Armenien Reisebericht: wir reisen nach Jerewan
Armenien Reisebericht

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Armenien Reisebericht

& Jerewan City Guide


In unserer Vorbereitung haben wir sehr viel über Armenien gelesen und gesehen. Gespannt waren wir auf die Auswirkungen des Berg-Karabach-Konflikts auf unsere Reise. Ein unerwartet großer Teil der Armenier sind Diaspora-Armenier (z.B. Tufenkian) und investieren immer stärker in ihre Heimat. Gibt es deshalb so viele Porsche Cayenne auf den Straßen Jerewans? Armenien ist trotzdem unter allen Kaukasusstaaten am meisten auf Touristen eingestellt. Das tut der Schönheit des Landes und der Freundlichkeit der Armenier keinen Abbruch.


Jerewan Reisebericht

Armeniens Hauptstadt


5. September 2010

Unsere Reise durch Armenien begann mit einem frühen Aufstehen am 5. September in Tiflis. Schon gegen fünf Uhr suchten wir im Tifliser Stadtteil Vere nach einem Taxifahrer. Schnell hatten wir ein privates Taxi gefunden, welches uns zum ausgehandelten Kampfpreis von 22 Lari zum Flughafen bringen sollte. Der Check-In war schnell erledigt, sodann hingen wir im Transitbereich am Efes Beerport fest und gönnten uns ein kleines Frühstück um 6 Uhr. Nach dem routinierten Boarding startete der Flug U8 022 um sieben Uhr pünktlich gen Jerewan.

Wir landeten auch pünktlich gegen neun Uhr in Jerewan, der Hauptstadt Armeniens. Es war schönes Wetter und unser Armavia Flugzeug rollte zum kleinen, aber modernen Terminal. Das Flugzeug kam zum Stillstand und wir sprangen auf. Doch wir waren die einzigen. Fragend schauten uns die anderen Fluggäste an. Ja unser Ziel ist doch Jerewan!? Mh, alle anderen wollten weiter – anscheinend nach Moskau. Na gut, dann sind wir eben die einzigen Armavia-Fluggäste, die in Jerewan aussteigen. Wir machten unsere Visa klar, auch wenn wir die einzigen am Einreisestand waren. Plötzlich kam uns alles russischer vor.

Den Flughafenangestellten machten wir klar, dass wir auch unser Gepäck schnellstmöglich in Empfang nehmen möchten und das dieses nicht nach Moskau fliegen sollte. Unser Gepäck war dann das einzige neben dem stillstehenden Gepäcklaufband. Nach der Einreise inklusive Visa in unseren Reisepass hatten wir uns einen korrupten Taxifahrer geschnappt, der uns in die Innenstadt bringen sollte.

Unsere Unterkunft war die Villa Delenda, die eher als Bed & Breakfast auftritt. Wir konnten trotz Übernächtigung aus Tiflis nicht gleich unser Zimmer beziehen und mussten noch etwas warten. Dieses anmutende Domizil wartete mit einigen tollen Räumen auf und bietet noch ein Shop mit wirklich auserwählten Souvenirs. Das ganze Ensemble steht unter der Schirmherrschaft der italienischen Botschaft, die mit einigen Sozialprojekten Mitbringsel anfertigen lässt und dort verkauft.

Wir stellten das Gepäck ab und starteten unser Besichtigungsprogramm. Das Frühstück gab es ausnahmsweise an diesem Morgen für uns im Café La Bohéme an der neuen Luxus-Einkaufsstraße Hyusisayin Poghota (Northern Avenue). Die Innenstadt ist nach einem Reißbrett angelegt und wird durch eine Ringstraße begrenzt.

Generell ist die Innenstadt weitläufig und man braucht einige Zeit, um von einem Punkt zum anderen zu gelangen. Die Häuser gleichen Altbauten und es gibt kaum ein richtiges Zentrum, vielmehr ist die ganze Stadt ein Zentrum - und genau das macht Jerewan interessant. Abgesehen von den unzähligen Museen und Statuen ist der Rest der Sehenswürdigkeiten überschaubar. So kann man Jerewan durchaus innerhalb eines Tages besichtigen.


