. Dies wird daran deutlich, dass die Turkmenen ihre Dollar in großen Einkaufscentern in Ashgabat zum festen Wechselkurs rege hin- und hertauschen.


Auf dem Rückweg besuchten wir die im Trescher Reiseführer erwähnte Lebab Bar und wechselten wenig später in das zugehörige Lebab Restaurant. Für Speis und Trank hatten wir genug Geld und deshalb gab es neben Soljanka, Fisch und Hühnchen „Delikatess“ zur Genüge. Wie bereits im Iran und Usbekistan existiert in Turkmenistan keine nennenswerte öffentliche Esskultur. Deshalb sollte man sich nicht so viel von den zur Verfügung stehenden Restaurants versprechen. Die wahren Festmahle werden zu besonderen Anlässen im privaten Raum veranstaltet. Anschließend liefen wir einige Kilometer durch die Straßen von Turkmenabat Richtung Hotel. Noch gegen 23 Uhr waren viele Familien unterwegs. Insbesondere auf dem Platz vor der Oper war viel los. Junge Familien spielten und vergnügten sich hier. Viele Kinder winkten uns zu oder beobachteten neugierig unser fremdartiges Aussehen. Wir kamen nach einigen Kilometern am Jeyhun Hotel im Außenbezirk der Stadt an.


Am nächsten morgen mussten wir bereits um sechs Uhr zum Frühstück. Für das Hotelpersonal war das kein Problem. Wir waren die einzigen Gäste und das Personal schien ohnehin die ganze Nacht auf uns zu warten. Auffällig war das Aquarium im Frühstücksraum. Darin waren Fische, die es sonst nur bei Futurama gibt (siehe Fotos). Wir stillten unseren gröbsten Hunger und versuchten gleich ein Auto zum Flughafen anzuhalten. Der zentrumsnahe Flughafen von Turkmenabat liegt nur knapp zwei Kilometer vom Zentrum und fünf Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. Schnell findet sich auch um sechs Uhr morgens ein Fahrer für knapp vier Manat.


Am Flughafen angekommen, mussten wir am Eingang durch eine Gepäckkontrolle. In der Haupthalle kann man nur warten oder Tickets kaufen. Da wir beides nicht vorhatten, ging es über einen Innenhof zum Check-in. Dieser war so außergewöhnlich, dass wir alles mit großen Augen bestaunten. Auf unseren Tickets stand schon die Check-in Deadline von 6:50 Uhr – also 1,5 Stunden vor dem geplanten Abflug. Wir wollten nichts aufs Spiel setzen und kamen deshalb rechtzeitig an. Im ersten Raum des Check-in Bereichs (rund 5x5 Meter), wurden unsere Tickets kontrolliert. Im nächsten größeren Raum wurde unsere Gepäck und wir selbst durchleuchtet. Dann wurden unsere Tickets und Pässe kontrolliert, wobei von den Tickets der untere Abschnitt in Turkmenabat verblieb. Wir mussten gleichzeitig unser Gepäck zum eigens abgestellten „Einpacker“ bringen. Dort wurden manuell alle drei größeren Rucksäcke für jeweils vier Manat in durchsichtige Folie verpackt und dann auch per Hand zum Vorfeldtransporter gebracht. Die Mitarbeiter sahen alle auffällig gut aus und waren kompetent, eine jüngere Frau sprach gutes Deutsch, was sie „scheinbar“ nie wirklich benötigt.


Wir gingen in die Abflugwartehalle, um auf unseren Abflug zu warten. Uns standen zum Zeitvertreib Staatsfernsehen und ein kleiner Kiosk zur Verfügung. Gegen 8:10 Uhr bestiegen wir die Boeing 717-200 nach Ashgabat.


An Board, noch vor dem Abflug, wurden wir mit einem kleinen Bonbon von Türkmenistan Airlines (Türkmenhowaýollary) versorgt. Es wurde auf dem Flug ein Drink gereicht sowie ein kleines Stückchen Kuchen. Wir überquerten die Karakum Wüste innerhalb von 50 Minuten. Der Landeanflug auf Ashgabat war sehr sanft und wir kamen auf einer Position ohne Andockschlauch zum Stehen. Erst ging es die Gangway entlang und dann über einen langen überdachten Weg zur Gepäckausgabe. Das Gepäck kommt dort jedoch gar nicht an, sondern steht schon am Ausgang zum Abholen bereit. Der Gepäckabschnitt wird anschließend verglichen, um Missbrauch zu verhindern. Wir schnappten uns eines der sehr, sehr seltenen autorisierten Taxis zu unserem neuen Hotel in Ashgabat.