Am Abend sollte man neben dem Opernplatz auch den Hanrapetutyan Hraparak (Platz der Republik) besuchen. Denn hier quellt das Leben. Im Sommer sind unendliche Menschenmassen unterwegs. Begrenzt wird jener Platz durch Filialen der Großbanken, einer Postfiliale und durch diverse Ministerien.

Eine der trendigsten Straßen ist die Tumanyan nordwestlich des Opernplatzes. Hier gibt es kleine Boutiquen wie auch stylische Bars und Kneipen. Trotzdem sollte man beim Flanieren außerhalb der Einkaufsstraße auf den starken Verkehr achten. Denn wie in allen Kaukasusländern gilt: der Autofahrer hat immer Vorrang. Alle weiteren Sehenswürdigkeiten kann man in einschlägiger Reiselektüre nachschlagen. 


Für uns kam Jerewan von allen Hauptstädten im Kaukasus noch als am russischsten vor. Wir hatten das Gefühl, dass es in Armenien besonders viele Wörter mit kyrillischen Schriftzeichen gibt und dass die Leute hier gerne russisch sprechen. Armenien ist politisch derzeit (2011) ein pro-russisches Land, was man mit offenen Augen auch bemerken kann. Viele Oligarchen mit Diasporahintergrund investieren besonders stark in ihre Heimat.


City Guide Jerewan:


Übernachtung

Villa Delanda

★★★★★

Unser Geheimtipp ist die Villa Delenda im Herzen Jerewans. Ein kleines Hotel mit toller Ausstattung bildet eine mediterrane Oase im wilden Jerewan. Der Töpfershop belebt das Hotel positiv. Hier kann man noch zeitnah vor einem Abflug notwendige Geschenke shoppen. Die Zimmer sind individuell eingerichtet und konnten selbst uns in Sauberkeit überzeugen. Die Gäste sind international. Das Frühstück sehr gut und schafft den Spagat zwischen internatonal und regional.



Essen & Party

Café Bohéme (Hyusisayin Poghotha / Northern Avenue)

★★★★★

Das europäisch daherkommende Café La Bohéme avancierte bei uns zum Café erster Wahl. Sehr gute Bedienung, große Auswahl an Speisen und erstklassige Qualität überzeugten uns schon beim ersten Frühstück. Die Preise sind für europäische Verhältnisse moderat. Besonders gut eignet sich das Café für peoplewatching.


Dolmamas

★★★★

Schon Hillary Clinton war hier essen. Das Dolmamas hat nicht nur hohe Preise sondern auch guten Service und ausgesprochen gutes Essen. Wir bestellten Nudeln und Berglammgulasch. Die Nudeln waren schon kalt geworden, hingegen war das Lammgulasch ausgezeichnet. Das Ambiente ist etwas kühl gehalten, vielleicht lag es am fehlenden Publikum? Man sollte noch erwähnen, dass dieses Restaurant mit einheimischer Küche von Touristen und Geschäftsreisenden bevorzugt wird. Wir bekamen am Ende noch einen sehr guten Vodka, der aufs Haus ging.


L’Orange Azur

★★★

(http://www.lorange.am/). Gediegenes Innendesign rundet die leckeren Speisen, Snacks und Getränke ab. Trotz Hennessy Cognac sind die Preise für Cocktails (ungefähr 6 Euro) vertretbar. Empfehlenswert sind das Frühstücksangebot und die leckeren frisch gepressten Säfte (ca. 3 Euro).


KAYL (Hyusisayin Poghotha / Northern Avenue)

★★

Das am 3. September 2010 eröffnete Restaurant KAYL in der Northern Avenue bietet einen extrem introvertierten Eigentümer, äußerst extrovertiertes Exterior, miserables bis schlechtes Essen und einen oberflächlichen Auftritt. Das Essen sah zwar aus wie in einer guten französischen Gastronomie, konnte geschmacklich hingegen überhaupt nicht überzeugen. Man sollte sich auch nicht von der kitschigen Liveband beeindrucken lassen. Viel Lärm um nichts. Wenn man sich dennoch entscheidet das KAYL zu besuchen, sollte man nicht im Touristenoutfit sondern in  Abendgarderobe erscheinen. Andernfalls ist nicht sicher, ob man am Türsteherteam vorbei kommt.


Cafés rund um die Oper

Rund um die Oper im Park gibt es zahllose Cafés. Die Cafés haben unterschiedliche Namen und gehören doch zusammen. Geboten werden Speisen, Getränke und Schisha. Auf jeden Fall war es sehr angenehm, bei einem schönen Sommerabend das ein oder andere Bier zu genießen. Auch das Essen der Cafés ist ganz gut. (Café Rich: ★★)



Einkaufen

Töpferwaren/Potteries:

Ich bin selbst kein Fan von Töpferwaren, aber der Töpfershop der Villa Delenda konnte mich gleich als Freund gewinnen. Man sollte dort unbedingt ein paar Töpferwaren einkaufen. Ein Glück sind dort kitschige Töpferwaren die Ausnahme.


Vermischtes

In ganz Armenien sollte man auf extrem überteuerte Souvenirs Acht geben. Insbesondere im Geschäft „Salt Sack“ gibt es „Traumpreise“. Auch an anderen Touristenmagneten gibt es Händler mit unverhältnismäßig hohen Preisen. Supermärkte hingegen warten mit einer netten Alkoholauswahl auf und bieten typische armenische/russische Produkte. Ein großer Supermarkt befindet sich an der Metro-Endhaltestelle Barekamutyun.



Architektur

Auch wenn die neue Haupteinkaufstraße Hyusisayin Poghotha / Northern Avenue mit brachialer Architektur versucht Akzente zu setzen, die so gar nicht zum Stil der Armenier gehören, gibt es doch auch ein paar kleine Architektur-Highlights. So wurden viele Altbauten abgerissen, um Platz für die streitbare neue Architektur zu machen. Weiterhin gibt es viele neue teuere Häuser, welche weder Stil noch Wieder-erkennungsmerkmale haben.

Man sollte unbedingt die Kaskaden zum Monument der sowjetischen Armee aufsteigen. Erst hier erschließt sich ein komplexes Gesamtbild der Stadt. Weiterhin sind einzelne Villen an der Ringstraße interessant, in denen meist Botschaften ansässig sind. So lohnen sich die Gebäude der chinesischen oder deutschen Botschaft.



Allgemeines

Auch in Armenien bieten insbesondere Cafés ein kostenloses WLAN an.



Khor Virap & Norovank Reisebericht

6. September 2010

An diesem Tag versuchten wir nach einem Jahr mal wieder einer geführten Tour zu vertrauen. So entschieden wir uns fälschlicherweise für einen Anbieter, der die Sakralbauten Khor Virap and Norovank  an einem Tag anfuhr. Für 8000 AMD waren wir pro Person dabei. Am abgesprochenen Treffpunkt holte uns der Bus mit einer handvoll weiterer Touristen irgendwo in Jerewan ab. Die Touristenführerin blubberte uns die ganze Zeit zu. Zum Glück kann man sich mit modernen Kopfhörern individuell abschotten. Briten, Russen und natürlich Deutsche waren an Board. Nach knapp einer Stunde hatten wir eine der Toptouristenattraktionen Armeniens erreicht. Khor Virap liegt in der Ebene direkt vor dem berühmten Ararat Berg. Vor knapp 1,5 Jahren waren wir in der Türkei schon auf der anderen Seite unterwegs (Link zur Iran Seite). Im Gegenteil zur Iranreise konnten wir an jenem Tag ganz ausgeruht den Anblick dieses wunderbaren Berges genießen. Wir stellten sofort fest, dass besonders in Armenien unzählige Touristen unterwegs waren. Nie (außer im Geghard Kloster)waren wir alleine als Alternativbesucher. Wir streunten durch und um das alte Kloster. Es war angenehm, aber zu abgekartet. Was soll man auch von so einem schönen Ort halten? So machten wir trotzdem ein paar erwähnenswerte Bilder. Interessant war, dass die Grenze zur Türkei nur wenige Meter vor dem Kloster verläuft. Für die Armenier ist das besonders schlimm, da doch der Ararat ihr heiliger Berg ist und dieser territorial der Türkei zugehörig ist. Zurück zu unserer Tour. Am schlimmsten wurde es, als es mit unserer Tour zur Weinverköstigung (von der wir nichts wussten) ging. Wir durften dann einen für uns geschmacklich schlimmen (Ekel-)Wein nach dem anderen probieren. Es war eine Zumutung. Glücklicherweise kauften alle Touristen nicht die weniger schlimmen, sondern die schlimmsten „Weine“ überhaupt. Das war dann geschmacklich irgendetwas zwischen Saft, Alkohol und Alkopop.