Unterkunft


Jeyhun Hotel Türkmenabat ★★

Das Jeyhun Hotel wurde 2009 eröffnet. Weniger die Abnutzung durch die nicht vorhandenen Gäste, vielmehr der Pfusch am Bau und das fehlende Geld zur Aufrechterhaltung der Annehmlichkeiten führten unserer Meinung nach zum Verfall dieses Hotels. Grundsätzlich sind die Zimmer sehr ordentlich: groß, mit Balkon und Klimaanlage. Die Bäder sind leider in einem schlechten Zustand. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung, aber mit Usbekistan nicht vergleichbar. Der Service war vorhanden und konnte immerhin für uns einen Brief empfangen und aufbewahren. Wir übernachteten hier für 75$ inklusive Frühstück. Die Rate wurde von Ayan Travel (siehe weiter unten) vorausbezahlt und war nicht verhandelbar.



Ashgabat (Aşgabat | Ашхабáд)


„Ashgabat ist ein Mix aus Pjöngjang und Las Vegas“ titelt der Lonely Planet in seiner Zentralasien Ausgabe. Wir konnten schnell feststellen, dass die Stadt tagsüber eher Pjöngjang ähnelt, mit seinen ockerfarbenen Gebäuden die an das Getty Center in Los Angeles erinnern. Nachts werden die Gebäude wie das Ceasar’s Palace in Las Vegas angeleuchtet und funkeln durch die großen Glasfronten wie die Hotelpaläste in Nevada in wechselnden Farben. Doch alles der Reihe nach...


Nach unserem sehr angenehmen Flug mit Turkmenistan Airlines gingen wir in das im Vorfeld aufwändig verhandelte und 2011 eröffnete fünf Sterne Oguzkent Oteli by Sofitel. Die Premiummarke des Accor Konzerns betreibt das Luxushotel im Herzen der neuen Stadt, welches alle anderen Hotels in Ashgabat mit großem Abstand überragt. Das Gebäude selbst ist architektonisch ansprechend und bereits eines der Wahrzeichen der Stadt.

Wie immer stellten wir unser Gepäck beim Concierge ab. Check-in war ab 15.00 Uhr möglich. Da noch der ganze Tag vor uns lag, erkundeten wir die Stadt. Unser erstes Ziel war die Yimpas Mall mit vielen Geschäften und dem nahe gelegenen Büro von Ayan Travel. Gegen zehn Uhr war es schon sehr warm und die erwartete Höchsttemperatur von 42° Celsius erreichte die vielen Betonwände der Stadt schon nach Sonnenaufgang. Die Sonne schien erbarmungslos auf uns herab. Zuerst ging es durch den Unabhängigkeitspark an einer Niyazow Statue vorbei, dann folgte eine übergroße Abbildung von Berdimuhamedow, einige Schritte weiter die „World of Fairytails“. Ein relativ großer innerstädtischer Freizeitpark mit immerhin einer Hand voll Besuchern glühte hier in der Hitze vor sich her. Wir gingen am neuen, reichlich goldverzierten Puppentheater vorbei in Richtung Süden. Es folgte ein Labyrinth von neuen Sportstätten (zum Beispiel eine Hockeyarena und Schwimmhalle), bevor wir über eine mehrspurige Hauptstraße das türkische Einkaufszentrum erreichten. Die Lebensmittelabteilung im Yimpas ist sehr vielfältig und bietet einiges. In den anderen Etagen befanden sich die Nonfood-Abteilungen. Bis auf Alkohol war alles erhältlich, Bier kauften wir wenig später auf dem Basar.


Vor dem Supermarkt stoppten wir einen privaten Fahrer zur Turkmenbashi Seilbahn (Cablecar). Der Fahrer fuhr einen amerikanischen SUV und wusste ganz genau, wo wir hinwollten. Die Klimaanlage des SUV kühlte uns von 40° auf angenehme 21°C ab. Die Fahrt führte zuerst auf die Autobahn und endete in einer riesigen Baustelle für den Rest der Autobahn. Dort war dann auch die „Abfahrt“ zur Seilbahn, die wir ohne Fahrer niemals gefunden hätten. Die Talstation der Seilbahn liegt auf einem kleinen Hügel zwischen den sich hinter Ashgabat auftürmenden Bergen. Als wir gegen 13 Uhr die „Talstation“ erreichten war natürlich noch Mittagspause. Günstige Fahrkarten zu 2 Manat für Hin- und Rückfahrt wurden jedoch verkauft und auch ein kleiner Shop konnte uns die Wartezeit mit Eis und eiskalten Getränken versüßen. Kurz vor 14 Uhr wurde die Gondelbahn made in France angeschmissen. Wir waren die ersten Fahrgäste nach der Mittagspause. Hinter uns warteten noch ein paar Jugendliche. Oben angekommen, konnten wir feststellen, dass es im Sommer in den Bergen auf 1293 Meter merklich kühler ist als „unten“ in der Hauptstadt. Ein Rundblick, ein kurzer Spaziergang und das war es eigentlich, was man auf der Bergstation erleben kann. Im Lonelyplanet wird vom größten künstlichen Wasserfall der Welt gesprochen, diesen konnten wir aber weit und breit nicht einmal erahnen.

In dem Moment wurde uns bewusst, dass die Seilbahn relativ sinnlos ist, denn auf der Bergstation, die sich nicht einmal auf einem richtigen Berg(gipfel) befindet gibt es absolut nichts! Der Ausblick auf Ashgabat ist zudem sehr begrenzt, da die Stadt wirklich weit entfernt ist und es häufig dunstig ist.


Wieder an der Talstation angekommen wartete unser Fahrer auf uns. Was die Preisgestaltung anging war der Fahrer völlig gleichgültig, er nahm den ersten (sehr niedrigen) vorgeschlagenen Preis sofort an. Für die Rückfahrt galt dasselbe. Uns hat das alles ziemlich verdutzt, da er – wie viele Turkmenen – ein recht luxuriöses Auto fuhr. Die Rückfahrt sollte unbedingt vereinbart werden, da die Talstation in der Stunde maximal von 1-2 Autos angefahren wird. ÖPNV existiert dorthin ebenfalls nicht. Der Fahrer fuhr uns wieder zurück zum Oguzkent Hotel (mehr zum Hotel siehe unten).


Um ein stilvolles Ausklingen des Abends zu gewährleisten, entschieden wir uns für das Restaurant Minera im Unabhängigkeitspark. Wir nahmen wie immer ein privates Taxi für die zweieinhalb Kilometer. Der Weg vom Boulevard bis zum Shoppingcenter Altyn Asyr Mitten im Unabhängigkeitspark war aufgrund fehlender Pfade etwas beschwerlich. Die Fassade des Altyn Asyr ist das größte Wasserspiel der Welt. Laut Guinness Book of World Records befinden sich in Ashgabat die meisten Springbrunnen in einem öffentlichen Bereich. Im Shopping Center gab es belanglose Shops und mit Hilfe des Lifts waren wir binnen Sekunden auf der grandiosen Terrasse des Minera Restaurant. Die Aussicht ist spektakulär, es gibt gutes Bier und durchschnittliches Essen. Mit einem Sundowner konnten wir somit unseren ersten Tag in Ashgabat mehr als stilvoll abschließen. Als es dann schon ziemlich dunkel war, gingen die Lichter an. Die einheitsweißen Gebäude und begrünten Straßen wurden in eine spektakuläre Farbenpracht getaucht, die Las Vegas sehr ähnelt.


Bestens gestärkt durch das riesige französische Frühstücksbuffet, starteten wir am nächsten Morgen den Tag am Pool. Bei knapp 40°C brutzelten wir dahin und wechselten zwischen Indoor- und Außenpool. Am Wochenende nutzen reiche Turkmenen die öffentlichen Bereiche des Hotels als Tagesgäste. Ebenfalls haben wir „jüngere“ iranische Pärchen bemerkt, die in Ashgabat Bier trinken können. Im Gegensatz zum Vortag, waren am Montag keine Gäste am Pool anzutreffen. Deshalb wurden wir weder bedient, noch die Kissen und Schirme für uns bereitgehalten. Das Personal indes wollte auf Nummer sicher gehen und fragte uns, ob wir überhaupt Hotelgäste sind...


Pünktlich als die Sonne im Zenit stand, brachen wir unseren Poolaufenthalt ab, um das 2012 eröffnete und im Guinness Book of World Records befindliche größte Indoor-Riesenrad der Welt zu bestaunen. Wie immer hielten wir mit einem Handzeichen ein privates Auto an und handelten für den Weg vier Manat aus. Am Alem Entertainment Center angekommen, schlichen wir erst um das Gebäude, um dann irgendwann den nicht ausgewiesenen Eingang zu finden. Dieser ist auf der Rückseite des Gebäudes. Dort befinden sich auch die Kassen für die einzelnen Attraktionen im Gebäude. Da fast alle Besucher mit dem Auto in die Tiefgarage unter dem Riesenrad fahren, gibt es nur wenige, die sich zu Fuß über den extrem heißen Vorplatz kämpfen. Wir buchten für zwei Manat eine Fahrt im Riesenrad, doch wir verstanden nicht gleich, wann das Riesenrad losfahren sollte. Es war natürlich Mittagspause und deshalb irrten wir erst einmal in dem Gebäude umher. Dieses ist wahrlich eine Spielwiese für Groß und vor allem Klein. Neben einer Bowlingbahn, gibt es unzählige Fahrgeschäfte für Kinder, Spieleautomaten für Jugendliche und Erwachse und dann noch westlich anmutende Systemgastronomie (ohne System). Da das Gebäude inklusive Riesenrad erst im Mai 2012 fertiggestellt wurde, war alles ganz neu und frisch. Das wollten wir gleich auf Fotos festhalten, doch wir hatten den Manager des Alem Centers nicht auf dem Schirm. Nach einem kurzen „Verhör“ im Büro wurde uns das Fotografieren verboten, um uns dies wenig später wieder zu gestatten. Schon öfter haben wir feststellen müssen, dass in repressiven Staaten erst einmal Fotografieren verboten ist. Wenn die Verantwortlichen realisieren, dass Fotos ja eventuell ein „positives Image“ für das Land geben könnten, wird es dann doch erlaubt. Hier gilt es hartnäckig zu sein. Inzwischen war es 15 Uhr und Zeit für die Fahrt, mit dem größten Indoor-Riesenrad der Welt.