Während die Mittagssonne niederprasselte, erreichten wir die Kirche Norovank bei Arpi, welche nur drei Kilometer entfernt von der iranischen Grenze liegt. Die Kirche lag in einem kleinen Canyon ganz am Ende. Die Sonne schien, es war schön warm, alles passte. Wir erkundeten die Monumente und schauten uns alles genau an. Doch es kam ein Bus nach dem anderen mit Touristen an (vornehmlich mit Touristen aus Süddeutschland). Eindruck schindeten bei uns die sehr alten deutschen Reisegäste, denen man ansah, dass diese mit der Hitze kämpften. Wir dachten sofort an aktive Sterbehilfe...

Alles gesehen? Nach einem kurzen Essenstop für unsere Mitreisenden in Arpi ging es wieder nach Jerewan. Den Abend verbrachten wir nach dem Abendbrot im Park rund um die Oper.

Aus eben erwähnten Erfahrungen empfehlen wir die Anfahrt mit einem Taxi (vorzugsweise mit einem Jeeptaxi) - dieses würde eine moderate Preissteigerung darstellen.



Geghard Kloster, Garni Tempel und Echmiadzin Reisebericht

7. September 2010

Nachdem wir keine Lust mehr auf abgekartete Bustouren hatten, nahmen wir kurzerhand ein Taxi. Dieses sollte uns schon ganz früh mit einem Taxometer zum Geghard Kloster und Garni Tempel bringen. Für ca. 30 Euro war das für uns an jenem Tag möglich. Früh aufstehen, das ist nicht gerade die Stärke der Armenier. Wenige Taxen waren gegen neun Uhr unterwegs. Doch wir fanden einen jungen Fahrer, der auch etwas Russisch sprach.

Wir entflohen dem Stau und Moloch Jerewans und kamen nach 50 Minuten am Geghard Kloster an. Dabei haben wir die alten Babuschkas (Omas) förmlich überrascht, welche gerade unter anderen die Andenken für die Touristen aus ihrem Mercedes auspackten. Sie waren gerade dabei, sich und die Mitbringsel vor dem Eingang zum Kloster zu positionieren. Die Sonne schickte gerade die ersten Sonnenstrahlen über die Bergkette und tauchte damit das Kloster in ein angenehmes morgendliches Licht. Tja, wie wir dann feststellten, waren wir hier im UNESCO Weltkulturerbe die ersten Gäste am Tag. Dadurch konnten wir endlich die Spiritualität eines solchen Ortes auf Herz und Nieren testen. Es war so angenehm und wir wären gerne länger hier geblieben, wenn uns nicht das Kulturprogramm getrieben hätte.

Denn fünf Kilometer talabwärts liegt an der Straße nach Jerewan der Garni Tempel. Hier waren schon mehrere russische Touristen eingetroffen. Nicht nur der Tempel ist interessant, sondern auch der Ausblick auf den Canyon. Erwähnenswert sind die hübschen Blumenbeete vor dem Tempel, die das ganze Ensemble aufwerten. Anschließend ging es zurück nach Jerewan.

Das Mittagsessen nahmen wir in einem italienischen Restaurant am Nalbandyan Poghots ein. Direkt an der Straße gab es ein paar tolle Restaurants und Läden, die wir aber leider nicht mehr mit Namen kennen.

Gut gesättigt, nahmen wir anschließend ein Taxi zum Heiligtum der Heiligtümer in Armenien, zum Heiligen Stuhl der Armenischen orthodoxen Kirche in Echmiadzin. Zu besichtigen ist die Anlage inklusive Johannes Paul II.-Kirche und verschiedenen Denkmälern. Das Zentrum bildet die Mayr Tachar Kirche mit ihrem Heiligen Schrein und der Reliquienkammer. Nach einem happigen Eintrittspreis (wahrscheinlich für Ausländer) hat man dann die Gelegenheit, ein versteinertes Stück der Arche Noah zu sehen. Weiterhin gibt es noch die Original-Speerspitze zu sehen, die ein Soldat Jesus in den Bauch gerammt haben soll (Entschuldigung für die rudimentäre Beschreibung dieser Reliquien.)