Wir waren (mal wieder) die ersten Gäste nach der Mittagspause und pünktlich setzten sich die 24 Kabinen in Bewegung. Wir bestiegen eine davon und nun ging es gemächlich voran. Die 48 Meter schafften wir in rund 10 Minuten, jeweils aufwärts und abwärts. Jedoch ist auch diese Attraktion wahnsinnig langweilig und drängt den Gedanken an Geldverschwendung geradezu auf. Dadurch, dass sich das Riesenrad in einem geschlossenen Raum befindet – der an den Seiten trotzdem offen ist – kann man schlecht aus dem Gebäude herausschauen. Nach uns stiegen noch ein paar weitere Fahrgäste zu, aber ein großer Teil der klimatisierten Kabinen blieb leer.

Wir wollten noch mehr action und holten und für turkmenische Verhältnisse teure Tickets (rund 3 Euro) für das 12D Kino – in Worten: Zwölf-D. Uns wurde vom Personal empfohlen die Geisterfahrt/Halloween zu wählen. Wenige Augenblicke später sausten wir auf einem modernen Gestühl, welches man auch aus anderen Freizeitparks kennt, imaginär durch Höhlen und über Friedhöfe. 12D versteht sich als allumfassende Sinnesbeanspruchung mit Nebel und Neigung. Die fünf Minuten dauernde Fahrt war eine nette Abwechslung.


Wir verließen die allerneuste Attraktion Turkmenistans und irrten noch etwas auf der neu erschaffenen Machtmagistrale (Archabil sayoli) umher. Nur wenige Meter weiter bestaunten wir die Architektur des Außenministeriums, welche mit der großen Weltkugel als Dach und mit vergoldetem Turkmenistan-Ausschnitt einen merkwürdigen Eindruck hinterlässt. Nächster Halt mit dem Bus war das Neutralitätsdenkmal. Das riesige Monument wurde vor ein paar Monaten aus der Innenstadt verbannt und auf der neuen Machtmagistrale im Südosten neu aufgebaut. Der aktuelle Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow möchte vermutlich die Relikte des alten Präsidenten „Türkmenbaşy“ (Vater aller Turkmenen) Saparmurat Niyazow aus der Innenstadt und den Köpfen der Menschen entfernen. Bis heute wissen wir nicht, ob das Neutralitätsdenkmal abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut wurde oder ein komplett neues Denkmal errichtet wurde. Nach Vergleich der Bilder, sind wir uns fast sicher, dass die zweite Variante zutriftt – so etwas geht nur in Turkmenistan. Nun waren wir am wahrscheinlich bekanntesten Denkmal Turkmenistans angelangt. Wir wussten zwar nicht was uns im Innenraum erwartet, doch als wir den Eintrittspreis erfuhren, waren wir mehr als geschockt. Stolze 10$ pro Person sollte die Fahrt auf das 63 Meter hohe Neutralitätsdenkmal kosten. Uns wurde als Beweis ein Ticket mit dem besagten Preis unter die Nase gehalten. Diesen Preis wollten wir jedoch nicht bezahlen. Kurz darauf wurde uns ein Preis von 5$ angeboten. Daraufhin beschlossen wir „symbolisch“ aufzubrechen und zur Straße zu gehen. Dies bemerkend, riefen die zwei Ticketverkäufer aus dem Häuschen, das 10$ für alle zusammen möglich seien. Mit 75% Rabatt waren wir einverstanden und bekamen natürlich keine Tickets - so geht Korruption. Auf dem Denkmal angekommen wurden wir an der Ticketkontrolle vorbeigeschleust. Schnell stellte sich jedoch Ernüchterung bei uns ein. Die Auffahrt mit einem schräg verlaufenden Fahrstuhl (vergleiche Astana) war interessant, doch der Ausblick war nicht gerade toll. Ein paar skurrile Andenken an den Präsidenten zierten drei große Räume. Hierbei hatten wir den Eindruck, dass diese Andenken ursprünglich mit dem Konterfei des alten Niyazow, jetzt aber fast durchgängig mit dem Konterfei von Berdimudamedow besetzt waren. Ein Eintrittspreis von 10$ ist hier nicht zu rechtfertigen. Wir fuhren zum Abschluss auf die oberste Aussichtsplattform. Auch von hier war die Sicht nicht besonders nennenswert.


Wir verließen den Turm und warteten davor auf den Bus. Nach 10 Minuten kam ein Bus und drehte an der Wendeschleife. Der Busfahrer ließ ein paar Fahrgäste raus, doch plötzlich machte er die Tür zu und fuhr davon. Etwas schockiert, dass uns der Busfahrer nicht mitnehmen wollte, suchten wir wieder ein schattiges Plätzchen. Wir nahmen dann den nächsten Bus. Leider fuhr dieser in die falsche Richtung. Für uns war die Fortbewegung mit den Buslinien – wenngleich zahlreich vorhanden – eine Farce. In Ashgabat gibt es weder einen richtigen Busbahnhof, noch einen Linienplan.


Danach versuchten wir ein Taxi auf dem äußeren Ring anzuhalten, doch das dauerte in der Hitze wieder rund 20 Minuten. Gegen fünf Uhr Abends waren wir nun wieder am Oguzkent Oteli. Für Sebastian und mich ging die Besichtigungstour weiter. Wir stoppten ein weiteres privates Auto und ließen uns für 25 Manat zum Fernsehturm fahren. Diesen hatten wir schon bei der Landung am Flughafen Ashgabat erspäht. Auch wenn selbiger ungefähr 150-200m hoch ist, kommt einem das Gebäude nicht so imposant vor, da dieser auf einem Hügel vor der außerordentlich hohen Gebirgskette Kopet Dag liegt. Der Fernsehturm wurde im November 2011 eingeweiht und beherbergt das Staatsfernsehen (Propagandaabteilung). Es war geplant, den Fernsehturm als Touristenattraktion zu nutzen. Doch Turkmenistan sah davon ab, drei Restaurants in Betrieb zu nehmen, da sich sensible Kommunikationseinrichtungen im Turm befinden. Neben dem Indoor-Riesenrad und den Springbrunnen steht auch der Fernsehturm von Ashgabat im Guinness Book of World Records – Titel der Auszeichnung: Größter Stern in der Architektur. In dem Stern befinden sich Büros, wie man auf einigen Fotos erkennen kann. Die Technik des Turms stammt größtenteils von europäischen Unternehmen. Die nächtliche Beleuchtung wurde von einem deutschen Unternehmen realisiert und speist ihren Strom angeblich aus tagsüber gewonnener Solarenergie. Als wir den Parkplatz nach 20 Minuten Fahrt erreichten, merkten wir, dass dieser abgesperrt war. Wir nutzen den Gesundheitspfad, der rund um das Gebäude verläuft, um gute Fotos schießen zu können. Gleichzeitig strömten unaufhörlich Menschen in den Fernsehturm hinein. Ein Shuttle-Bus für die Angestellten stand ebenfalls zur Verfügung. Der Turm ist nichtsdestotrotz sehenswert. Nach fünfzehn Minuten brachen wir die Besichtigung ab und fuhren mit unseren Fahrer, der auf uns wartete, wieder zum Oguzkent Oteli. Dort stießen wir zu Vanessa und Martin und statteten dem City Pub einen Besuch ab. Internationale Gerichte wie zum Beispiel Burger, chinesische Nudeln oder kross gebratene Hühnerschenkel gibt es hier zur Wahl und werden mit ein paar turkmenischen Gewürzen verfeinert.

Als wir die Tür öffneten sahen tatsächlich wir zwei Touristen mit ihrem Führer. Uns wurde in diesem Moment bewusst, dass wir seit unserer Einreise nach Turkmenistan keine Touristen respektive Europäer getroffen hatten. Doch im City Pub, der etwas versteckt hinter einer unscheinbaren Tür gegenüber dem Grand Turkmen Hotel liegt, trafen wir gleich zwei mal zwei Touristen inklusive Führer. Wir speisten bei Preisen zwischen 20-30 Manat ganz gut und es gab eine gute Getränkeauswahl. Im Hotel angekommen hatten wir es immer noch nicht aufgegeben Ansichtskarten zu kaufen. Es gab bisher keine in Turkmenistan. Wir fragten blauäugig an der Rezeption nach. Für sage und schreibe 5$ pro Karte waren die Angestellten bereit, innerhalb von zwölf Stunden Ansichtskarten zu besorgen. Aufgrund des hohen Preises verzichteten wir auf diesen Service.



Attraktionen und Sehenswürdigkeiten in Ashgabat


Alem Entertainment Center ★★★★★

Das größte Indoor-Riesenrad der Welt befindet sich etwas außerhalb im Westen der Stadt in der Nähe des Außenministeriums. Dieser übergroße, geschlossene Spielplatz besteht aus mehreren unterirdischen Stockwerken und ist gut klimatisiert. Das erst im Mai 2012 eröffnete Gebäude beherbergt neben dem größten Riesenrad der Welt (Indoor) unter anderem ein Kino, Spielautomaten, Bowlingbahn, 12D Kino und Systemgastronomie auf turkmenisch. Die verschiedenen Eintrittspreise sind moderat: die Fahrt mit dem Riesenrad kostet beispielsweise nur zwei Manat. Leider ist die Aussicht aus dem Riesenrad eher beschränkt. Insgesamt ist es ein beeindruckend-verrückter Spaß mit Kopfschüttelgarantie, allein deshalb lohnt es den Ausflug.