Danach machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Swartnos (Zvartnoz), um uns dann am Abend wieder in das Nachtleben Jerewans zu stürzen.


Sevan See, Dilijan, Kloster Goshavank, Haghartsin Reisebericht

8. September 2010

Herrliches Sommerwetter begrüßte uns auch am vorletzten Armenientag. Wir verließen glücklich und entspannt die Villa Delanda in Jerewan und stellten uns direkt an die Straße. Denn wir warteten auf ein geeignetes Taxi für eine Überlandfahrt. Erst ließen wir viele Seelenverkäufer vorbeifahren, doch schon nach drei Minuten hielten wir ein Iran Kodro (siehe Reisebericht Iran) an. Der freundliche Taxifahrer sprach auch ein paar Brocken Russisch. Wir teilten ihm unser Ziel Dilijan mit. Anschließend verhandelten wir den Preis für die 85 Kilometer lange Strecke und dann ging es schon los. Die Autobahn M4 oder E117 führte immer weiter bergauf bis zum auf 2000 Meter Höhe gelegenen Sevan See. Doch bevor wir den erreichen sollten, gab es eine Panne nach der anderen. So machte der gasbetriebene Motor schlapp und wir standen mehrere Male auf dem Standstreifen. Wir rechneten schon mit dem Schlimmsten, doch der Motor ging nach gefühlten 30 Minuten wieder an und es ging weiter. Dann endlich eröffnete sich ein blauer See, der Sevan See. Die Autobahn verlief direkt zwischen einer Eisenbahnstrecke, dem Abhang und dem Seeufer. So kamen wir am gleichnamigen Ort Sevan und dem berühmten Kloster Sevanavank vorbei. Nach ein paar Minuten schöner Fahrt am Ufer verließen wir die Strecke, um auf der M4 über den Sevan Pass (2114 m) nach Dilijan zu fahren. Mit Hilfe des Lonely Planet konnten wir den Fahrer bis zu unserer Unterkunft im Old Dilijan leiten. Gebucht war eines der zwei Hotelzimmer in der Tufenkian Unterkunft (★★★★) direkt am Stadtzentrum. Wir checkten routinemäßig ein. Als wir dann das Zimmer betraten, freuten wir uns über einen riesigen Balkon und einer sehr guten Ausstattung. Fön, Flatscreen Fernseher und Duschgel waren Standard. Der Ort selbst ist nicht unbedingt sehenswert. Ein kurzer Fußmarsch zum sozialistisch anmutenden Marktplatz offenbart: hier ist die Zeit stehen geblieben. Die Stadt könnte locker als Kulisse für ein Kommunismusdrama herhalten. Hingegen sind der Dilijan Old Complex und weitere kleine Einfamilienhäuser reizvoll bzw. wurden gewollt so hergerichtet.

Da wir früher als gedacht mit der Besichtigung des Ortes fertig waren, schnappten wir uns wieder mal ein Taxi. Diesmal war es ein ehrwürdiger Wolga samt stereotypischen Taxifahrer. Er brachte uns zuerst zum Kloster Haghartsin (wird gerade restauriert), welches wundervoll am Ende eines Tales liegt. Anschließend ging es wieder das Tal zurück und dann weiter talabwärts dem Fluss Aghstev folgend zum Kloster Goshavank in Gosh. Dieses ehemalige Kloster liegt auf einem Hügel in einem kleinen Ort. Hingegen besticht es durch seine Ursprünglichkeit. Überall säumte Gras die löchrigen Mauern. Der Reiz dieser Anlage ist eben genau dieses raue und unrenovierte Erscheinungsbild. Als dritte Attraktion ging es zu einem nahegelegen See namens Parz in einem Wald. Die unasphaltierte Stichstraße befindet sich auf halbem Weg zwischen Gosh und Dilijan. Hier befand sich auch ein Ausflugscafé (★★★), welches besten Kebap für nur 1000 Dram pro Person servierte! Ein echter Geheimtipp, der nicht im Lonely Planet verzeichnet ist. Hier trafen wir auch viele Iraner, die picknickten.