Turkmenbashi Seilbahn ★★★

Zwölf Kilometer südlich vom Stadtzentrum liegt die „Talstation“ der Turkmenbashi Seilbahn. Die Fahrt für 3,2 Kilometer kostet zwei Manat und dauert ca. zehn Minuten. Die Seilbahn ist montags geschlossen und man sollte die Mittagspause von 12 bis ca. 14 Uhr meiden. Die Bergstation auf 1293 Meter Höhe über 0 bietet ein gutes, aber keineswegs überwältigendes Panorama. Für optimale Fotos sollte man ein 200 mm Teleobjektiv im Gepäck haben. Aufgrund der Höhe bietet die Fahrt insbesondere im Sommer eine wohltuende Abkühlung.


Fernsehturm | Ashgabat TV Tower ★★★★

Das 2012 eröffnete, größte architektonische Bildnis eines Sterns ist der Fernsehturm von Ashgabat. In dem riesigen Gebäude befindet sich das Staatsfernsehen und somit die Propagandaabteilung Turkmenistans. Entgegen den ursprünglichen Planungen für dieses Bauvorhaben gibt es momentan noch keine öffentlich zugänglichen Restaurants oder Shops. Der Fernsehturm liegt etwas außerhalb der Stadt ist nicht mit öffentlichen Bussen, sondern ausschließlich mit einem Fahrer erreichbar.


Palace of Happiness ★★★★

Über Ashgabat thront förmlich der 2011 eröffnete Hochzeitspalast – Palast des Glücks. Die Architektur des Palasts ist weltweit einmalig und die Funktion (mit wenigen Ausnahmen) wohl auch. Wir suchten verzweifelt nach einem Restaurant, welches nicht auffindbar war. Die Menschen schickten uns immer in eine andere Richtung, aber niemand gab uns eine vernünftige Antwort. Im Inneren des Palasts ist alles auf Hochzeit getrimmt. Fotografenläden, ein Hotel und mehrere Hochzeitskleidergeschäfte befinden sich in dem Gebäude. Für Europäer ist ein solcher Hochzeitspalast mitsamt staatlich verordneter „Happiness“ mehr als nur skurril und sollte allein deshalb in der Reiseplanung für Turkmenistan berücksichtigt werden.


Neutralitätsdenkmal

Die Omnipräsenz des alten Präsidenten Niyazow wurde im Stadtzentrum Ashgabats bewusst zurückgefahren. Zum Beispiel wurde das Neutralitätsdenkmal erst abgerissen und an der Stadtgrenze wieder aufgebaut. Uns hat diese Sehenswürdigkeit massiv enttäuscht, da zuerst ein hoher Eintrittspreis verlangt wurde und sich dann der Inhalt des Berdimuhamedow-Museums als billiger Abklatsch der Freundschaftsausstellung in Nordkorea herausgestellt. Nicht einmal für den Ausblick lohnt sich das Eintrittsgeld.


Ruhnama Denkmal ★★

Die Ruhnama ist das Buch der Bücher, welches vom alten Präsidenten Niyazow geschrieben wurde. Das Denkmal ist eine übergroße Darstellung dieses Buches und sollte individuell durch auf die Oberfläche projizierte Zitate verschönert werden.



Unterkunft


Oguzkent Oteli Sofitel ★★★★★

Das Flaggschiff der Accor Gruppe in Turkmenistan ist ein echtes Schmuckstück und bietet wirklich alles, was man sich wünschen kann. Die Zimmer sind sehr opulent und extrem komfortabel eingerichtet. Die Multimediaausstattung ist modern, die Beleuchtung dezent. Das Bad ist extrem luxuriös und geräumig. Bereits bei den Superior Rooms werden sowohl Badewanne mit TV als auch Dusche angeboten. Die Toileteries sind – wie bei Sofitel üblich – von L’Occitane en Provence. Alles muss aufwändig importiert werden. Es gibt zwei schöne und große Outdoorpools, einen tollen Indoorspabereich mit daran angeschlossenem Indoorpool. Diese sind allesamt fünf Sterne würdig. Das Frühstücksbüffet ist sehr gut. Über ein paar kleine Ungereimtheiten im Service schauen wir bei einer so hohen Qualität in einem Land wie Turkmenistan gerne hinweg. Abschließend sei erwähnt, dass sich das Hotel trotz des französischen Managements und der zu weiten Teilen importierten Ausstattung einen gewissen turkmenischen Charme behalten hat, der im Design durchgezogen wurde.



Essen


Minera ★★★★

Das Minera Restaurant befindet sich im obersten Stock des Altyn Asyr Shopping Centers. Der Ausblick von der Terrasse war unvergesslich. Ein kühles Bier am sonst heißen Abend hätte den Tag eigentlich nicht besser ausklingen lassen können. Doch leider haperte es bei manchen Gerichten. Man sollte versuchen einheimische Gerichte wie knusprige Hähnchenschenkel mit Granatapfel zu wählen. Der Service war mittelmäßig. Es gibt Kaviar. Man sollte sich die russische Karte geben lassen, da die englische Karte viele Gerichte mit doppeltem Preis angibt.


City Pub ★★★

Nach so vielen Tagen in Zentralasien „lechzten“ wir ein wenig nach europäisch anmutenden Essen. So fiel unsere Wahl auf den City Pub im Zentrum der Stadt. Der Eingang ist trotz der exponierten Lage relativ versteckt. Das Interieur erinnert durch die vielen Fußballschals an eine europäische Kneipe. Wenn man nach Touristen sucht, dann wird man im City Pub fündig. Das Bier ist teuer, das Essen auf gutem Niveau. Unserem Magen hat das Essen jedenfalls gut getan.



Shopping


Yimpas Shopping Mall ★★★★

Die türkische Supermarktkette ist die gehobene Alternative zu den lokalen Basaren. Yimpas bietet von frischem Obst bis hin zum gekühlten Softgetränk alles an, was man in einem westlichen Supermarkt auch finden würde. Alkoholische Getränke gibt es hier nicht.


Russischer Basar ★★★

Der Russische Basar grenzt sich durch das Russland-bezogene Produktportfolio von den anderen Basaren ab. Unter anderem sind Kaviar, türkische Fastfood-Produkte und Obst zu erhalten. Schließlich gibt es hier auch alkoholhaltige Getränke bis hin zu Wodka. Spirituosen sind in Turkmenistan generell nicht gut zu beziehen.


Tekel Basar ★★★

Fast alle Busse in Ashgabat fahren zum großen Tekel Basar. Hier gibt es von Wodka über Nüsse bis zum Fleisch alles. Der Basar ist thematisch aufgebaut und so übersichtlich. Für Touristen aber nur von begrenzter Bedeutung.


Altyn Asyr ★★

Als wir das Altyn Asyr Shopping Center besuchten, waren alle Läden geschlossen, doch verheißungsvoll sahen diese nicht aus. Einzig der höchste Springbrunnen Turkmenistans ziert das ikonische Gebäude. Die auf der obersten Etage befindliche Minera Restaurant ist wegen seiner Terrasse dringend zu besuchen.



Dashoguz (Daşoguz | Дашогу́з)


Nun hieß es nach zwei vollen Tagen in Ashgabat Abschied von der Hauptstadt Turkmenistans zu nehmen. Unser Flug T5 103 wurde für 10 Uhr in ASB angesetzt. Unsere Sachen waren gepackt und wir nahmen unser leckeres Frühstück im Sofitel ein. Wir konnten innerhalb von wenigen Minuten ein privates Fahrzeug anhalten, welches uns zu einem sehr humanen Preis von fünf Manat zum Flughafen brachte. Dort gab es sogar einen Souvenirstand. Wir deckten uns mit Magneten für Verwandte ein und gingen zum Check-in. Dashoguz war auch schon an der Abflugtafel angeschlagen und somit gab es wieder dieses etwas gewöhnungsbedürfte Eincheckverfahren (siehe Turkmenabat). Wir brachten dann noch die verbliebenen 60 Minuten in der Abflugwartehalle zu. Dann bestiegen wir über eine Gangway die Boeing 717 und nahmen wie gewohnt im Flugzeug Platz. Es ging auf die Startbahn und unsere Boeing 717 hob langsam ab. Wieder überquerten wir die Karakum Wüste Richtung Norden. Nach nur 40 Minuten landeten wir am Provinzflughafen TAZ, den nicht einmal die Mitarbeiter der Turkmenistan Airlines Niederlassung in der Gutleutstraße Frankfurt kennen. Am Flughafen Dshoguz standen unzählige Regionalflugzeuge von Turkmenistan Airlines bereit. Für uns war das Tagesziel aber Xiva in Usbekistan. Nachdem wir unser Gepäck innerhalb von zehn Minuten bekommen hatten, gingen wir aus dem kleinen Flughafengebäude auf die Straße. Da standen wieder einmal einige private Taxen. Eines davon fuhr uns für 15 Manat zum Bahnhof in Dashoguz. Nach 30 Minuten waren wir nun in der Stadt und gaben am Bahnhof unser Gepäck (vier Stück) zum unglaublichen Kampfpreis von einem Manat ab. In der Bahnhofshalle warteten jetzt um 12:30 Uhr sehr viele Leute, darauf, dass die Bahnschalter die Mittagsruhe beendeten, um Fahrkarten zu verkaufen. Wie es schien, gab es eine hohe Nachfrage nach Fahrkarten in Turkmenistan. Auch wir wollten die Mittagspause an der Grenzstation vermeiden und deshalb gingen wir jetzt um die Mittagszeit auf den Basar von Dashoguz. Hier im Norden von Turkmenistan waren die Häuser nicht so gepflegt und neu wie in der Hauptstadt. Die Fernwärmeleitungen waren in einem desaströsen Zustand und auch viele Straßen waren nicht geteert und hatten große Schlaglöcher. Hier merkten wir diesen Gegensatz zwischen der herausgeputzten Hauptstadt und den etwas ärmlichen Provinzen. Es ging den Menschen in Dashoguz nicht wirklich schlecht, aber man merkte, dass hier der Aufschwung und die Einkünfte aus dem Gasgeschäft bei der breiten Bevölkerung nicht angekommen sind.