Wieder zurück, konsumierten wir armenisches Bier, um dann im Old Dilijan Complex noch Abendbrot zu essen. Doch leider blieb uns vorrangig nicht das gute Essen im Gedächtnis, sondern der schlechte Wein. Dieser wurde zuerst als trocken angepriesen, entpuppte sich doch als halbtrocken. Das Preis-Leistungsverhältnis des Weines war mies. Hier wurde unser Pauschalurteil bestätigt: Armenier können keinen Wein keltern!



9. September 2010

Wir vereinbarten mit unserem Taxifahrer vom Vortag, dass er uns an jenem Tag bis zur georgischen Grenze bei Bagratashen fahren sollte. Zusätzlich wollten wir noch an den UNESCO-Weltkulturerbe Klöstern im Debbed Canyon anhalten. Die liegen ja ganz gut auf dem Weg. Auch wenn Reiseführer die Fahrt mit der Marschrutka empfehlen, ist die Fahrt mit dem Taxi viel angenehmer und man kann mehr sehen. Auf diese Weise spart man sehr viel Zeit im Gegensatz zur langsamen Marschrutkafahrt. Wir schafften die Strecke von Dilijan mit der Besichtigung der Klöster und Fahrt bis nach Tiflis deshalb in acht Stunden. Da wir nicht genug Zeit für ein ausgiebiges Frühstück hatten, orderten wir am Vortag bei unserer Tufenkian Unterkunft noch ein Lunchpaket. Bestens ausgestattet, trafen wir unseren Fahrer um acht Uhr. Die Route führte über Vanadzor und der Transitstraße M6 Richtung Tiflis. Schon gegen 9:30 Uhr erreichten wir im Morgennebel das Kloster zu Sanahin bei Alaverdi. Schnell bezwangen wir die ausladende Anlage. Wir wurden völlig überrascht von den morgendlichen Touristenströmen (sieben Touristen), was uns in unserem Ablauf jedoch nicht beeinträchtigte.

Unser Fahrer (anscheinend Analphabet) war gewissenhaft und fragte sich durch, bis wir wirklich an unserem gewünschten Ziel angekommen waren.

Zwischenzeitlich nahm er weitere Fahrgäste mit, damit sie ihm den Weg zu unseren Sehenswürdigkeiten verraten konnten. Zwar war das nicht die schnellste Methode, aber trotzdem für unseren Taxifahrer brauchbar.

Als nächstes kamen wir in Haghpat an. Diese alte Klosternanlage konnte uns völlig überzeugen! Der Ausblick von dem uralten Friedhof auf den Ort und den Canyon hinterließen mächtig Eindruck. Denn wie Sanahin liegt Haghpat auf einem Plateau über dem Debbed Canyon. An jenem Morgen legte sich der Nebel wie ein Schleier auf den Abgrund und das Tal.

Von Haghpat bis zur Grenze waren es gute 35 Kilometer. Die Straße war gut erhalten und wir überholten Marschrutkas und Busse nach Tiflis.

Direkt an der Grenze (auf der armenischen Seite) angekommen, wurden wir gleich gefragt, ob wir ein Taxi für rund 80$ USD nach Tiflis haben möchten. Wir bestanden auf die Backpacker-Methode und wollten die Grenze zu Fuß überqueren.

Zuerst ruhten wir uns am letzten Café in Armenien aus, um das letzte armenische Geld loszuwerden. Wir kauften etwas und kamen mit einer Reisegruppe aus Istanbul in Kontakt. Nach weiteren 30 Minuten passierten wir problemlos die Grenze. Die Georgier wie die Armenier waren schnell und nett. Nach weniger als 20 Minuten waren beiden Prozeduren beendet, auch wenn die georgische Grenzabfertigung an Freundlichkeit nicht zu übertreffen ist und gerne auch länger als drei Minuten dauern könnte.

Noch ein paar Meter mussten wir dann zu den wartenden Taxen am Grenzposten auf georgischer Seite laufen. Dann bekamen wir einen Taxifahrer inkl. BMW. Da hatten wir Freude am Fahren. Nach zwei Stunden erreichten wir Tiflis und somit den Startpunkt für das nächste Reiseziel: Aserbaidschan.


Leseempfehlung Armenien Eriwan 21 (FAZ).

text: tjark METZNERkaukasus.html