Auf dem Basar der Stadt gibt es eine große Auswahl an verschiedensten Produkten. Viele Turkmenen wollten sich mit uns fotografieren lassen. So oft kommen Touristen wohl nicht auf den Basar von Dashoguz. Als es tatsächlich zu regnen begann (in der Wüste im Sommer), suchten wir ein Teehaus auf. Dort bekamen wir russische Pelmeni, das obligatorische Schaschlik, Salat und Schwarztee für schmale 35 Manat. Gestärkt ging es wieder zurück zum Bahnhof.


Inzwischen hatte die turkmenische Seite der Grenze die Mittagspause beendet und wir konnten problemlos nach Usbekistan ausreisen. Zu guter Letzt wurde unser Gepäck durchleuchtet und nach dem Ausfüllen des Zollformulars der Stempel in unsere Pässe gehauen. Im Niemandsland wartete schon eine Marschrutka auf uns. Diese nahm uns den Kilometer bis auf die usbekische Seite mit. Die turkmenische Grenzstation unterscheidet sich elementar von der usbekischen, welche eher rudimentär daherkommt. Wir realisieren einmal mehr, dass Usbekistan doch noch einen langen und schwierigen Weg vor sich hat.


Fortsetzung: 5. Teil des Zentralasien-Reiseberichts: Xiva in Usbekistan



Hinweise für Reisen nach Turkmenistan


Visum

Für Reisen bis fünf Tage erhält man in der Botschaft von Turkmenistan ein Transitvisum für 35,- EUR. Um dieses zu erhalten sollten die Visa zweier Anrainerstaaten (Kasachstan, Usbekistan, Iran, Afghanistan) im Pass sein. Das Visumformular sollte den Transit von einem dieser Länder in das andere beinhalten. Bei postalischer Beantragung erhält man das Visum nach etwa zwei Wochen, kann aber anrufen und den Prozess somit beschleunigen. Man muss also nicht im Anzug vorstellig werden oder Ähnliches. Die eigentlichen Grenzübergänge für Ein- und Ausreise werden nicht vorbestimmt. Hat man einmal das Visum, kann man also an einem beliebigen Grenzübergang ein und an einem beliebigen Grenzübergang wieder ausreisen. Ob die beiden Grenzübergänge im selben Anrainerstaat liegen, spielte bei uns (vor Ort) keine Rolle (mehr). Hat man das Visum sind die Turkmenen sehr freundlich und unkompliziert. Innerhalb Turkmenistans wurden wir nie kontrolliert oder von Offiziellen nach unserem Aufenthaltsgrund gefragt. Eine Registrierung ist nicht notwendig.


Organisation

Die Organisation einer Individualreise nach Turkmenistan ist mit besonderen Hürden verbunden. Die größte Hürde ist die Besorgung von Fahrkarten und Flugtickets. Da die Zugfahrkarten, wie auch Flugtickets aufgrund ihrer niedrigen Preise bereits lange im Vorfeld ausverkauft sein sollen, ist man gut beraten sich rechtzeitig darum zu kümmern. Die offiziellen Agenturen von Turkmenistan Airlines kann man hierbei getrost vergessen. Martin war mehrmals im Büro von Turkmenistan Airlines in Frankfurt am Main, wo die vor den überdimensionierten Präsidentenplakaten sitzenden Mitarbeiter ganz anderen Geschäften nachzugehen scheinen als dem Verkauf von Flugtickets. Das einzige Ticket, was es hier zu kaufen gibt, ist Frankfurt-Ashgabat und zurück, überteuerte Auslandsverbindungen zusätzlich auf Anfrage. Andere Flughäfen innerhalb Turkmenistans sind den Mitarbeitern weder bekannt, noch sind sie in der Lage dafür Tickets zu verkaufen.


Aus diesem Grund muss man hier andere Wege gehen. Zum Glück gibt es Mehri Yakshimuradova (E-Mail) von Ayan Travel eine russischstämmige Turkmenin, die alles möglich macht, was in Turkmenistan möglich ist. Sie hat uns vorab Flugtickets gekauft, diese in das ebenfalls von Ayan Tours im Vorfeld bezahlte Hotel in Turkmenabat geschickt – und zwar alles in Vorleistung. Wir haben den gesamten Betrag also erst in Ashgabat in ihrem Büro in Bar beglichen. Das war der feinste Service, den man sich vorstellen kann – wir sind bis heute begeistert und dankbar. Wir können deshalb nur empfehlen Mehri in allen seriösen Belangen anzuschreiben. Hier bekommt man in der Regel auch das beste Preis-Leistungsverhältnis für Flüge, Zugbuchungen und viele Hotels. Speziell für Hotelübernachtungen ist aber auch OrexCA zu empfehlen.


Reiseführer

Der beste und einzige deutschsprachige Reiseführer für Turkmenistan ist zuletzt im April 2012 im Trescher Verlag erschienen und ist vor allem für Individualreisende unentbehrlich.

Hinweis: Der Zentralasien-Reisebericht ist in 5 Teile gegliedert und fortlaufend geschrieben. Der 1. Teil beginnt in Usbekistan.